Um die private Böllerei in den Griff zu bekommen, will Bad Wiessee zu Silvester ein zentrales Feuerwerk organisieren. Die Idee der CSU zündet nicht bei allen.
Bad Wiessee - Der Vorschlag ist gut gemeint. Weil seit Jahren sämtliche Bemühungen scheitern, der ausufernden Knallerei zum Jahreswechsel den Garaus zu machen, hat die CSU-Fraktion im Wiesseer Gemeinderat in der jüngsten Sitzung als neue Strategie ein zentral organisiertes Ortsfeuerwerk ins Spiel gebracht, inklusive Bewirtung. Der Gedanke dahinter: Die Bürger sollen gemeinsam feiern und ein gemeinsames Feuerwerk genießen, dafür die private Böllerei aber sein lassen. Im Gemeinderat kam der Vorschlag gut an, es wurde einmütig beschlossen, einen solchen Versuch zu starten (wir berichteten).
Während CSU-Fraktionssprecher Florian Sareiter auf Nachfrage erklärt, er habe bislang „ausschließlich positive Reaktionen“ auf die Idee erhalten, so schlägt Michael Reichel, Jagdpächter des Reviers Bad Wiessee, beim Gedanken an ein Großfeuerwerk an der Seepromenade die Hände über dem Kopf zusammen. Die „negativen Auswirkungen eines Großfeuerwerks im Hochwinter“ auf Haus- und vor allem Wildtiere müssten mittlerweile doch jedem bekannt sein, erklärt der Jagdpächter in einem Protestschreiben an Bürgermeister Robert Kühn (SPD).
Und weiter: „Wie Sie wissen, haben wir zwei Rotwildfütterungen am Ortsrand von Bad Wiessee.“ Die Wildtiere dort würden durch die allgemeine Knallerei an Silvester jedes Jahr verscheucht. Außerdem weist Reichel darauf hin, dass im Sommer die Tiere durch die Feuerwerke anlässlich der Seefeste „fluchtartig die Äsungsflächen verlassen“. Er befürchte, so schreibt der Jagdpächter, dass sich durch ein Großfeuerwerk die private Knallerei nur verzögere und damit sogar in die Länge ziehe. Keiner, der selbst böllern wolle, lasse sich davon durch ein Feuerwerk der Gemeinde abhalten, glaubt Reichel, der dringend an die Gemeinde appelliert, den Plänen eine Absage zu erteilen.
Ähnlich sieht es die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT). Die vereinseigene Initiative „Feiern statt Feuern“ stelle sich voll und ganz hinter das Schreiben von Jagdpächter Reichel, lässt SGT-Vorsitzende Angela Brogsitter-Finck wissen. Auch die Talschützer rechnen nicht damit, dass das Großfeuerwerk dazu taugt, die allgemeine Knallerei einzudämmen. Im Gegenteil: „Da die Gemeinde Bad Wiessee das private Böllern an Silvester nicht verbieten kann, wird durch das große Silvesterfeuerwerk der Gemeinde die doppelte Ration an Lärm, Luftverschmutzung und gewaltige Störung unserer Tierwelt die Folge sein.“
Seit Jahren kämpft die SGT an der Seite von anderen Organisationen windmühlenartig gegen das Böllern. Ihren Flyer „Feiern ohne Feuern“ hat die SGT überarbeitet und heuer neu drucken lassen. Die Broschüre soll laut Brogsitter-Finck im Vorfeld des Jahreswechsels großflächig verteilt werden.
Ein Appell, mehr bleibt den Feuerwerks-Gegnern nicht. Zu den hartnäckigen Kämpfern zählt auch Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal. Sie teilt die Ansicht, dass es durch das zentral organisierte Feuerwerk in Bad Wiessee insgesamt „noch heftiger und lauter“ werden könnte als bisher – „zum Schaden der vielen Tiere, die hier leben“. Die Tierschützerin bedauert es, „dass offenbar jegliches Gespür für Umwelt und Tiere verloren gegangen ist“.
Florian Sareiter dagegen weist darauf hin, dass bisher alle Versuche, die private Böllerei einzudämmen, gescheitert seien. Deshalb sei der Gedanken entstanden, „eine gute Alternative zu bieten“ und damit die Feuerwerksfreunde zu einem Verzicht zu bewegen. Zu den Zeiten, als am Badhügel noch ein zentrales Feuerwerk in Bad Wiessee stattgefunden habe, hätten durchaus viele Bürger darauf gewartet und keine eigenen Raketen gezündet. „Es muss nicht sein, dass es diesen Effekt hat“, meint Sareiter, „es kann aber sein“. Ein Versuch sei es allemal wert.