Merz tauscht Büroleiter aus - und "nimmt Linnemann den stärksten Mann"

Das Kanzleramt ist kein Ort für lange Lernkurven.

Jacob Schrot ist raus – nach nicht einmal einem Jahr als Büroleiter und zusätzlich als „Nationaler Sicherheitsberater“ im Kanzleramt. Offiziell „im gegenseitigen Einvernehmen“. Nachfolger wird Philipp Birkenmaier, bisher CDU-Bundesgeschäftsführer.

Die Leitung des Kanzlerbüros ist ein harter Job. Und verlangt sehr viel mehr als die „Leitung eines Büros“.

In dieser Position bist du Blitzableiter, Cheforganisator, Polit-Orakel, Seelentröster – und erste wie letzte Instanz, wenn es um die Frage geht, wer Zugang zum „Chef“ bekommt. Intern wie extern.

Béla Anda ist Kommunikations-Manager. Er war Regierungssprecher unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und stellv. Chefredakteur von "Bild". Er leitet heute seine Agentur "ABC-Communication".

Amt verlangt bedingungslose Uneitelkeit

Das Amt verlangt bedingungslose Uneitelkeit. Den Willen zu dienen – im Wissen um die exekutive und vor allem auch um die unausgesprochene Macht, die man hat. Mit der Fähigkeit, sie zu gebrauchen, aber nicht zu missbrauchen. Als Mann oder Frau des „Last Resort“.

Und seit dem Aufbau des Nationalen Sicherheitsrats hing an Schrot zusätzlich ein Kernthema dieser Regierung: Sicherheit nach innen und außen. Ich habe mich von Anfang an gefragt, wie diese beiden Rollen miteinander zu vereinbaren sind. Merz und Schrot haben jetzt die Antwort gegeben: gar nicht. Und so wird es – meine Prognose – auch bleiben.

Denn der Nationale Sicherheitsrat fuhr mit seinen zusätzlich bewilligten Stellen den für Merz zentralen Leitern der außen- und europapolitischen Abteilung ebenso in die Parade wie dem Chef des Bundeskanzleramtes. Dafür braucht Merz eine fachlich versierte Autorität, die sich entweder gegenüber den sich selbst gern als „Chefberater“ verstehenden Abteilungsleitern durchsetzen kann – oder deren reiner Erfüllungsgehilfe ist.

Friedrich Merz und Jacob Schrot
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat seinen Büroleiter Jacob Schrot entlassen. Kay Nietfeld/dpa

Birkenmaiers Benennung ist vor allem eine Botschaft an die Partei

Der Nachfolger von Schrot als Leiter des Kanzlerbüros, Philipp Birkenmaier, wird diese Doppel-Aufgabe nicht wahrnehmen. Seine Benennung ist vor allem eine Botschaft an die Partei. Friedrich Merz hat offenbar gespürt, dass ihm der parteipolitische Rückhalt zu entgleiten droht. Als Kanzler einer Koalition ist er zum Kompromiss gezwungen – in einer Welt, die – Trump lässt grüßen - nach Eindeutigkeit ruft. Und in einer CDU, die genau das von ihm erwartet.

Also braucht Merz ein neues Scharnier zur Partei. Eines, das „CDU pur“ verkörpert – kantiger, klarer, parteipolitischer, als er selbst es im Kanzleramt sein kann.

Wirtschaftsexperte Philipp Birkenmaier wird neuer Büroleiter von Friedrich Merz.
Wirtschaftsexperte Philipp Birkenmaier wird neuer Büroleiter von Friedrich Merz. Tobias Koch/CDU/dpa

Mit Birkenmaier nimmt Merz Linnemann den stärksten Mann

Dafür greift er zu einem klassischen Machtinstrument: Er nimmt Carsten Linnemann – durchaus ein innerparteilicher Rivale – den stärksten Mann.

Geht das schief, wird es ernster. Dann bleibt am Ende nur noch, den Parteivorsitz abzugeben, um das Kanzleramt zu retten. Es ist nicht verwunderlich, dass Merz genau das vermeiden will.

Beide müssen jetzt liefern. Der neue Büroleiter. Und auch Friedrich Merz.