19 462: Mit einem neuen Besucherrekord im Olaf Gulbransson Museum ist die Sonderschau „Geschichten, die das Meer erzählt“ zu Ende gegangen. Der Zuspruch ist Balsam für Kurator Michael Beck. Ihm hängt heftige Kritik noch nach.
Tegernsee – Für Michael Beck sind es bewegte Zeiten, geprägt von extremen Höhen und Tiefen. Wenige Wochen ist es her, dass ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung heftige Vorwürfe gegen den Vorstandsvorsitzenden der Olaf Gulbransson Gesellschaft und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen erhob, denen beide entgegentragen. Die jüngste Sonderausstellung der Gesellschaft hat dem kleinen Tegernseer Olaf Gulbransson Museum derweil einen neuen Besucherrekord beschert: 19 462 kamen, um „Geschichten, die das Meer erzählt“ mit Gemälden von Pablo Picasso, Max Beckmann, William Turner und anderen Künstlern von Weltrang aus Privatbesitz zu sehen – fast 800 mehr als beim bisherigen Rekordhalter, der Gerhard-Richter-Ausstellung 2024 (18 682 Besucher). Und etwa dreimal so viele als in den allerbesten Zeiten vor der Ära Beck.
Kritik hat Michael Beck getroffen
„Die große Resonanz ist eine besondere Bestätigung für unsere Arbeit. Sie motiviert mich und das Team, weiterhin ambitionierte Projekte zu realisieren“, zitiert die Gulbransson Gesellschaft ihren Vorstandsvorsitzenden. Für Beck, der die Ausstellung kuratiert hatte, ist der Publikumszuspruch Balsam. Denn der Artikel hat ihn getroffen. „Das war ein Schlag in den Nacken“, sagt der 62-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.
Als Vorstandsvorsitzender der Gulbransson Gesellschaft sieht er sein ehrenamtliches Engagement verunglimpft, als Kunsthändler den über 40 Jahre aufgebauten Ruf der Galerie Beck & Eggeling. „Den Schaden kann ich nicht erahnen“, fürchtet Beck. Sichtbar zum Opfer fiel der Causa die Ausstellung mit Werken Ernst Ludwig Kirchners, die am 16. August 2025 beginnen sollte. „Mit der Kirchner-Ausstellung wären wir heuer m Museum vielleicht auf 35 000 oder sogar 40 000 Besucher gekommen“, bedauert Beck. „Die Sammler sind verschreckt“, hätten Sorge, selbst in Kritik zu geraten. „Ich bin gerade dabei, zu versuchen, das zu reparieren“, sagt Beck. Die Kirchner-Ausstellung wurde auf 2027 verschoben (wir berichteten). Eine Schau zum neuen Sammlungsführer über Olaf Gulbransson soll die Sonderausstellung in der zweiten Jahreshälfte nicht ersetzen. „Wir sind momentan in einer Findungsphase“, erklärt Beck und bittet noch um Geduld.
„Gulbransson kannten die nicht“
Er sei für Kritik offen, aber die Vorwürfe aufgrund von Vermutungen, die jeder Grundlage entbehrten, könne er nicht nachvollziehen. „Nie habe ich ein Bild aus einer Ausstellung im Museum verkauft“, betont Beck. Der Wert der Werke von Künstlern wie Picasso oder Beckmann steige auch nicht durch die Ausstellung im kleinen Gulbransson Museum, so Beck. „Da steigt eher der Wert der Gulbransson Gesellschaft.“ Dass überhaupt Werke von Richter, Picasso oder Chagall in den Räumen der Gesellschaft im Museum landen, wäre ohne sein berufliches Netzwerk nicht denkbar – wie generell Ausstellungen mit Kunst von Weltrang ohne Galerien heute kaum zu realisieren seien.
Das Gulbransson Museum habe – auch dank der Kataloge zu den Sonderausstellungen – an Renommee gewonnen, erklärt Beck. Als er vor vier Jahren erstmals bei Sammlern aus seinem beruflichen Netzwerk anklopfte, um Werke für Sonderausstellungen dort zu akquirieren, sei das noch anders gewesen: „Die haben gesagt: ,Sie meinen Guggenheim?‘ Den Namen Gulbransson kannten die nicht.“
Podiumsgespräch zu Kritik
Beck will sich der Kritik aber stellen. Am 18. September lädt er im Museum zum Face-to-face-Gespräch. Auf dem Podium sitzen neben ihm Anton Biebl, Interims-Leiter der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, und Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel Museums Hannover und Vorstandsmitglied des Deutschen Museumsbunds. Auch die SZ habe er aufs Podium geladen, eine Zusage gebe es nicht.
Derweil wird das Museum ab Sonntag, 27. Juli, Schauplatz der Verkaufsausstellung „Chambre d‘Amis“ im Format eines Kunst-Salons. Die Veranstaltung mietet sich in den Räumen der Gulbransson Gesellschaft ein. Die Galerie Beck & Eggeling nimmt nicht teil, betont Beck und überlässt die Bühne damit seiner beruflichen Konkurrenz.