Der Mann mit dem besonderen Blick: Meister-Fotograf Heinz Zak erhält ITB-Award

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Mit geschultem Blick: Nichts wird dem Zufall überlassen – auch und gerade nicht in der Druckerei. Dort hat Heinz Zak (r. und kl. Foto oben) ein waches Auge, wenn es um seinen Bildband geht. © Heinz Zak

Spektakuläre Aufnahmen, stimmungsvolle Impressionen: Hein Zak weckt mit seinen Bildern Gefühle, packt die Seele. Nun darf sich der Mann aus der Tiroler Provinz in Berlin über eine hohe Auszeichnung freuen.

Scharnitz – Der renommierte Bergfotograf Hein Zak (65) darf am morgigen Dienstag die beschauliche Tiroler Provinz mit der pulsierenden Großstadt tauschen. Der Mann aus dem benachbarten Scharnitz fährt nach Berlin. Dort erhält er auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB), Deutschlands größter Tourismusmesse, für seinen Bildband „Tirol – Magie der Berge“ den ITB-Berlin-Book-Award. Sieben Jahre hat der Österreicher an der fotografischen Liebeserklärung an seine Heimat gearbeitet.

Die auch als „Tourismus-Oscar“ bezeichnete Auszeichnung ist dafür die verdiente Anerkennung. Spätestens seit seinem ersten Buch übers Karwendel (1990) findet man Zaks Bilder in vielen Isartaler Wohnzimmern und Hausfluren in Form von Büchern oder Kalendern. Für die meisten ist er dieser Scharnitzer, der extrem schwierige Routen klettert und tolle Bergfotos macht. Nur wenige wissen, dass er eigentlich durch Zufall in den Tiroler Grenzort kam, seine Faszination für die Fotografie bei Kletterreisen in die USA entdeckte und wie viel Zeit und Planung er in jedes seiner Bilder steckt.

Heinz Zak wird 1958 in Wörgl geboren, zieht im Volksschulalter mit seinen Eltern nach Axams und macht eine Ausbildung zum Hauptschullehrer. Als solcher bekommt er eine Stelle an der privaten Hauptschule in Scharnitz. Ein Zufall, der einen immensen Einfluss auf sein Leben haben wird. „Eigentlich wollte ich nur vorübergehend in Scharnitz bleiben“, erinnert sich Zak. „Aber dann entdeckte ich das Karwendel und das Klettergebiet an der Schüsselkarspitze und bin geblieben.“

Und wenn du oben bleibst, musst am nächsten Morgen nicht ganz früh wieder rauf.

Die ersten Aufnahmen macht er schon als junger Kletterer mit gerade einmal 15 Jahren. Die Faszination, besondere Stimmungen am Berg auf Bildern festzuhalten, packt ihn, als er auf seinen Kletterreisen in die USA die legendären Landschaftsfotografen David Muench und Ansel Adams kennenlernt. „Ihre Art, nur den Berg, die Natur und die sie umgebende Stimmung abzulichten, war neu, bei uns waren immer Menschen mit auf den Bildern.“ Zak beginnt, wie sie zu fotografieren, da diese Art seinem Naturell, seiner Leidenschaft für den Berg entspricht. „Es gib nichts Schöneres, als auf dem Berg zu übernachten und die Stimmungen bei Sonnenuntergang und -aufgang festzuhalten“, schwärmt er und ergänzt dann mit einem Augenzwinkern: „Und wenn du oben bleibst, musst am nächsten Morgen nicht ganz früh wieder rauf.“

Diese besonderen Momente der Übergangszeiten von Tag und Nacht prägen auch seinen Bildband „Tirol – Magie der Berge“. Unzählige Male hat er während der sieben Jahre Arbeitszeit auf dem Berg übernachtet, 20 bis 30 Kilo Gepäck – Fotomaterial und Biwakausrüstung – durchs Gebirge geschleppt, Stunden auf den einen Moment gewartet. Den meisten Fotos geht eine lange Planung voraus: „Ich war mehrmals dort, hatte ein Bild im Kopf, dass ich machen wollte.“ Der richtige Moment wird mit Hilfe von Karten, Wetterbericht, Einheimischen und viel Wissen geplant. Und doch braucht es oft mehrere Anläufe, viele Stunden Geduld und manchmal auch ein bisschen Glück. So wie beim Titelbild: „Ich war den ganzen Tag dort oben, und es war lange nicht klar, ob überhaupt noch ein Bild zustande kommt, und dann kam plötzlich dieses Licht.“ Jenes, das den Zauber ausmacht und Zak gefangen nimmt. „So eine Stimmung erleben und fotografisch festhalten zu dürfen, erfüllt mich. Die Kamera hilft mir, mich voll zu fokussieren und zu hundert Prozent in den Augenblick einzutauchen.“

Naturfotograf Heinz Zak mit seinem Bildband
Sein Meisterwerk in Händen: Heinz Zak mit seinem preisgekrönten Bildband. © Heinz Zak

Während andere raten, das ewige Knipsen mit dem Handy doch mal zu lassen, ist für Zak der Blick durch den Sucher der Schlüssel zur absoluten Präsenz. Durch ihn entstehen sein Lieblingsbild am Cover von „Tirol – Magie der Berge“ und rund drei Millionen weitere Bilder. Von dieser Fülle gilt es, rund 250 für das Buch auszuwählen. „Wie beim Titelbild hab’ ich bei allen nach meinem persönlichen Gefühl entschieden, so dass ich mich beim Blättern an jeder Seite freuen kann.“ Die Vielfalt ist erstaunlich: Vom klassischen Bergpanorama, oft aus einem neuen, ungewöhnlichen Blickwinkel heraus, über atemberaubende Nachtbilder, wie die Bahnen um den Polarstern über dem Glocknergipfel, bis hin zu kunstvoll in Szene gesetzten Blumenwiesen und herbstlichen Farbspielen. Der 65-Jährige kann zu jedem Bild eine Geschichte erzählen. Darf man ihm dabei zuhören, werden die Bilder lebendig, und man erfährt neue Details.

Geigerin Mariya Nesterovska nutzt das Foto, auf dem sie in einer Eishöhle posiert, zugleich zu einer besonderen Tonaufnahme. Die Magie der Berge und Bilder, die sich schon im Buchtitel findet, wird nun also mit dem ITB-Berlin-Book-Award gewürdigt. Zak und Tirol rücken damit auf eine Stufe mit Werken, die Fotos von Naturwundern weltweit beinhalten und von Größen wie Michael Martin geschossen wurden.

„Es ist wirklich eine besondere Anerkennung, durch die meine Arbeit noch einmal einen anderen Stellenwert bekommt“, findet Zak, der zugibt, trotz seiner ureigenen Passion fürs Fotografieren doch viel Kraft und Motivation daraus zu ziehen, dass seine Bilder gesehen werden. „Das hilft schon ungemein bei Minus 20 Grad im Biwak am Glockner zu bleiben.“

Und auch das beeindruckt am Scharnitzer: Fast alle Standplätze für seine Bilder hat er zu Fuß oder kletternd erreicht, nur ganz wenige Aufnahmen entstanden mit Hilfe von technischen Hilfsmitteln wie einer Drohne. Sein Meisterwerk zeigt ganz klar: Man braucht nicht viel Schnickschnack oder eine Weltreise, um magische Plätze zu finden. „Es reicht mit offenen Augen und weitem Herzen vor die Haustür zu gehen.“ Kathrin Ebenhoch

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