Bad Wiessee entscheidet sich für Barockfeuerwerk – Bürgermeister wirbt für Initiative

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Um die private Böllerei an Silvester einzudämmen, bietet Bad Wiessee heuer ein zentrales, angeblich geräuscharmes Feuerwerk an. Die Idee ist umstritten. © Lino Mirgeler/dpa

Bad Wiessee will an Silvester ein zentrales Feuerwerk zünden, um die private Böllerei einzudämmen. Die Idee ist umstritten. Jetzt steht fest: Es soll ein bodennahes Barockfeuerwerk werden.

Bad Wiessee – Lärm, Müll und Tonnen von Feinstaub, die innerhalb kürzester Zeit freigesetzt werden: Vielen Bürgern ist die Knallerei zum Jahreswechsel ein Dorn im Auge, der Ruf nach einem Feuerwerksverbot zu Silvester wird auch in Deutschland immer lauter. Im Tegernseer Tal ringen Natur- und Tierschützer sowie die Gemeinden seit Jahren darum, die private Böllerei einzudämmen. Da alle Appelle bisher ohne sichtbaren Effekt verhallt sind, geht Bad Wiessee heuer einen neuen Weg: Auf Vorschlag der CSU hin will die Gemeinde um Mitternacht ein zentrales Feuerwerk zünden – und setzt darauf, dass die Bürger auf die eigene Knallerei verzichten.

Für die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT), den Tierschutzverein und Jagdpächter Michael Reichel ist das Vorhaben der Gemeinde ein Unding. Sie fürchten, dass es jetzt zu einer doppelten Belastung für die Umwelt kommt.

Kühn dagegen findet: „Es ist eine schöne Sache, wird probieren das jetzt einmal aus.“ Einen Versuch sei es auf jeden Fall wert, damit unterm Strich weniger Belastung für die Natur und ein reduzierter Lärmstress für Mensch und Tier herauskomme. Dass nach Bekanntwerden der Pläne „sofort Contra gegeben wurde“, bedauert Kühn: „Wir machen uns durchaus Gedanken.“ Er selbst habe bislang überwiegend positive Reaktionen auf die Initiative erhalten.

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Inzwischen steht fest, wie das Wiesseer Feuerwerk ablaufen soll. Laut Pressemitteilung der Gemeinde habe man sich für ein Barockfeuerwerk entschieden, „welches an der Seepromenade stattfinden wird und als geräuscharm bezeichnet werden kann“. Ein Barockfeuerwerk – wie es bisher von gemeindlicher Seite im Tegernseer Tal noch nie stattgefunden hat – besteche hauptsächlich „durch bodennahe optische Effekte wie Fontänen, Vulkane, Sonnen und einiges mehr“, heißt es aus dem Rathaus. Kombiniert werde das Lichterspektakel mit passender Musik, zudem erwarte die Besucher eine Bewirtung mit Getränken und einem kleinen kulinarischen Angebot.

In den sozialen Medien und über andere Kanäle rührt Kühn aktuell die Werbetrommel für die Initiative seiner Gemeinde. „Weniger Krach. Mehr staunen. Feier auch du Silvester mit Sinn“, hat er als Slogan ausgegeben. Finanziert werde das Feuerwerk von der Gemeinde, teilt der Rathauschef auf Nachfrage mit. Die genauen Kosten will er nicht nennen, nur so viel: Das geplante Barockfeuerwerk sei „deutlich günstiger“ als etwa die großen Lichterspektakel anlässlich der Seefeste.

Eingebunden in die Planungen für das zentrale Feuerwerk war auch die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT). „Die TTT wurde beauftragt, Angebote einzuholen“, teilt Geschäftsführer Christian Kausch mit. Die Gemeinde habe dann über die Vergabe entschieden. Auf die Frage, wie die Tourismus-Organisation zu der Idee stehe, meint Kausch: „Es ist die Entscheidung des Gemeinderats und einen Versuch wert.“

In der Vergangenheit hatte die TTT kurz vor dem Jahreswechsel im Namen der Talkommunen stets einen Aufruf an die Bürger und Gäste der Ferienregion gestartet, die Finger von Silvesterraketen zu lassen. Den Appell wird es heuer nicht geben, wie die TTT mitteilt. „Wir haben das jetzt jedes Jahr kommuniziert“, sagt Kühn. Der Wunsch, die private Knallerei zu unterlassen, müsste mittlerweile in den Köpfen verankert sein, meint er.

Für die SGT-Vorsitzende Angela Brogsitter-Finck geht die Initiative in die komplett falsche Richtung. „Laut Experten gibt es kein lautloses Feuewerk, und der Dreck ist der gleiche“, sagt sie zum geplanten Barockfeuerwerk. In ganz Deutschland würden Petitionen laufen, die ein Feuerwerksverbot zum Ziel haben, meint die SGT-Chefin: „Und wir ignorieren das einfach.“

gab