Die Suche nach einem Partner gab es, aber sie blieb erfolglos. Somit steht Schliersee ab Ende des Monats ohne Postfiliale da. Abhilfe könnte ein Automat schaffen.
Dass die Post schon längst ein Unternehmen und keine Behörde mehr ist, damit haben sich die meisten wohl ebenso abgefunden wie mit der Tatsache, dass die Post nur noch wenige Filialen in wirklicher Eigenverantwortung mehr betreibt, sondern auf Partner zurückgreift. Immerhin gibt es dort noch jemand, der „Grüß Gott“ sagt und auf mündlich gestellte Fragen antworten kann.
Kein Nachfolger für Postlerin gefunden
Damit ist es in Schliersee bald vorbei – zumindest im Kernort. Dort schließt zum 20. September Helga Weber ihren Bavaria-Tee-Laden nebst Postfiliale. „Ich mach‘ jetzt eine Woche Wellness, dann schauen wir mal, was kommt“, sagt sie. Ihr Abschied ist länger bekannt, und Weber hatte auch über unsere Zeitung nach einem Nachfolger für sie als Dienstleisterin (nicht für den Laden) gesucht. Vergeblich.
Post hätte gerne wieder Filiale
Die Nachfolge-Suche ist natürlich nicht die Sache von Weber, sondern die der Post. Doch trotz entsprechender Bemühungen war auch diese nicht erfolgreich. Auf Anfrage heißt es: „Unsere Kollegen suchen unter Hochdruck nach einer Lösung, bisher haben wir noch keinen neuen Filialpartner in Schliersee gefunden.“ Noch hat das Unternehmen die Flinte nicht ins Korn geworfen und strebt eine Versorgung der Bevölkerung im bisherigen Modell an. „Wir wollen gerne wieder eine Partnerfiliale in Schliersee einrichten.“ Hierzu sei man „auch im engen Austausch mit der Gemeinde“.
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Dies bestätigt Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) auf Anfrage. Die Post habe sich ans Rathaus gewendet und dabei auch eine Filiale in der Gäste-Info in der Vitalwelt als Denkmodell ins Spiel gebracht. Doch Schnitzenbaumer winkt ab: „Das können wir nicht leisten.“ Zudem stelle sich die Frage, wo in der Vitalwelt eine Poststelle hin solle. Dem Bürgermeister sind immerhin zwei andere Stellen bekannt, an die sich die Post gewendet hat. Doch auch diese Vorstöße blieben erfolglos.
Kommt jetzt ein Automat?
Infrage kommt als Partner der Post gemeinhin insbesondere der Einzelhandel in Form von inhabergeführten Läden bis hin zu –immer häufiger – Supermärkten. Diese Schalter gelten als Postfilialen, das Unternehmen erfüllt mit ihnen seinen Auftrag nach dem Postgesetz. Die Vorgaben lassen sich aber auch – und das ist seit heuer neu – mit sogenannten Poststationen erfüllen. Dabei handelt es sich um Automaten, die über einen Touchscreen bedient werden und die laut Post alles bieten, was bei den Kunden am meisten nachgefragt wird. Und eine solche Station steht Schnitzenbaumer zufolge auch für Schliersee im Raum. So die Post dem Modell wirklich näher treten möchte, stünde das Rathaus einem Zurverfügungstellen eines gemeindeeigenen Grundstücks nicht im Wege, sagt der Bürgermeister.
Poststation kann auch als Filiale gelten
Die Anerkennung einer Poststation als Ersatz für eine mit Menschen besetzte Filiale obliegt aber der Bundesnetzagentur, die Kommune wird immerhin eingebunden. Der Gesetzgeber möchte dadurch verhindern, dass die Post flächendeckend Filialen durch Automaten ersetzt. Das Unternehmen ist verpflichtet, in Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern eine Filiale zu haben. In zusammenhängend bebauten Wohngebieten darf die nächste Filiale nicht weiter entfernt sein als zwei Kilometer. Diese Vorgaben einzuhalten, wird immer schwieriger, und in 141 Fällen in Deutschland (Stand Juli 2024) hat die Post das auch nicht geschafft.
Bis eine Lösung kommt, müssen die Schlierseer nach Neuhaus (vier Kilometer) oder Hausham (drei) zur nächsten Postfiliale fahren. In Schliersee selbst gibt es erstmal nur eine Packstation zum Entgegennehmen oder Verschicken von Paketen, die Postfächer werden geschlossen. Die Kunden seien informiert, heißt es. In die Räumlichkeiten an der Bahnhofstraße wird Webers Angaben zufolge eine Fliesenausstellung einziehen.
Poststation gibt es bereis in Valley
Ein Automat für Postkunden, der mehr bietet als Packstationen? Das gibt es im Landkreis bereits. Am Getränkemarkt Schima, selbst eine Postfiliale, steht eine solche Poststation, die Dienstleistungen rund um die Uhr anbietet. Äußerlich ist sie kaum von einer Packstation zu unterscheiden. Um sie zu nutzen, ist eine einmalige Anmeldung notwendig, die Bezahlung erfolgt bargeldlos. Zudem bietet die Station die Möglichkeit, sich per Video beraten zu lassen.