Der Tierschutzverein Tegernseer Tal steht vor großen Aufgaben. So braucht das Tierheim dringend eine neue Katzen-Quarantäne. Was sonst noch nötig ist, erklärte die Vorsitzende bei der Hauptversammlung.
Rottach-Egern/Gmund - Seit nunmehr 70 Jahren gibt es den Tierschutzverein Tegernseer Tal. Er kümmert sich nicht nur um das einzige Tierheim im Landkreis Miesbach, sondern macht sich auch für in Not geratene Wildtiere oder das Nutzvieh in der Landwirtschaft stark. Kürzlich trafen sich rund 50 Mitglieder und Interessierte zur Jahreshauptversammlung im Gasthof Maximilian in Gmund. Dabei wurde deutlich: Der Verein steht vor vielen Herausforderungen.
Verein kümmert sich auch um in Not geratene Wildtiere
Erst vor einigen Wochen waren die Tierschützer zu einem schwer verletzten Schwan am Gmunder Seeufer ausgerückt. Er war offenbar von einem Paddler malträtiert worden und musste eingeschläfert werden. Kurz darauf, am Tag der Hauptversammlung, wurde in Bad Wiessee ein acht bis zehn Tage altes, verlassenes Rehkitz gesichert. Vorsitzende Johanna Ecker-Schotte vermutet einen Zusammenhang mit einem privaten Feuerwerk, das in der Nähe gezündet worden war und möglicherweise das Muttertier zur Flucht trieb. „Die Ballerei und die Lichter sind Stress pur für die Tiere“, sagt Ecker-Schotte, die seit Jahren gemeinsam mit anderen Organisationen gegen die Feuerwerke kämpft.
Volles Hundehaus: Verein kann kaum Pensionstiere aufnehmen
Ein Obdach finden in Not geratene Tiere im 1966 eröffneten Tierheim in den Weissachauen. Insgesamt 480 Tiere wurden dort im Jahr 2024 betreut, wie Ecker-Schotte bei der Hauptversammlung berichtete. Darunter waren 355 Fundtiere, 45 vom Veterinäramt sichergestellte Tiere sowie 80 Abgabe- oder bereits im Bestand befindliche Tiere.
In der Regel voll besetzt ist das neu geschaffene Hundehaus des Tierheims, das Kapazitäten für bis zu 14 Vierbeiner hat. „Deshalb ist es uns kaum möglich, Pensionstiere aufzunehmen“, sagt Ecker-Schotte. Über die Hälfte der Hunde komme ursprünglich aus dem Ausland. Wenn die neuen Besitzer dann doch nicht mit ihrem Schützling klarkämen, würden diese zum Tierheim gebracht. Die ursprünglich vermittelnde Auslandsorganisation gebe es dann häufig gar nicht mehr oder es sei zufällig keine andere Pflegestelle frei, schildert die Tierschützerin das Problem.
Katzenleid macht den Tierschützern schwer zu schaffen
Wie der Rückblick Ecker-Schottes auf 2024 zeigt, verzeichnete das Tierheim im Sommer seinen Höchstbestand mit 165 Tieren. Phasenweise hatte die Einrichtung mehr als 60 Katzen in Obhut. Die Vorsitzende spricht von einer regelrechten „Katzenflut“ und sagt: „Das Leid der Katzen ist unsäglich.“
Die herrenlosen Katzen seien oft todkrank, hätten Verletzungen und seien allesamt nicht kastriert. Neuzugänge müssten zunächst in der Quarantäne-Station aufgenommen und dort meist über mehrere Wochen hinweg versorgt werden. Weil die alte Station den Ansprüchen längst nicht mehr genügt, sei dringend ein Neubau erforderlich, macht Ecker-Schotte deutlich. „Die Vorplanungen dafür laufen, es ist aber noch nichts in trockenen Tüchern.“
Verein braucht mehr Förderung durch Kreis und Kommunen
Um solche Maßnahmen verwirklichen und überhaupt den Betrieb des Tierheims weiter aufrechterhalten zu können, ist der Tierschutzverein auf Unterstützung angewiesen. Ecker-Schotte hatte sich daher schon im Mai mit einem dringenden Hilferuf an Kommunen und Landkreis gewandt. Sie wünscht sich eine gemeindeübergreifende Regelung und eine deutliche Erhöhung des Fördersatzes, wie ihn auch der Bayerische Städte- und Gemeindetag empfiehlt.
Dass die Mitgliederzahl im Tierschutzverein zuletzt angewachsen ist und auch Spenden immer wieder hereinkommen, freut die Vorsitzende in diesem Zusammenhang besonders. Wer sich für die Arbeit des Vereins interessiere, „kann nach einem kurzen Anruf jederzeit im Tierheim vorbeischauen“, betont die Rottacherin.
gab