Auf dem Gelände des ehemaligen „Strasserhof“ soll nun doch ein klassischer Wellness-Hotelbetrieb entstehen. Einst waren Ferienwohnungen geplant. Im Gemeinderat löste das eine lebhafte Debatte aus.
Wackersberg – Kleine Anpassungen, aber mit Richtungsänderung: Statt Ferienwohnungen soll nun doch ein Hotel auf dem Gelände des ehemaligen „Strasserhof“ entstehen. Tassilo Perras, Betreiber des benachbarten Golfplatzes, hatte 2021 das Areal von dem mittlerweile verstorbenen Johannes Tien erworben, der dafür ebenfalls schon Hotelpläne hatte.
Erst im Januar hatte der Gemeinderat die Weichen für eine Änderung des Bebauungsplans gestellt. Perras wollte damals einen Einfirsthof mit 90 Ferienwohnungen, Wellnessbereich und Teich errichten. In der Sitzung am Dienstag ging es nun um kleinere Anpassungen am Entwurf. Auch wenn die baulichen Änderungen – es geht um Gauben und Abgrabungen – nicht umfangreich erscheinen, sind sie dennoch richtungsweisend. Denn: Perras ist von seinen Ferienwohnungs-Plänen abgekommen und möchte nun ein Vier-Sterne-Superior-Hotel errichten. „Dazu sind ein Restaurant und mehr Personalräume notwendig. Wofür wiederum punktuelle Abgrabungen durchgeführt werden müssen, um dies im Untergeschoss unterzubringen“, erklärte Bürgermeister Jan Göhzold. Weiter seien eine Terrasse und ein zusätzlicher Lift geplant. „Herr Perras ist wohl zu dem Schluss gekommen, dass ein Hotel wirtschaftlicher ist“, so der Bürgermeister. Er zeigte ein Video vom Planungsstand des Hotels mit Wellnessbereich, Schwimmteich, 20 000 Quadratmeter großer Parkanlage und – jetzt neu – Restaurant mit Terassenbereich. Die Zimmeranzahl bleibt unverändert.
Strasserhof: Zimmeranzahl bleibt mit 90 unverändert
Auf Nachfrage sagt Perras: „Ob 90 Ferienwohnungen oder 90 Hotelzimmer, macht keinen großen Unterschied. Entscheidend ist, dass der Betrieb eine Vollgastronomie bekommt.“ Dies optimiere das Gästeerlebnis. „Kunden, die Wellnessurlaub machen, wollen nicht unbedingt in ein externes Restaurant. Ich sehe das als positive Entwicklung.“
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Im Gemeinderat herrschten diesbezüglich geteilte Meinungen. Dritte Bürgermeisterin Maria Wolf zeigte sich begeistert: „So ist es viel schöner als mit den Ferienwohnungen. Dass ein Restaurant dabei ist, macht die ganze Sache auch schlüssiger.“ Göhzold betonte: „Mir gefällt der Entwurf auch besser. Andere Gemeinden würden sich die Finger danach abschlecken.“
Gemischte Stimmung im Gemeinderat
Wie berichtet waren Nikolaus Braun, Josef Waldherr und Martin März bereits im Januar gegen die Bebauungsplanänderung. Der erneute Richtungswechsel verhärtete ihre Haltung. „Das ist nicht mehr als ein Luftschloss. Im Herbst reden wir dann wieder über die nächste Änderung“, so März. Braun: „Geschrieben und gesagt wurde in den letzten Jahren viel dazu. Jetzt soll sich nach den Ferienwohnungen plötzlich doch wieder nur ein Hotel rechnen. Ich bin nach wie vor dagegen.“
Bedenken bezüglich Dimension des Betriebs
