Den Badepark gibt es nicht mehr, ein Neubau ist nicht in Sicht. Als Notlösung macht im Sommer das Schwimmmobil Wundine in Bad Wiessee Station.
Tegernsee/Bad Wiessee – „Es ist kein Ersatz für ein Hallenbad“, sagt Michael Bourjau über das Schwimmmobil Wundine. Aber doch eine gute Möglichkeit, die Jüngsten mit Wasser vertraut zu machen: „Und um die hat man doch am meisten Angst.“
Als Tegernseer Stadtrat und zweiter Bürgermeister ist Bourjau ein Kämpfer für ein talweites Hallenbad. „Aber es ist ein Langstreckenprojekt“, weiß er. Mit seinen Freunden im Rotary Club Tegernsee hat Bourjau überlegt, was Schwimmanfängern sofort helfen könnte. Das Ergebnis stellte er jetzt im Tegernseer Stadtrat vor: „Wundine on Wheels“ als Gemeinschaftsprojekt von Tegernsee und Bad Wiessee.
Zuhause ist Wundine in Stuttgart, wo die Josef-Wund-Stiftung ihren Sitz hat. 2021 entstand ihr Projekt zur Förderung des Schwimmens, inzwischen stellt sie vier Trucks mit Becken, Duschen und Umkleiden bereit. Nicht zum Planschen, sondern für Unterricht mit ausgebildeten Schwimmlehrerinnen. Für gewöhnlich finden in den Bassins sechs Kurse pro Tag statt, das Angebot richtet sich an Kinder von vier bis acht Jahren. „Es gibt eine irre Warteliste“, berichtet Bourjau. Meist bleiben die Mobile drei Monate an einem Standort.
Im August 2025 hat Wundine erstmals in Bayern Station gemacht, in Straßlach-Dingharting. Bei einem Besuch mit weiteren Rotariern war Bourjau begeistert und machte sich mit Nachdruck an die Bewerbung. Schließlich ergatterte er ein Zeitfenster im kommenden Jahr: von Juni bis September.
Im Sommer also, wenn auch der See lockt und die Freibäder geöffnet haben. Aber was das Projekt auszeichne, sei vor allem das Training mit den beiden Schwimmlehrerinnen im 31 Grad warmen Becken, meint Bourjau: „Das wird den Kindern Spaß machen.“ Am Ende könnten sich die jungen Kursteilnehmer zumindest über Wasser halten. Die Organisation der Kurse nehme der Rotary Club in die Hand, man schreibe die Grundschulen an. Konzipiert sind die Kurse für Wassergewöhnung.
Bourjau hätte Wundine gerne nach Tegernsee geholt: „Aber wir haben nicht genug Platz.“ Der Lkw-Auflieger ist 13,5 Meter lang und vier Meter hoch, braucht einen befestigten Standplatz und alle nötigen Anschlüsse. Also wandte sich Bourjau an den Wiesseer Bürgermeister Robert Kühn (SPD), den er schnell begeistern konnte.
Vereinbart ist: Bad Wiessee sorgt für den Standort auf dem Badepark-Areal und das Wasser, Tegernsee übernimmt mit dem E-Werk die Stromversorgung, der Rotary Club finanziert die Hausmeisterdienste. Alle anderen Kosten trägt die Wund-Stiftung. „Es ist ein wunderbares Gemeinschaftsprojekt“, findet Kühn. Eine ungewöhnliche Idee, die man gut ausprobieren könne.
Ein Containerbecken im Lkw an der Seepromenade, wo einst der Badepark stand? Der Truck eines Hilfsprojekts für notleidende Kommunen statt eines neuen Hallenbads fürs Tegernseer Tal, der Premium-Region? Bourjau ist bewusst, dass Wundine auch Spott auslösen könnte. „Aber das ist eine zynische Betrachtung“, findet er. Es gehe darum, eine Lücke zu schließen: „Alles was hilft, ist gut.“
Eine Haltung, die er mit Wiessees Bürgermeister teilt. Wundine sei „eine wunderbare kleine Sache“ und beweise, dass sich die Kommunen Gedanken machten. „Es zeigt, dass wir verstanden haben, wie wichtig Schwimmen ist“, meint Kühn.
Gleichzeitig treibe die Gemeinde die Hallenbadplanung voran, wenn derzeit auch unter dem Radar. „Wir sind im Prozess des VgV-Verfahrens“, erklärt Kühn. Wie berichtet, handelt es sich um ein Verfahren zur Vergabe öffentlicher Aufträge. Bad Wiessee als Standortgemeinde ist damit befasst, die ersten Leistungsphasen, sprich Grundlagenermittlung und Vorplanung, auszuschreiben. Dies geschehe in engem Austausch, berichtet Kühn. Mit im Boot sind Tegernsee, Rottach-Egern und Gmund.
Die Kosten für ein Sport- und Familienbad mit Textilsauna werden bisher auf knapp 30 Millionen Euro geschätzt, das jährliche Defizit auf rund drei Millionen Euro. Wann und ob es zur Realisierung kommt, ist fast sechs Jahre nach der Schließung des Badeparks noch immer offen.