Stadtrat aus Nürnberg - „Nimmt kein Ende“: Nach AfD-Parodie trifft SPD-Mann üble Hasswelle von rechts

Kommentare im Netz sind schnell verfasst: Während Absenderinnen und Absender wie wild kommentieren können - und das teils mit gleich mehreren Accounts - und dann einfach weiter scrollen, hält sich der Eindruck bei Empfängerinnen und Empfängern länger. Besonders wenn der Hass minütlich in die Inbox hereinprasselt, muss viel Durchhaltevermögen her. Und die Konsequenz gezogen werden.

"Unfassbar", schreibt Nasser Ahmed auf Instagram. Seit Tagen sollen bei ihm im Minutentakt neue Kommentare hereinkommen, "der Hass und die Beleidigungen nehmen kein Ende".

SPD-Mann wird für AfD-Parodie übel angefeindet

Die Kommentare sollen sich vor allem unter seinem "Nagellack-Video" sammeln: In diesem hatte Ahmed, "aus einer Sektlaune heraus", ein virales Video von Maximilian Krah parodiert. "Echte Männer sind rechts", hatte der vorherige AfD-Spitzenkandidat damals erklärt. Zudem ein paar wirre "Datingtipps" gegeben - ein rechtes Fangnetz für junge, männliche TikTok-User.

"Echte Männer haben keine Angst vor Nagellack", entgegnete Stadtrat Ahmed im Juli in seinem Video. Weiter erklärt er, wie echte Männer seiner Meinung nach sind, nämlich: dass sie lieben können und sich nicht "von irgendwelchen Rechtsextremen" einreden lassen, wie sie zu sein haben und wen sie zu hassen haben. 

Das Video von dem SPD-Politiker ist inzwischen ebenfalls viral gegangen. Seit Juli wurde es nach Angaben der Plattform "Instagram" über 800.000 Mal gesehen, hat über 10.000 Likes - aber auch 8.000 Kommentare. Viele von diesen sind homophob, hasserfüllt.

Bislang 40 Strafanzeigen

Ahmed erklärt im Januar, dass er inzwischen in 40 Fällen Strafanzeige erstattet hat. Wieso Monate später wieder Hasskommentare hereinkommen, das könne nur der Algorithmus erklären. Der Stadtrat wolle nur Liebe, keinen Hass säen - dennoch mahnt er: "Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein".

Bei Stadtrat Ahmed finden sich in den Kommentarspalten unzählige hasserfüllte Botschaften. "Es macht mich zutiefst betroffen, wie tief der Hass und die Ablehnung schon in die Gesellschaft vorgedrungen sind", erklärt der SPD-Politiker, der sich dabei in zwei Aspekten sicher ist. 

Zum Einen, dass "in der persönlichen Begegnung viele sicher nicht so reden würden" und im Internet schlichtweg "alle Hemmungen fallen". Zudem hat Ahmed das "Gefühl, viele Menschen machen sich gar nicht bewusst, was sie da schreiben und wie verletzend das sein kann". 

Zum Anderen, dass bei den meisten dieser "sehr verletzenden" und "sehr persönlichen" Kommentare nicht er als Person gemeint ist, sondern er bloß eine Projektionsfläche darstellt. Denn: "Die allermeisten, die so etwas schreiben, kennen mich gar nicht."

Rechtsextremismus "größte Gefahr für unsere Demokratie zurzeit" 

Die Menschen hinter den Profilen stören sich laut Ahmed, der als Sohn eritreischer Einwanderer in Nürnberg geboren wurde, an seinem Aussehen und seiner politischen Einstellung. 

Grundsätzlich hält er Rechtsextremismus für "die größte Gefahr für unsere Demokratie zurzeit". Zugleich stellt der SPD-Politiker aber fest, "dass sich inzwischen auch Menschen aus der ‚Mitte der Gesellschaft‘ mitreißen lassen".

Im Umgang mit derartigen Hassnachrichten gilt es für Politiker laut Ahmed, "sich ein Stück weit innerlich distanzieren" zu können, "sonst ist man im falschen Beruf". Zudem schöpft der SPD-Stadtrat die nötige Kraft aus der Zustimmung und dem positiven Feedback, das er in seiner ehrenamtlichen politischen Arbeit erhält. "Wir Demokratinnen und Demokraten sind mehr! Nur manchmal zu leise", gibt sich der Nürnberger auf Instagram kämpferisch.

Sein Antrieb und eine "starke Motivation" für sein politisches Engagement ist dabei Ahmeds kleine Tochter: "Ich möchte mithelfen, dass sie eine bessere Welt vorfindet, in der alle die gleichen Chancen bekommen. Am besten eine Welt, in der solche Hass-Kommentare der Vergangenheit angehören, weil die Menschen respektvoller im Netz und im echten Leben geworden sind", schreibt der Stadtrat auf Instagram.

Von minh-anh.nguyen@vnp.de (Minh Anh Nguyen)

Das Original zu diesem Beitrag "Rechte Hetze nach AfD-Parodie: Hass im Minutentakt - Nürnberger Politiker wehrt sich" stammt von nordbayern.de.