Auf Königswiesen kommen schwere Zeiten zu

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Der Neubau der Bahnüberführung hat vor wenigen angefangen. An die zwei Jahre wird das Ganze dauern. Die Stimmung im Ort ist schlecht.

Gauting - Lange wurde diskutiert, jetzt wird es ernst: Die Vorarbeiten für den Neubau der Königswieser Unterführung, koordiniert vom Staatlichen Bauamt Weilheim, haben begonnen. Ab Januar wird die Bahn das über 100 Jahre alte Bauwerk mit großem Aufwand erneuern und vor allem vergrößern. Mit der Vollsperrung ist ab März zu rechnen, im Herbst wird – wenn alles gut geht – die neue Brücke eingezogen. Die Arbeiten an der Kreisstraße erfolgen im Nachgang. Insgesamt rechnen die Beteiligten mit einer Bauzeit von zwei Jahren.

In dieser Zeit werden die Bürger nicht nur den Lärm aushalten müssen (vor allem die an der nahen Hauser- und Mühlstraße), sondern im Alltag auch viele Umwege in Kauf zu nehmen haben. „Die Stimmung im Ort ist schlecht“, sagt Matthias Ilg, Sprecher der Bürgerinitiative „Gegenverkehr“, die gegen die Maßnahme vergeblich geklagt hatte. Bis in die letzte Instanz, zum Bundesverwaltungsgericht ging es, doch die Bahn behielt Recht.

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Fest steht schon jetzt: Der Umweg in den Hauptort über Hausen, Unterbrunn und Oberbrunn wird langwierig. Und in den Hauptort müssen die Anwohner oft. In Königswiesen selbst gibt es nämlich nichts, keine Kita, keinen Kindergarten, keinen Laden. „Die Umwege von bis zu 20 Minuten werden den Alltagsplan vieler Familien zerlegen“, fürchtet Ilg. Speziell für die Schulkinder verlängert sich der Schulweg extrem. Schwierigkeiten sieht er zudem auf Freiberufler mit einem über Gauting anfahrenden Kundenstamm zukommen. „Das könnte existenzbedrohend werden.“ Zum Einkaufen werden sich die Königswieser vermutlich in dieser Zeit eher in Richtung Starnberg orientieren. „Gauting wird Kaufkraft verlieren“, prophezeit Ilg.

Auf die Bahn und das Landratsamt – die Verbreiterung der Brücke dient auch dazu, dass die Kreisstraße zweispurig ausgebaut wird – sind die gut 700 Anwohner nicht sonderlich gut zu sprechen. „Man spürt viel Enttäuschung und Resignation“, so Ilg. „Kein Wunder, denn im Abwägungsprozess bei der Planfeststellung sind die Belange der Königswieser Bürger weitgehend unberücksichtigt geblieben.“ Das Verfahren sei als unfair empfunden worden. Nach wie vor stehen viele auf dem Standpunkt, dass hier eine Umgehung für die Stadt Starnberg gebaut wird – zu Lasten eines kleinen Gautinger Ortsteils, dessen Bewohner fürchten, dass nach dem Brückenneubau an ihren Schlafzimmerfenstern Schwerlastverkehr vorbeirauscht.

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Was man in Königswiesen insbesondere nicht versteht, ist die Tatsache, warum sich der Bau so lange hinzieht. Dass die B2-Brücke in Starnberg mit einer Sperrung unter einer Woche umgesetzt wurde, wurde genau registriert. Die Bahn könnte es gewiss erklären, hat mit den Anwohnern bisher aber nicht kommuniziert. Das, was sie erfahren, erfahren sie über die Zeitung. Unverständnis herrscht auch über die Tatsache, dass angeblich niemand Geld hat. „In diesem Fall aber sind Millionen von Euro für ein überdimensioniertes Projekt vorhanden“, so Ilg. Die neue Brücke wird neun (statt bisher sechs) Meter breit und 4,50 (statt bisher vier) Meter hoch.

Dr. Horst Häußinger wohnt an der Mühlstraße wird aktuell schon ab 7 Uhr von lauten Schlägen geweckt. „Mit der Ruhe ist es vorerst wohl vorbei“, sagt er. „Wir waren nie gegen die Brückensanierung, aber wir haben versucht, uns dagegen zu wehren, dass die Kreisstraße von der Waldkreuzung bis Königswiesen zu einer Verkehrsachse ausgebaut wird.“

In Königswiesen haben sie das Gefühl, Bürger zweiter Klasse zu sein, weil dieser Ausbau vor allem Starnberg dient. Häußingers resigniertes Fazit: „Wir werden in Zukunft, solange der Tunnel in Starnberg noch nicht fertig ist, den gesamten Umgehungsverkehr zu tragen haben, und das mit Schwerverkehr, weil ja dann die Brücke hoch genug ist.“

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