Als ich mich entschloss, mein in Oxford gebautes Haus aus dem Jahr 1880 auf eine Wärmepumpe umzustellen, war mir eines klar: Ich würde damit nicht nur eine technische Entscheidung treffen, sondern mich mitten in eine hoch emotionalisierte politische Debatte begeben. Kaum ein Thema wird derzeit in Deutschland so hitzig diskutiert wie das sogenannte Heizungsgesetz. Wärmepumpen gelten vielen als Symbol einer angeblich realitätsfernen Klimapolitik – insbesondere im Altbau.
Dabei gerät häufig aus dem Blick, dass es beim Heizen der Zukunft nicht um eine einzelne Technologie geht. Neben Wärmepumpen spielt insbesondere Fernwärme eine zentrale Rolle – gerade in dicht bebauten Quartieren und Städten. Meine Erfahrung mit der Wärmepumpe ist deshalb kein Gegenentwurf zur Fernwärme, sondern Teil eines größeren Bildes.
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Ein Altbau von 1880 – kein Musterhaus, sondern Realität
Mein Haus stammt aus dem Jahr 1880. Alte Ziegelwände, klassische Radiatoren, keine Fußbodenheizung (abgesehen von einem späteren Anbau), kein energetischer Neubaustandard. Kurz: genau der Gebäudetyp, der in vielen Talkshows als Beweis dafür herhalten muss, dass Wärmepumpen „nicht funktionieren können“.
Ich habe mich trotzdem für eine Wärmepumpe entschieden – nicht aus ideologischen Gründen, sondern nach nüchterner Abwägung von Technik, Kosten, Komfort und langfristigen Risiken. In meinem konkreten Fall war Fernwärme keine Option, weil kein Netz verfügbar ist. Wo sie verfügbar ist oder geplant wird, kann sie jedoch eine mindestens ebenso sinnvolle Lösung darstellen.
Die Anlage wurde sorgfältig geplant, auf das Gebäude abgestimmt und realistisch ausgelegt. Das Ergebnis: Das Haus wird zuverlässig, gleichmäßig und komfortabel warm. Auch im Winter. Auch bei Minusgraden.
Der größte Mythos: „Wärmepumpen funktionieren im Altbau nicht“
Dieser Satz hält sich hartnäckig – ist aber so pauschal schlicht falsch.
Richtig ist: Nicht jede Wärmepumpe passt in jedes Gebäude, und nicht jeder Altbau ist ohne Anpassungen geeignet. Aber das gilt ebenso für andere Heiztechnologien. Entscheidend sind Auslegung, Systemtemperaturen, Heizflächen und Nutzerverhalten.
In meinem Fall war keine Komplettsanierung nötig und es wurde keine teure Außenwanddämmung vorgenommen. Wichtiger als maximale Dämmung waren die Optimierung der Heizkurve, der Hydraulik und einzelner Heizkörper. Die oft behauptete zwingende Voraussetzung einer Fußbodenheizung ist schlicht ein Mythos. Studien vom Fraunhofer-Institut und aus Großbritannien zeigen dies eindeutig.
Gleichzeitig gilt: Wo Fernwärme verfügbar ist, entfällt ein Großteil dieser technischen Fragen vollständig. Genau darin liegt ihre Stärke. Sie verlagert Komplexität vom einzelnen Haushalt auf das Energiesystem insgesamt.
Komfort, Betrieb und Kosten: eine ehrliche Bilanz
Ein Punkt, der in politischen Diskussionen kaum vorkommt, für Hausbesitzer aber zentral ist: der Alltag.
Die Wärmepumpe arbeitet leise, zuverlässig und gleichmäßig. Der Wohnkomfort ist eher gestiegen als gesunken. Und Umfragen zeigen, dass neun von zehn Haushalten mit Wärmepumpen sehr gute Erfahrungen machen. Ähnliches berichten viele Haushalte mit Fernwärmeanschluss: stabile Versorgung, geringe Wartung, wenig technischer Aufwand im Gebäude selbst.
Zu den Kosten: Ja, die Investition war höher als bei einer reinen Gastherme. Aber diese Betrachtung greift zu kurz, denn die laufenden Kosten sind deutlich geringer als die Gastherme uns heute kosten würde. Wer heute erneut auf fossile Technik setzt, geht langfristige Preis- und Regulierungsrisiken ein. Das gilt für Einzelheizungen ebenso wie für ganze Quartiere.
Fernwärme bietet hier einen systemischen Vorteil: Sie kann schrittweise dekarbonisiert werden – durch Großwärmepumpen, industrielle Abwärme, Geothermie oder Biomasse –, ohne dass Haushalte ihre Heiztechnik ständig austauschen müssen.
