Lange Gesichter am Kolben: Die sogenannte Wintersaison war ein totaler Flop. Jetzt fragen sich alle: Wie geht‘s weiter.
Oberammergau – Die Wintersaison: zum Abhaken. Das Weihnachtsgeschäft fiel aus. Die Temperaturen kletterten nach oben, der Schnee schmolz. Erst Mitte Januar nahm der Betrieb am Oberammergauer Kolben Fahrt auf. Kurzzeitig zumindest. Wenige Tage später stand die Sesselbahn still, wegen eines Schadens. Genug der Pechsträhne? Von wegen. Am 11. Februar erklärte Klement Fend, Geschäftsführer der AktivArena GmbH & Co. KG und einer von neun Gesellschaftern, den Betrieb für beendet. Früher als geplant. Wieder fehlte Schnee. Fends Bilanz fällt ernüchternd aus: „Der Winter war grottenschlecht“. Noch schlechter als der im „verflixten Jahr“ zuvor – mit Regenmassen und Murenabgang.
Normalerweise gibt es 80 Betriebstage. Diesmal waren es gerade einmal 28. Der Umsatz brach noch mehr als in der Saison 2022/23 ein. Der Winter – ein einziges Verlustgeschäft. Fend spricht Tacheles: Von Mitte November bis Mitte Februar wurde ein tägliches Minus von 3000 Euro Cash verzeichnet. Macht in der Summe einen Verlust von 350 000 bis 400 000 Euro. Ein trauriger Rekordwert. „Das hatten wir so noch nie.“ Nichts, was die Existenz der GmbH bedrohen würde. Sie ist in der Lage, das finanziell zu stemmen. Die wirtschaftlich guten Sommer fangen den Winter auf. Aber nicht auf Dauer. „Irgendwann“, betont der Geschäftsführer, „ist die Musik aus.“
Wir wollen keine Ängste schüren.
Das stete Lotteriespiel mit dem Winter, das Auf und Ab der Gefühle bei den Gesellschaftern wie dem Personal bestärken Fend und seine Kollegen darin umdenken zu müssen. Und zwar jetzt. Intensive Beratungen finden derzeit statt, noch völlig ergebnisoffen. Sie reichen von einer weiteren Nutzung in veränderter Form bis zur Aufgabe des Winterbetriebs. Letzteres hält Fend aber für eher unwahrscheinlich. „Wenn es geht, wollen wir ihn in irgendeiner Form fortsetzen.“ Vielleicht mit Skibetrieb nur im unteren Bereich. Viele Fragen stehen im Raum. Beschneit man weiter? Öffnet man die Hütte im Winter? Alles Dinge, die es zu klären gilt. Und zwar zügig, auch dem Personal zuliebe, das Fend ausdrücklich für den Einsatz in der harten Phase lobt. Deshalb stehen die Verantwortlichen auch jetzt mit dem Team im Austausch. „Wir wollen keine Ängste schüren“, betont Fend. Bis Ende Juni wird eine Entscheidung fallen, wie die Winterdepression kuriert werden soll. Ein Angebot für die kalte Jahreszeit, so viel steht fest, möchte die GmbH aufrechterhalten. Nur wie sieht es aus? Welches trägt sich finanziell halbwegs? Denn „von Gewinn“, sagt Fend, „redet keiner mehr.“ Eine schwarze Null würde schon alle zufriedenstellen.
Erste Gedankenspiele existieren freilich schon. Was Fend und Co. vorschwebt: den Alpine Coaster dahingehend umzubauen, dass er wintertauglich ist. Machbar wäre das, verdeutlicht der frühere Bürgermeister von Oberammergau und verweist auf die Anlage in Nesselwang. Magnetbremsen würden bei warmen und kalten Temperaturen funktionieren. Doch müssen noch technische Finessen geprüft werden.
Sich für die Zukunft zu rüsten, sich breit aufzustellen, daran liegt den Gesellschaftern nicht erst seit der akuten Wintermisere. Sie verfolgen unter anderem schon längst das Ziel, das Schlechtwetterangebot auszubauen. Zum Beispiel mit einer Indoor-Sporthalle am Fuße des Kolbens (wir berichteten). Allerdings kassierte das Projekt eine Abfuhr. Von der Regierung von Oberbayern. Doch Fend stellt klar: „Es ist noch nicht tot, wir brauchen eventuell ein besseres Konzept.“ Den Standort hält der 68-Jährige für geeignet. Er grenzt nicht an Wohnbebauung, mit Widerstand seitens der Bevölkerung wäre wohl nicht zu rechnen. „Wir belästigen niemanden.“ Auch Parkplätze existieren bereits. Ein solches Angebot zu schaffen, hält er für absolut wichtig. Um planbar für Besucher zu werden. Denn bei guten Wetterprognosen überrollen sie das Ausflugsziel. Bei schlechten, die sich aber doch als gute entpuppen, kommt kaum jemand. „Wir müssen aber immer anlaufbar sein.“ Davon profitiert am Ende nicht nur Oberammergau, sondern die ganze Region.
Parallel dazu schwebt der GmbH vor, Kosten zu reduzieren. Dazu soll die geplante Photovoltaikfreiflächenanlage beitragen (wir berichteten). Wenn alles glatt läuft, kann 2024 der Bau starten. „Damit sparen wir uns viel Geld“, erklärt Fend. Und man könne langfristig umweltfreundlichen Strom produzieren.
Eine kleinere Maßnahme betrifft die Holzkugelbahn. Sie wird heuer erweitert. Die Attraktion, die seit Sommer 2023 Eltern und Kinder erfreut, kommt gut an, urteilt der Geschäftsführer. Wie der Kolben per se. Er hat sich zum touristischen Hotspot gemausert. Eine gewollte Entwicklung, um anderen Naherholungsgebieten mehr Ruhe zu gönnen. Und nicht aus Profitgier. „Wir müssen Geld verdienen“, betont Klement Fend, „aber nicht reich werden.“
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Die Anlagen
auf dem Kolben sind noch geschlossen, die Sommersaison wird voraussichtlich am 23. März eröffnet.