„Für viele ist das hier eine heile Welt“: Oberbayerische Ferienwohnungs-Vermieterin führt Gäste ins eigene Kräuterbeet

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Tischlein deck dich: Das Frühstück ist eine Spezialität von Veronika Schalch-Seybold. © Arndt Pröhl

Der Tölzer Kurier stellt traditionsreiche Hotels und Ferienwohnungen vor. Veronika Schalch-Seybold setzt in Lenggries das Werk ihrer Großmutter und Mutter fort.

Lenggries – Im idyllisch gelegenen Ortsteil Anger befindet sich der „Jägerhof“, ein altes Bauernhaus aus dem 16. Jahrhundert, in der dritten Generation geführt von Veronika Schalch-Seybold. Das historische Anwesen ist zu einer festen Adresse für Urlaubsgäste in Lenggries geworden.

Monika Schalch-Seybold führt den „Jägerhof“ in Lenggries

Den Grundstein legte einst die Großmutter, die die ersten Sommergäste aus München aufnahm. 1960 baute die Mutter den Betrieb aus. Heute führt Veronika Schalch-Seybold den Hof mit viel Engagement weiter und bleibt dabei dem alten Stil des Bauernhauses treu. „Die Oma hat den Hof damals gestartet, und die Mutter hat ihn erst richtig aufgebaut“, sagt sie. „Ich bin dann vor 25 Jahren eingestiegen.“

Idyllisch liegt der „Jägerhof“ im Lenggrieser Ortsteil Anger.
Idyllisch liegt der „Jägerhof“ im Lenggrieser Ortsteil Anger. © Arndt Pröhl

Ob es für sie damals infrage kam, den Hof und die Zimmervermietung nicht weiterzuführen? „Nein. Ich habe schon immer überall mitgeholfen und bin da einfach reingewachsen.“ Veronika Schalch-Seybold bietet mittlerweile überwiegend Ferienwohnungen an, die in den alten Dehner integriert sind. Daneben gibt es aber auch zwei Zimmer. Diese seien besonders gefragt, da es klassische Zimmervermietung ihr zufolge in Lenggries kaum noch gibt.

Ferienwohnungen mit persönlicher Note

Die Gastgeberin legt Wert auf Beständigkeit und Details: Das Frühstück – frisch von Schalch-Seybold zubereitet und oft mit Kräutern aus dem eigenen Garten – wird jeden Morgen im alten Esszimmer des Hauses, das seine traditionelle Einrichtung behalten hat, eingedeckt. Die Gäste dürfen im eigens angelegten Kräuterbeet sogar selbst pflanzen und ernten, etwa Bärlauch, Thymian oder Petersilie. „Ich bin kein Packerl-Freund“, betont sie.

Steckbrief

Gründungsjahr: 1960

Wievielte Generation: 3.

Anzahl der Zimmer:
2 Zimmer und 5 Ferienwohnungen

Mit Gastronomie:
Ja, seit 2002

Bekanntester Gast: Armin Basche, Pferdesport-Reporter

Besonderheiten des Hauses: Erhalt des Bauernhauses

Durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste:
5 bis 7 Tage

Der Erfolg hänge für sie nicht an den großen Angeboten, sondern an den kleinen Dingen, wie zum Beispiel dem persönlich gedeckten Frühstückstisch, den hergerichteten Zimmern „mit immer passenden Vorhängen“ oder den individuellen Ausflugstipps. Treue Gäste werden bei Veronika Schalch-Seybold sogar gewürdigt, etwa mit gemeinsamen Grillabenden. Manche Urlauber verbringen seit fünf oder gar zehn Jahren ihre Ferien auf dem Jägerhof.

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Der Aufenthalt auf dem Jägerhof bedeutet auch Nähe zu den Schafen, Hühnern, dem Hund und der Katze, die auf dem Hof nebenherlaufen. Nicht selten kommt die Frage von den Gästen, ob sie beim Füttern helfen dürfen. Viele sind begeistert von der kleinen Landwirtschaft, die einst vom Vater begründet wurde, nach seinem frühen Tod aber nicht mehr weiterbetrieben wurde. „Für viele ist das hier eine heile Welt“, sagt Schalch-Seybold, deren Alltag geprägt ist von Dauerbereitschaft. „Das ist ein Vollzeitjob, rund um die Uhr.“ Dazu gehört auch, wenn Gäste später anreisen als angekündigt: „Dann ruf‘ ich auch mal kurz an und frag‘, wo sie bleiben, damit auch ich planen kann.“

Jüngere Gäste entdecken den Hof

Die Stammkundschaft bestehe überwiegend aus 50- bis 60-Jährigen, die die familiäre Atmosphäre schätzen. Doch seit Corona entdecke auch das jüngere Publikum den Hof für sich. „Die wollen einfach mal was anderes ausprobieren – und sind dabei oft sehr dankbar,“ so die Gastgeberin. Selbst Armin Basche, ein ehemaliger Pferdesportreporter im ZDF, war schon Gast auf dem Jägerhof.

Ob der Sohn den Jägerhof einmal weiterführen wird, ist offen. „Ganz aufgeben wird er’s nicht, aber wahrscheinlich nur im Nebenerwerb“, schätzt Schalch-Seybold. Für sie selbst kommt Aufgeben nicht infrage. Ihre Motivation schöpft sie aus der Geschichte des Hofes, aus der Erinnerung an ihre Mutter – und aus der Verantwortung gegenüber den Stammgästen. Damit der Jägerhof lebendig bleibt, setzt sie auf ständige Weiterentwicklung. Eine aktuelle Website gehöre da dazu, liebevoll dekorierte Zimmer – hier kommt ihr zweites Standbein als Dekorateurin zugute – und das Ziel, „den Gästen zu zeigen, dass nix stehen bleibt“.

Serie

In unserer Serie „Gastgeber mit Geschichte“ stellen wir Gastbetriebe mit langer Tradition im Tölzer Land vor. Weitere Folgen:

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