Massive Vorwürfe waren in einem SZ-Artikel gegen den Vorstandsvorsitzenden der Olaf Gulbransson Gesellschaft, Michael Beck, laut geworden. Nun gab es dazu eine Podiumsdiskussion. Das Interesse war groß.
Tegernsee – „Was sind die aktuellen Herausforderungen der musealen Kulturlandschaft?“ Über diese Frage diskutierte am Donnerstag eine namhafte Runde im Tegernseer Olaf Gulbransson Museum. Den Ausschlag dazu hatte eine Berichterstattung in der SZ gegeben, in der dem Vorstandsvorsitzenden der Gesellschaft, Michael Beck, die Verquickung persönlicher Interessen als Kunsthändler mit der Arbeit für das Museum vorgeworfen worden war. Auf dem Podium saßen nun neben Beck auch Anton Biebl von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel Museums Hannover und Vorstandsmitglied im Deutschen Museumsbund, sowie Katrin Stoll, geschäftsführende Gesellschafterin des Auktionshauses Neumeister.
Zahlreiche Kunstinteressierte verfolgen die Diskussion
„Ein ganz besonderer Dank gilt der SZ, die den Impuls gegeben hat, dass man heute zusammenkommt“, stellte Klaus Fresenius sarkastisch dem Abend voran. Der Zweite Vorsitzende der Olaf Gulbransson Gesellschaft freute sich über das „starke Zeichen der Verbundenheit“, das nicht nur durch den regen Zuspruch der Gäste im Museum deutlich wurde. 170 Kunstinteressierte verfolgten die von der Kultur-Podcasterin Claudia Linzel moderierte Runde zusätzlich über einen Live-Stream.
Museen als Teil der Demokratieversicherung im Land
Es seien besondere Aufgaben, vor denen Museen heute stünden, schickte Spieler voraus. Er erinnerte an klamme Kassen und reduzierte Kulturausgaben der Kommunen bei gleichzeitig steigender Erwartungshaltung an die Museen und teils erheblichen baulichen Notwendigkeiten. Dem stellte er „das große Plus“ gegenüber, dass Museen in einer zunehmend auseinanderdriftenden Gesellschaft eine Plattform zum Zusammenkommen und zum Diskurs in einem geschützten Rahmen bieten würden: „Wir sind zumindest ein Teil der Demokratieversicherung in unserem Land.“
Kleine Museen bieten Kunst ohne große Hemmschwellen
Kleinen Häusern wie dem Gulbransson Museum räumten die Experten dabei eine besondere Rolle ein, weil sie vielen Menschen ohne große Hemmschwelle den Zugang zur Kunst erleichterten. „Sie sind der Türöffner“, betonte Stoll, die dem im Artikel geäußerten Vorwurf über unredliche Methoden bei der Kuratierung entgegenhielt: „Der Welthandel ist nicht hier am Tegernsee.“ Was die angebliche Wertsteigerung einzelner Exponate angehe, so betonten die Redner, dass Gulbransson nicht Guggenheim und diese daher zu vernachlässigen sei.
Beck: Verfasser habe im Vorfeld nicht mit ihm gesprochen
Beck erläuterte das Hybrid-Modell, wie es nicht nur beim Olaf Gulbransson Museum praktiziert werde, sondern etwa auch bei der Hilti Art Foundation als Ableger des Kunstmuseums Liechtenstein. Er habe sich immer einen kritischen Artikel über diese Art der Zusammenarbeit erhofft, jedoch keinen „in dieser Weise zerstörerischen“, in dem er zwar 23 Mal erwähnt wurde, für den ihn der Verfasser im Vorfeld jedoch niemals persönlich gesprochen habe.
Engagement für Museum in der Begeisterung begründet
Sein Engagement für das Museum sei in der Begeisterung begründet, „hier mit einem kleinen, tollen Team“ besondere Ausstellungen zu zeigen, betonte Beck. Ohne die Unterstützung von Wirtschaft und Partnerschaften sei dies kaum mehr möglich. Mit „Passion, Leidenschaft, Verve und Sachkompetenz“ müsse man klarmachen, warum sich Engagement dafür lohne. Darin waren sich die Experten einig. Stoll gab zu bedenken: „Es wird so vieles vorausgesetzt und nie gefragt, wo es herkommen soll.“ Dabei müsse man freilich klare Linien ziehen. Auch in diesem Sinne habe man den 1973 zwischen dem Museum und der Staatsgemäldesammlung geschlossenen Vertrag genau geprüft und ihm mehr Transparenz verliehen.
Ihn persönlich habe der Artikel massiv verärgert, gab Spieler zu, der an die Verantwortung der Feuilletons appellierte, nicht zu bashen, sondern wertzuschätzen. Am Anfang müsse immer die Frage stehen: „Wer profitiert?“ Dem renommierten Galeristen Beck zu unterstellen, er brauche das Gulbransson Museum, um etwas zu verkaufen, halte er für inkompetent.
Gulbransson Gesellschaft zeigt Landschaftsmalerei aus 200 Jahren
Ob die Diskussion über den SZ-Bericht der Ausgangspunkt für ein neues Veranstaltungsformat sein wird, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall war er der Auslöser für die Ausstellung, die am Samstag, 27. September, im Museum eröffnet wird. Andreas Gerritzen habe ihn auf den Artikel hin angerufen und ihm mit der Aufforderung „Herr Beck, fahren Sie vor!“ aus seiner Privatsammlung Werke zur Landschaftsmalerei aus 200 Jahren angeboten, erzählte der Kurator voller Vorfreude. Er werde unter anderem Gemälde von Corot, Courbet, Nolde, Spitzweg und Modersohn-Becker hängen, die zusammen mit einigen Plastiken bis zum Ende des Jahres in der Ausstellung „Raus in die Natur!“ zu sehen sein werden.
hsi