Der Oberammergauer Gemeinderat hat über die Inszenierung der Passion 2030 diskutiert. Ob die erfolgreiche Inszenierung von 2022 wieder aufgenommen wird, um die Kosten klein zu halten, oder ob es eine Neuinszenierung gibt, dazu ist noch kein Entschluss gefallen.
Oberammergau – Die Passionsspiele 2030 werfen ihre Schatten voraus. Gut sechs Jahre dauert es noch, bis die Oberammergauer das weltberühmte Stück vom Leiden, Sterben und der Auferstehung Jesu wieder auf die Bühne bringen. Doch schon jetzt möchte die Parteilose Wählergemeinschaft, kurz PWG, Weichen stellen für die nächste Auflage. Aus reinem Spardruck, angesichts der finanziellen Herausforderungen, die die Kommune in den kommenden Jahren zu bewältigen hat.
Einen ersten Pflock wollte die Fraktion nun einschlagen. Ihr Wunsch: Grundlage für die Aufführung 2030 soll eine Wiederaufnahme der erfolgreichen letzten Inszenierung sein. Um auf Nummer sicher zu gehen, dass die Kosten geringer ausfallen werden als bei einer komplett neuen Version. Der Beschluss aber wurde vertagt.
Um eine Planungsvorlage zu haben: PWG wollte Weichen stellen für nächste Passions-Inszenierung
Bereits in der Haushalts-Sitzung vor wenigen Wochen war das Thema aufgekocht. Die PWG kritisierte, dass im Finanzplan bis 2027 die Passion, insbesondere eine Neuinszenierung, nicht berücksichtigt ist (wir berichteten). Doch ließen sich die Vertreter nicht abspeisen, brachten den Aspekt in Form eines Antrags erneut zur Sprache. „Damit Klarheit herrscht“, betonte Ludwig Utschneider. Und um eine Planungsvorlage zu haben. Denn nach dem Empfinden von ihm und seinen Kollegen von Gesprächen im Gremium sei das „kein klassisch gelbes Thema“.
Doch gibt es Unklarheiten, die es aus dem Weg zu räumen gilt. Und die sind juristischer Natur, wie Bürgermeister Andreas Rödl (CSU) verdeutlichte. Der Rathauschef verwies auf die Urheberrechte. Zwar wurden die von der alten Spielleitung an die Gemeinde abgetreten, inwiefern man beispielsweise eventuell Veränderungen vornehmen dürfte oder eben nicht, das muss aber erst rechtlich geprüft werden. Zumal unter anderem die Stadtgassen des Bühnenbildes – sie waren nur für 2022 genehmigt – bereits herausgerissen wurden und auch die Lebenden Bilder nicht mehr in bester Verfassung sind. „Das ist uns bekannt“, sagte der Rathauschef auf Tagblatt-Nachfrage.
Unser GAP-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.
Passion 2030: Wiederaufnahme oder Neuinszenierung? Für Bürgermeister Rödl kommt die Debatte zu früh
Grundsätzlich hat die Debatte für ihn jetzt noch nichts auf der Tagesordnung zu suchen. Das Thema Neuinszenierung per se sei für ihn fehl am Platz. Denn der Gemeinderat beschließt das Budget, und mit diesem agiert das Leitungsteam. „Wie die Inszenierung dann heißt, ist egal“, verdeutlichte der Bürgermeister. Wichtig sei, dass der finanziell vorgegebene Rahmen eingehalten werde. Diesen schon festzuzurren, dafür wäre man viel zu früh dran.
Zum Vergleich: Beim ursprünglich für 2020 geplanten Gelübdespiel hatte der Gemeinderat 2018 den entsprechenden Beschluss über rund 7,1 Millionen Euro gefasst, später gab’s zuzügliche Verschiebekosten von 1,8 Millionen Euro. Doch es herrscht großer Konsens, betonte Rödls Stellvertreter Eugen Huber (Mit Augenmaß), dass man bei der nächsten Passion nicht so aus den Vollen schöpfen kann wie zuletzt. Dafür ist das Korsett zu eng.
Passion 2030: Entscheide jetzt hätten Haltbarkeit bis zur nächsten Kommunalwahl
Er brachte aber einen anderen Aspekt ein. Den der Kommunalwahlen. „Der Beschluss hätte eine Haltbarkeit bis 2026“, meinte Huber und zeigte sich überzeugt davon, dass die dann gewählten Volksvertreter es sich nicht nehmen lassen werden, noch einmal abzustimmen.
Meine news
Doch die PWG blieb am Ball. „Es ist ein Zeichen der Vernunft, dort, wo möglich, frühzeitig dämpfend entgegenzuwirken“, argumentierte Utschneider. Worte, denen Florian Schwarzfischer (BIO), der seit jeher daran appelliert, nicht nur bei der Hoheit, sondern auch bei der Kultur den Rotstift anzusetzen, nur beipflichten konnte. Er forderte: „Wenn man mit einem potenziellen Leitungsteam verhandelt, sollte man ein deutliches Signal aussenden.“ Den künftigen Passionsmachern zeigen, wo der Barthel den Most holt. Klar machen, dass die Kosten kleiner zu halten sind. Denn „alle, mit denen man bisher geredet hat, träumen von einer Neuinszenierung“. Hinter verschlossenen Türen scheint die Personalfrage bereits Raum einzunehmen. Offiziell hat in Oberammergau noch niemand seinen Hut in den Ring geworfen, doch dem Vernehmen nach gibt es bereits Interessenten.
Passion 2030: Inwiefern Änderungen an der Inszenierung vorzunehmen sind, ist noch rechtlich zu prüfen
Viele Aspekte kamen in der Sitzung zur Sprache. Die Finanzierung der Passion mit Kassenkredit für die Vorlaufkosten, die fast schon traditionelle Pleite zwei Jahre vor den Aufführungen oder mögliche Auswirkungen einer Eins-zu-Eins-Übernahme der 22er-Inszenierung. Dass diese zumindest in Teilen eine Frischzellenkur benötigt, glaubt Marina Kirchmayr (Bunte Liste). Sie fürchtet, dass dies andernfalls schädlich für den Vertrieb sein könnte. „Die Kuh, die man melkt, schlachtet man nicht.“
Die ganze Diskussion wurde Wolfgang Proksch (Mit Augenmaß) irgendwann zu bunt. Ein Signal zu setzen, kann er durchaus unterstützen. Doch alles Weitere, da lag er ganz auf Rödls Wellenlänge, wäre zum jetzigen Zeitpunkt unsinnig. Aber „solange die Urheberrechte nicht geprüft sind, können wir nicht abstimmen“. Also beantragte er, im Herbst, wenn die neue Werkleitung ihre Arbeit aufgenommen hat und das Juristische erfolgt ist, das Thema wieder aufzurollen.
Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen finden Sie auf Merkur.de/Garmisch-Partenkirchen.