„Eine Sensation“ am Tegernsee: Picasso & Co. entführen ans Meer

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„Eine Sensation“ am Tegernsee: Picasso & Co. entführen ans Meer

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Das gab‘s noch nie: Mit der neuen Sonderausstellung sind im Gulbransson Museum Werke alter Meister, aber auch Fische von Picasso und Strandszenen von Renoir zu sehen. Michael Beck hat sie kuratiert. © THOMAS PLETTENBERG

Eine Ausstellung der Superlative ist mit den „Geschichten, die das Meer erzählt“ im Gulbransson Museum am Tegernsee eingezogen. Künstler wie Picasso, Beckmann, Turner und mehr sind dort zu sehen – eine Sensation für das kleine Museum. Die Werke zeigen mehr als Lichtstimmungen und Wellengang: das Meer als Sehnsuchtsort und Spiegel der Zeit.

Tegernsee – „Picasso, Beckmann, Turner und andere. Geschichten, die das Meer erzählt“ heißt die neue Sonderschau im Tegernseer Gulbransson Museum, die heute Abend eröffnet wird. Was dabei zu sehen ist, könnte gut und gerne auch in den großen Museen und Galerien der Welt hängen. Nicht nur theoretisch: Viele der Bilder seien tatsächlich fürs Metropolitan Museum in New York angefragt worden, erklärt Michael Beck, Vorstandsvorsitzender der Gulbransson Gesellschaft. Zu sehen sind die Raritäten aus Privatbesitz aber ausschließlich am Tegernsee, dank der Kontakte Becks, der beruflich als Galerist erfolgreich ist.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Es gibt Bilder hier, die sind einen zweistelligen Millionenbetrag wert. Die Sicherheitsvorkehrungen sind entsprechend hoch, samt Kameraüberwachung und Sicherheitsdienst rund um die Uhr. „Jetzt können wir wirklich von einer Sensation reden“, sagt Beck, „das wird schwierig zu toppen.“ Finanzierbar ist die Ausstellung für die Gulbransson Gesellschaft nur dank sehr großzügiger Sponsoren. „Wir sprechen hier von ungefähr einer halben Million Budget. Das werden wir nicht mehr bekommen“, sagt Beck, „das waren glückliche Momente.“

Große Namen sind kein Selbstzweck

Die großen Namen sind nicht nur Selbstzweck. Die Ausstellung ist im Uhrzeigersinn weitgehend chronologisch gehängt. Beginnend bei alten Meistern des 17. Jahrhunderts wie Willem van de Velde und dem englischen Romantiker William Turner, zeichnet die Schau den Weg der Kunst von der detailgetreuen Darstellung über deren Auflösung, wie bei Paul Klee oder Pablo Picasso, bis hin zu reinen Stimmungen nach, wie bei Richard Diebenkorn – und mitunter auch die Rolle rückwärts im Fotorealismus von Richard Estes. Mit Emil Noldes Ruderboot vor dem strahlenden Sonnenuntergang an der Nordseeküste und Maurice de Vlamincks Schiffen im Hafen von Le Havre trifft Expressionismus auf Fauvismus – zwei Seelenverwandte, die zeitgleich in Deutschland und Frankreich entstanden.

Für Max Beckmanns unvollendetes Bildnis eines jungen Mädchens wurde eigens  zur Sonderschau eine Wand im Gulbransson Museum eingezogen.
Für Max Beckmanns unvollendetes Bildnis eines jungen Mädchens wurde eigens zur Sonderschau eine Wand im Museum eingezogen. © THOMAS PLETTENBERG

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Zwischen den großen Namen wie Henri Matisse, Paul Klee, Pierre-Auguste Renoir, August Macke und Picasso lenkt Beck den Fokus auch auf wegweisende, weniger bekannte Maler wie Théodore Gudin. Mitte des 19. Jahrhunderts, als Dampfsegler aufkamen, ließ sich der französische Romantiker am Mast festbinden, um die Arme zum Malen freizuhaben, schildert Beck. Gudin hielt die Matrosen in der Tackelage neben dem qualmenden Schornstein fest – nicht nur Kunst-, auch Zeitgeschichte. Die wird in der Schau immer wieder gespiegelt. Erst dank der Eisenbahn gelangten die Künstler aus den Städten ans Meer, das dadurch zunehmend zum Motiv wurde. „Und Renoir konnte nur draußen malen, weil er plötzlich Farbtuben hatte“, erklärt Beck.

Das Mee als Sehnsuchtsort und Spiegel der Zeit

Der Weg durch fast 70 Werke auf kleinem Raum erreicht sogar politische Dimensionen. So hängt Theodore Lux Feininger in seinem Frauenporträt von 1930 eine braune Wolke bedrohlich über den Meereshorizont. Und Max Beckmann, 1937 aus Nazi-Deutschland emigriert, lässt sein nicht vollendetes Mädchen auf dem Liegestuhl 1939 für die luftig leichte Strandszene sehr bedrückt dreinblicken. „Vielleicht schlechte Nachrichten aus Deutschland“, meint Beck mit Blick auf den Brief in der Hand des Mädchens.

Eröffnet wird die Schau am Freitag, 28. Februar 2025, die Vernissage im Barocksaal ist restlos ausgebucht. Die Ausstellung kann am Eröffnungstag zwischen 17 und 21 Uhr nach Anmeldung im Gulbransson Museum unter Tel. 0 80 22 / 33 38 besichtigt werden. Von Samstag, 1. März, bis 20. Juli ist die Sonderschau außer montags täglich von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Danach verschwinden die Werke wieder in den Privaträumen der Sammler.

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