Roboter im Service: „Resi“ bringt den Kaiserschmarrn im Café Königslinde

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Zufrieden mit ihrem neuen Mitarbeiter: Alicia Runge und Maximilian Hirschmann. © MM

Im Café Königslinde in Bad Wiessee fährt erstmals ein Gastro-Roboter durch den Servicebereich. „Resi“, wie das Wirtspaar seine künstliche Helferin nennt, entlastet das Team – ohne es zu ersetzen. Die Gäste zeigen sich begeistert.

Das Café Königslinde in Bad Wiessee setzt auf einen Service-Roboter

Erstmalig wird eine KI-Hilfskraft im Tegernseer Tal in einem Restaurant eingesetzt. Die Gäste sind vom Gastro-Roboter angetan. „Doch der Mensch bleibt fürs Menschliche zuständig“, betont das Wirtspaar der Königslinde.

„Die Lieferung ist unterwegs, bitte lassen sie mich durch.“ Bella hat es eilig. Sie trägt vier Tabletts mit bis zu 40 Kilogramm Speisen und Getränken gleichzeitig. Sie bahnt sich ihren Weg von der Küche am Kuchenbüfett und den herumstehenden Menschen vorbei nach draußen, zur neu errichteten Holzterrasse unter der beeindruckenden Linde des Cafés Königslinde. Sie arbeitet, wenn nötig, auch 24 Stunden am Stück und macht niemals Urlaub. Allerdings ist Bella keine gewöhnliche Hilfskraft – sondern ein Roboter.

Zwischen Kaffee, Kaiserschmarrn und KI

Fast geräuschlos bewegt sich das das 1,30 Meter große Gefährt. Aus einem niedlichen Katzengesicht heraus schaut Bella einen mit zwei großen Kulleraugen freundlich an. „Wir sehen jedenfalls eine positive Reaktion. Viele machen Fotos, vor allem die ältere Generation. Auch bei Kindern kommt Resi, wie wir den Roboter nennen, an. Sie laufen hinterher, und wenn sie die spitzen Ohren auf ihrem Kopf streicheln, miaut sie“, beschreiben die Wirtsleute Alicia Runge und Maximilian Hirschmann über ihre neue Hilfskraft. Ihr Restaurant sei das erste im Tal, das diesen chinesischen Bella-Bot, wie er im Fachjargon heißt, einsetzet.

Eine Idee aus Salzburg

Auf die Idee kamen beide bei einer Gastromesse in Salzburg. „Dort haben wir den Roboter live fahren sehen. Es war zwar unter Testbedingungen und nicht real. Daher konnten wir Risiken nicht ausschließen, dass dieser Roboter bei uns nicht funktioniert“, sagt Hirschmann. „Doch Resi arbeitet präzise und zuverlässig. Der Bella-Bot ist wirklich eine Entlastung. Ich bin sogar der Meinung, wir könnten noch einen zweiten gebrauchen.“ Kostenpunkt: immerhin 15 000 Euro pro Hilfskraft, die mit dem schmutzigen Geschirr wieder zurückfährt.

Lange Wege, wenig Zeit

„Wir haben bei unserem Betrieb das Problem, dass der Gastrobereich relativ schmal ist und extrem lange Laufwege hat. Daher ist das Personal mehr auf der Straße unterwegs als beim Gast. Hier brauchte es eine Entlastung“, sagen beide übereinstimmend. In der Gastronomie habe man die Erschwernis, dass die Erwartungen der Kunden und die Work-Life-Balance des Teams inzwischen weit auseinandergehen würden. Man arbeite eben am Wochenende, wo andere frei haben wollen. „Um hier eine Entlastung für alle zu schaffen, vor allem dem Service, der nicht mehr das schwere Geschirr schleppen muss, kamen wir auf den Roboter, der es von A nach B bringt“, erklärt Gastronom Hirschmann. Im Biergarten allerdings würde Resi nicht eingesetzt, denn dort sei nun Selbstbedienung.

Mitarbeiter brauchen keine Angst haben

„Am Anfang war beim Team noch eine gewisse Skepsis zu beobachten. Doch jetzt, wenn er bei einer vollen Terrasse mal nicht im Einsatz wäre, würde er dem Team fehlen“, meint Runge. „Resi ist jedenfalls die perfekte Verbindung zwischen Küche und Service.“ Keinesfalls müssten die Mitarbeiter Existenzängste haben. „Sie sollen nicht durch einen Roboter ersetzt werden.“

Der Mensch bleibt fürs Menschliche zuständig

Zumal die Entnahme der Speisen immer noch durch den Service erfolge. „Unser Slogan ist: Der Mensch ist fürs Menschliche da. So hat die Servicekraft wieder mehr Zeit für den Gast.“ Noch aber sei der Roboter nicht dafür programmiert, dass er den Tisch ansteuert. Dafür müssten die Arbeitsabläufe und die Örtlichkeit mit einer Rampe im Innenbereich neu strukturiert werden. Was aber geschehen soll, „denn wir planen einen Umbau“, verrät das junge Gastropaar.

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