Waldherr ist nicht prinzipiell gegen die Errichtung eines Hotels an der Stelle, wie er betonte. Aber: Diese Rechnung sei „blanke Theorie. Ich bin der Meinung, dass sich ein Betrieb entwickeln muss. Wenn man von null weg so groß loslegt, besteht das Risiko, dass es nicht ausgelastet ist.“ Er verstehe nicht, warum man nicht kleiner anfängt und, wenn alles gut läuft, erweitert. Johannes Heiß sagte: „In Tölz ist der ganze Kurbetrieb eingeschlafen. Ich finde es gut, wenn ein Unternehmer hier was anpackt. Aber in dieser Dimension darf halt echt nichts schiefgehen.“
Unternehmensberatung „Treugast“ gibt Stellungnahme ab
Dazu erklärt Perras: „Ein Hotel ist kein Produkt von der Stange. So ein Projekt muss sich entwickeln. Man sammelt im Laufe der Zeit Erkenntnisse, die man dann teils in Änderungen umsetzt, das gehört dazu.“ Er lasse sich von der Unternehmensberatung „Treugast“ beraten. „Das sind Branchenprofis, und in einer Stellungnahme kommt klar raus, dass sich ein solcher Betrieb ab 120 Zimmern richtig rechnet. Dabei geht es auch darum, eine wirtschaftliche Rentabilität mit Blick auf die Nebenflächen und das Wellness-Angebot sicherzustellen. „Und wir sind jetzt eh schon nur bei 90.“ Die Stellungnahme liegt unserer Redaktion vor.
Barbara Camelly gab zu bedenken: „Es gibt einen enormen Personalmangel in der Hotellerie. Ob Ferienwohnungen oder Hotel ist personell ein großer Unterschied. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er genügend Leute nach Wackersberg bekommen wird.“ Hans Demmel erwiderte: „Ob es dann funktioniert oder nicht, ist nicht unsere Sache. Nach dem Hin und Her wäre ich auch gegen große Änderungen, aber mit diesen Punkten kann ich leben.“ Klaus Willibald meinte: „Wir sind bei den bisherigen Änderungen immer mit großen Bauchschmerzen mitgegangen. Jetzt können wir doch wegen dieser kleinen Änderungen das Projekt nicht sterben lassen.“
Gemeinderat: Abstimmung fällt 11:5 aus
Nach langer Debatte stimmten die Gemeinderäte ab. Mit 11:5 wurden die Bebauungsplanänderungen abgesegnet. Dagegen stimmten Martin März, Josef Waldherr, Nikolaus Braun, Barbara Camelly und Franz Demmel.
Anwohner wollen breitere Straße
In puncto „Strasserhof“ ging es auch um die zum Bebauungsplan eingegangenen Stellungnahmen. Dazu waren mehrere Anwohner des Buchbergs in die Sitzung gekommen. Sie befürchten eine Zunahme des Verkehrs auf dem Straßenstück zwischen der Einfahrt zum Beherbergungsbetrieb und der Kreuzung der St2064. „Wir sind Bauern und müssen mit den Maschinen auf der Straße hin- und herfahren. Da wird es zu Behinderungen kommen, wenn für 90 Ferienwohnungen oder Hotelzimmer Gäste und Mitarbeiter entgegenkommen“, sagte eine Anliegerin. Eine weitere meinte: „Wenn Geld für so ein großes Projekt da ist, sollte auch bissl was für eine Verbreiterung der Straße da sein.“ Die Planung sehe drei Ausweichbuchten auf dem 400 Meter langen Abschnitt vor, erklärte Bürgermeister Jan Göhzold. Die Gemeinderäte Franz Demmel und Josef Waldherr warben dafür, auf die Bedenken der Anwohner einzugehen. „Unsere Landwirte müssen ihrer Arbeit ungehindert nachgehen können“, so Waldherr. „Wir sollten eine Möglichkeit schaffen, hier noch Änderungen erwirken zu können“, meinte Demmel. Die Räte beschlossen, den Punkt zu vertagen. „Bis dahin überlegen wir uns, ob man die Verkehrssituation besser gestalten kann“, sagt Göhzold auf Nachfrage.