Was das Heizungsgesetz wirklich will – und was nicht
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG), oft verkürzt als „Heizungsgesetz“ bezeichnet, ist zum Symbol einer überhitzten Dauerdebatte geworden. Dabei wird häufig übersehen, was es tatsächlich regelt – und was nicht.
Das Gesetz schreibt keine bestimmte Technologie vor. Es verlangt lediglich, dass neue Heizsysteme perspektivisch zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Gerade Fernwärme zeigt, wie technologieoffen das Gesetz tatsächlich ist. Sie erlaubt es Kommunen, Quartierslösungen zu entwickeln, Netze auszubauen und Skaleneffekte zu nutzen.
Aus wirtschaftlicher Sicht ist nicht das Gesetz problematisch, sondern seine permanente politische Infragestellung. Investitionen in Strom- und Wärmenetze brauchen lange Vorläufe. Wer ständig signalisiert, dass zentrale Regeln möglicherweise wieder geändert werden, gefährdet genau jene Infrastruktur, die für eine kosteneffiziente Wärmewende nötig ist.
Risiko fossiler Übergangslösungen
In der Debatte wird häufig auf fossile „Übergangslösungen“ verwiesen: neue Gasheizungen, Hybridmodelle oder sogenannte H₂-ready-Thermen. In bestimmten Einzelfällen mag das nachvollziehbar erscheinen.
Systemisch betrachtet sind diese Lösungen jedoch riskant. Sie binden Kapital, schaffen Lock-in-Effekte und konkurrieren direkt mit Investitionen in erneuerbare Wärme. Gerade der Ausbau der Fernwärme leidet darunter, wenn Quartiere sich kurzfristig erneut für fossile Einzelheizungen entscheiden.
Wasserstoff im Gebäudebereich ist bislang weder wirtschaftlich noch absehbar in relevanten Mengen verfügbar.
Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 in Deutschland eine Kapazität von 10 Gigawatt an Wasserstoff-Elektrolyseuren zu installieren. Das entspricht rund 28 Terawattstunden Wasserstoff pro Jahr. Damit könnte man weniger als 4 Prozent des gesamten Gebäudebestands beheizen. Allerdings werden Ende dieses Jahres voraussichtlich nicht mehr als 0.25 Gigawatt Elektrolysekapazität fertig sein. Nach Einschätzung der dena dürften lediglich zwischen 2,4 bis 6,6 GW Elektrolysekapazität bis zum Jahr 2030 umgesetzt werden.
Die Kosten von grünem Wasserstoff werden langfristig auf das Zwei- bis Dreifache der Betriebskosten einer Wärmepumpe geschätzt. Und das nur, wenn die Kosten der Produktion von Wasserstoff sinken – in den letzten Jahren sind diese jedoch nicht wie erhofft abgesunken und zuletzt sogar deutlich angestiegen.
Was mir an der Debatte fehlt
Was mich an der aktuellen Diskussion am meisten irritiert, ist nicht der Streit an sich, sondern seine Zuspitzung auf ein Entweder-oder. Wärmepumpe gegen Gas, Altbau gegen Neubau, Verbot gegen Freiheit.
Dabei liegt die Lösung oft im Zusammenspiel: Wärmepumpen im Einzelgebäude, Fernwärme im Quartier, ergänzt durch Effizienzmaßnahmen und realistische Übergänge.
Mein Haus von 1880 ist kein Beweis dafür, dass Wärmepumpen immer und überall ohne Probleme funktionieren. Aber es ist ein Beleg dafür, dass viele Gewissheiten der Debatte nicht stimmen – und dass die Wärmewende mit heutiger Technologie schon machbar ist.
Ein persönliches Fazit
Ich bereue die Entscheidung für die Wärmepumpe nicht. Im Gegenteil. Sie hat mir gezeigt, wie viel Potenzial im Bestand steckt – und wie wichtig klare, verlässliche Rahmenbedingungen sind.
Die Wärmewende wird nicht gelingen, wenn wir sie auf eine Technologie reduzieren oder sie durch politische Dauerdebatten lähmen. Sie braucht Planungssicherheit, kommunale Strategien – und den konsequenten Ausbau der Fernwärme dort, wo sie sinnvoll ist.
Vielleicht sollten wir weniger darüber streiten, ob mein Haus von 1880 eine Wärmepumpe haben kann – und mehr darüber, wie wir Wärmepumpen und Fernwärme so einsetzen, dass sie für möglichst viele Menschen eine bezahlbare, verlässliche und zukunftsfähige Lösung werden.
Dieser Beitrag stammt aus dem EXPERTS Circle – einem Netzwerk ausgewählter Fachleute mit fundiertem Wissen und langjähriger Erfahrung. Die Inhalte basieren auf individuellen Einschätzungen und orientieren sich am aktuellen Stand von Wissenschaft und Praxis.