Drei Jahre nach Einführung der Mehrwegangebotspflicht zieht die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ein ernüchterndes Fazit: Die Regelung zeigt kaum Wirkung. Laut einer aktuellen Pressemitteilung der DUH ignorieren zahlreiche Bäckerei- und Tankstellenketten weiterhin geltendes Recht und boykottieren die verpflichtenden Mehrwegangebote.
Die DUH appelliert an Bundesumweltminister Schneider, dringend Maßnahmen zu ergreifen, um die Mehrwegpflicht zu stärken. Zu den vorgeschlagenen Schritten zählen finanzielle Anreize für Mehrweg sowie die Einführung einer bundesweiten Abgabe auf Einwegverpackungen. Zudem wird von den Bundesländern gefordert, ihrer Kontrollpflicht nachzukommen und Verstöße konsequent zu sanktionieren.
Testbesuche in 32 Filialen: In 10 Fällen fehlt Mehrwegangebot komplett
Bei Testbesuchen in 32 Filialen von Bäckerei- und Tankstellenketten wie Backwerk, Dat Backhus, Junge Die Bäckerei, Schanzenbäckerei, Von Allwörden, Zeit für Brot sowie Esso und Total Energies wurden in 18 Fällen Verstöße festgestellt, heißt es in der Mitteilung.
In zehn dieser Filialen fehlte ein Mehrwegangebot für Getränke vollständig. In anderen Fällen wurden keine Mehrwegbecher ausgegeben, obwohl entsprechende Hinweisschilder vorhanden waren, oder es mangelte an Informationen.
Die DUH kündigt Klagen an, sollten keine Unterlassungserklärungen abgegeben werden. Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH, sagt: "Unsere neuen Testbesuche zeigen, dass Bäckerei- und Tankstellenketten die Mehrwegangebotspflicht auch nach drei Jahren nicht ernstnehmen und sie boykottieren."
Ein positives Beispiel lieferten laut der Mitteilung die Filialen der Jet Tankstelle, die die Mehrwegangebotspflicht vorbildlich umsetzen.
Testpersonen kein einziges Mal auf die Möglichkeit von Mehrweg hingewiesen
Das Verpackungsgesetz schreibt vor, dass Mehrwegoptionen deutlich sichtbar beworben werden müssen. Doch auch hier zeigt sich ein anderes Bild: In 14 getesteten Filialen fehlten entsprechende Informationsschilder.
Darüber hinaus wurden laut DUH die Testpersonen bei insgesamt 208 Besuchen in den letzten drei Jahren kein einziges Mal aktiv vom Verkaufspersonal auf die Möglichkeit von Mehrweg hingewiesen.
DUH fordert Ausweitung der Mehrwegpflicht: Auch für Pizzakartons und Burgerboxen
Um die Situation zu verbessern, fordert die DUH eine bundesweite Einweg-Abgabe nach dem Vorbild von Städten wie Tübingen und Konstanz. Ab 2026 soll auch Freiburg eine solche Abgabe einführen. Darüber hinaus plädiert die DUH für eine frühzeitige Ausweitung der Mehrwegpflicht auf alle Einwegverpackungen für Speisen zum Mitnehmen – darunter Pizzakartons und Burgerboxen.
Obwohl die EU eine solche Ausweitung erst bis Februar 2028 vorschreibt, sollte Deutschland demnach bereits 2027 handeln.
Seit 2023 hat die DUH insgesamt 116 Verstöße in 208 Filialen dokumentiert und zahlreiche Gerichtsverfahren gegen große Gastronomieketten gewonnen.
Einwegflaschen aus Plastik: Negative Effekte auf die Gesundheit
Mehrwegflaschen aus Glas oder anderen Materialien haben auch gesundheitliche Vorteile. Eine neue Studie stärkt diese Erkenntnis deutlich, wie "TCD" berichtet. "Wasser aus Plastikflaschen zu trinken ist im Notfall in Ordnung, aber es ist nichts, was man im täglichen Leben verwenden sollte", so Forscherin Sarah Sajedi. Denn die Aufnahme von Mikro- und Nanoplastik steht in direktem Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen, Fortpflanzungsproblemen und einem erhöhten Krebsrisiko.
Die Forscher fanden heraus, dass eine durchschnittliche Person jedes Jahr zwischen 39.000 und 52.000 Plastikpartikel zu sich nimmt. Verbraucher von abgefülltem Wasser kommen dabei teils auf 90.000 Teilchen mehr im Vergleich zu Leitungswasserkonsumenten, heißt es in der im "Journal of Hazardous Materials" publizierten Studie.