Heute vor genau 25 Jahren wurde das neue Gebäude der Brauerei Aying an der Münchner Straße offiziell eingeweiht. Edmund Stoiber, damals Bayerischer Ministerpräsident, kam höchstpersönlich nach Aying, um die Eröffnung mit der Familie Inselkammer zu feiern.
Aying - Es war der Lebenstraum des jüngst verstorbenen Seniorbräus Franz Seraph Inselkammer, der mit dem 15. Oktober 1999 Wirklichkeit geworden ist. Bereits 1970 zeichnete sich für die Brauerei ab, dass sie an ihrem ursprünglichen Platz, eingepfercht zwischen der Zornedinger Straße und der Bräugasse, nicht expandieren konnte. 1972 wurde am Ortsrand die Abfüllanlage mit Filtration und Versand errichtet. Für den vor wenigen Tagen verstorbenen Bräu wurde im Laufe der Zeit immer mehr deutlicher, dass ein Erhalt der Brauerei einen Neubau begründet.
„Mein Vater war auch ein Qualitätsfanatiker und nur mit einem Neubau hat er diese hohen Standards erreichbar gesehen“, so der heutige Firmeninhaber Franz Inselkammer. „Das finanzielle Risiko war immens, aber die Alternative, eine Schließung der Brauerei, für die Familie in ihrer Identität als alteingesessene bayerische Unternehmerfamilie, der Tradition und Kultur wichtig sind und meinem Vater als fünfter Bräu von Aying, nicht denkbar. Es hat damals viel Kopfschütteln, aber auch viel Wertschätzung für diese Entscheidung gegeben.“
Ein Risiko in unsicheren Zeiten
Schließlich war die Rede von einem Investment in Höhe von damals 15 Millionen D-Mark. Der Bräu hat bei der Eröffnung selbst gesagt, dass sich die neue Brauerei nicht aus dem Ärmel schütteln ließ: „Planen, Überlegungen, viel Hirnschmalz wurde aufgewendet, Genehmigungsverfahren, verworfene Pläne, in die Zukunft schauen, viele Entscheidungen waren zu treffen.“ Zwei Punkte lagen ihm, und liegen auch seinem Sohn, besonders am Herzen: Regionalität und Nachhaltigkeit. Das waren Begriffe, die 1999 nicht so selbstverständlich sind wie heute. Die Inselkammers beauftragten überwiegend Unternehmen aus dem Gemeindegebiet und der näheren Umgebung. „Bier braucht Heimat“ ist ein Satz, der bei Inselkammers immer wieder zu vernehmen ist.
Anerkennung vom ehemaligen Ministerpräsidenten
Der ehemalige Ministerpräsident Edmund Stoiber sagte bei der Brauerei-Eröffnung auf die Frage, wer damals wohl daran gedacht hat, so viel Geld in eine neue Bierproduktion zu stecken: „Das muss einer von der Sorte sein, die das Bierbrauen selber erlernt hat, einer, der mit seiner Heimat aufs Engste verbunden ist, einer, der sich bewusst ist, in welch stolzer Familien- und Bräutraditionen er steht, einer, der die Verantwortung spürt, die seine Generation für künftige Generationen hat, und dennoch als Unternehmer mit beiden Beinen im Leben steht, kurz gesagt: Es muss ein Inselkammer sein.“
Meine news
Franz Inselkammer senior war damals mutig genug, einen Neubau zu wagen. „Die Zeichen der Zeit waren allgemein und auch in der Brauwirtschaft auf Konsolidierung hin zu immer größeren Konzernen gestellt“, so der heutige Brauereichef. Und auch die ersten Jahre nach der Brauereieröffnung waren kein Zuckerschlecken. „Aber heute wissen wir, dass diese Entscheidung richtig war, und ich bin meinem Vater sehr dankbar dafür, ermöglicht sie uns doch Biere zu brauen, die zu den weltweit meist ausgezeichneten gehören. Wir haben mit unserer konstanten, hohen Qualität, unserer tiefen Verwurzelung in der Region und dem respektvollen Umgang mit der Umwelt viele Freunde für unser Bier gewonnen.“
Steigende Nachfrage: Brauerei schon zweimal erweitert
Inselkammer erinnert daran, dass seit der Eröffnung die Brauerei schon zweimal erweitert worden ist. „Und auch jetzt sind wir dank der steigenden Nachfrage und unserer strikten handwerklichen Vorgaben fast wieder an der Kapazitätsgrenze.“ Nicht ohne Stolz sagt Franz Inselkammer: „Mein Vater hat, Gott sei Dank, auf die Vernunft der Menschen gesetzt und dass Heimat in einer klein gewordenen Welt wichtig ist. Und dieses Denken hat er in seiner Familie weitergegeben.“
Bürgermeister: Brauerei ist Wahrzeichen für den Ort
Ayings Bürgermeister Peter Wagner (CSU) spricht von der neuen Brauerei, wie sie bis heute noch betitelt wird, von einem Wahrzeichen für die ganze Gemeinde. „Ich zolle der Familie Inselkammer meinen Respekt für die damalige Entscheidung, die vollkommen richtig war.“ Der Rathauschef betont, dass die Privatbrauerei die größte im Landkreis München sei und sich einen ausgezeichneten Ruf in Bayern und darüber hinaus erworben hat.