„Liebhaberobjekt“: Fast eine Million Euro für Bootshaus am Ammersee

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Viele Spaziergänger dürften es kennen: Das Bootshaus an der Ammersee-Promenade, das zum Verkauf steht, liegt zwischen dem Rhein-Main-Donau Segelclub und dem alten Fußballplatz in Herrsching. © Andrea Jaksch

Auf dem Immobilienmarkt ist nichts unmöglich: Für ein altes Bootshaus in Herrsching an der Promenade gibt es Gebote von fast einer Million Euro. Eigentümer und Makler betonen, das sei gar nicht so außergewöhnlich. Es handle sich um ein Liebhaberobjekt mit nahezu unermesslichem Wert.

Herrsching - In Herrsching steht ein wahrscheinlich mehr als 100 Jahre altes Bootshaus zum Verkauf. Es liegt direkt am Kiesstrand an der öffentlichen Ammersee-Promenade, zwischen Rhein-Main-Donau Segelclub und altem Fußballplatz, gleich beim Löwenherz-Kiosk. Es misst 100 Quadratmeter, ein Garten nebenan gehört dazu. Die Tafel mit der Aufschrift „Zu verkaufen“ hängt an einem Fenster, das mit einem rostigen Gitter verhängt ist. Das Dach ist mit Moos bewachsen, aus dem vergitterten Bootslagerraum lugt ein aufblasbarer Plastik-Flamingo hervor. Die Holzwand Richtung See ist neuer, die älteren anderen wurden hier und da Opfer von Sprayern. Die Ausstattung: geräumiger Bootsliegeplatz mit Slipanlage, Aufenthaltsraum, Teeküche, WC, Dusche, eine Holzterrasse, aber kein Steg. Verhandlungsbasis: 750 000 bis 950 000 Euro. „Wir haben bereits Gebote bis knapp eine Million Euro“, sagt Luxusmakler Oliver Herbst, Inhaber und Geschäftsführer von Immovision.

Beeindruckende Zahlen, erklärungsbedürftige Zahlen. Eine Million für eine Holzhütte, in der man nicht übernachten darf? Immobilienmarkt-Wahnsinn. Dafür kriegt man zwei Grundstücke inklusive Häuser in Brandenburg. Oder zehn neue VW-Busse. Aber so einfach ist es nicht, diese Zuspitzungen wären zu undifferenziert, sagen Herbst und der Eigentümer des Bootshauses. Andere Maßstäbe müssten her, immaterielle, betonen die beiden. Auf der Immovision-Homepage steht unter dem Angebot „Herrschinger Bucht: Bootsliegeplatz“: „Eine Rarität am Ammersee. Mit seiner Terrasse und dem Garten nicht nur ein perfekter Ausgangspunkt für eine Bootstour auf dem See, sondern auch ein herrlicher Platz zum Sonnenbaden und Entspannen direkt am See.“

Die Frage ist doch, was es dem Einzelnen wert ist. Es gibt Menschen mit einem Faible für das Besondere.

Der Bootshaus-Eigentümer kommt aus München. Er ist 56 Jahre alt, Inhaber und Geschäftsführer einer Firma, seine Mutter war lange Hautärztin in Starnberg. Namentlich will er nicht in Erscheinung treten. Aber er erklärt im Gespräch mit dem Starnberger Merkur ausführlich, warum der aufgerufene Preis aus seiner Sicht gar nicht so eine große Sache ist. Und er stellt klar: „Noch ist es ja nicht verkauft. Und der Verkauf des Gesamtobjekts steht für mich nicht im Vordergrund.“ Am liebsten würde er jemanden finden, der sich das Häuschen in einer Eigentümergemeinschaft mit ihm teilt, sagt er. Und er erklärt, dass ihm das Grundstück im Gegensatz zum Bootshaus gar nicht gehört. Er müsse es über die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung vom Freistaat Bayern pachten. Vermieten dürfe er das Haus nicht.

Vor 25 Jahren habe er das Bootshaus gekauft – für einen hohen Preis, den er nicht nennen will. Der 56-Jährige sagt nur: „Ich wurde damals für verrückt erklärt.“ Er habe sich das Häuschen hart erarbeitet und nicht von einem Erbe bezahlt. „Es ist ein Juwel. Da stecken viele Erinnerungen, viel Zeit und persönliches Herzblut drin.“ Bootshäuser, noch dazu in der Größe, sind ein knappes Gut. Und Angebot und Nachfrage regeln eben den Preis, wie Eigentümer und Makler mehrfach betonen. Er könne schon nachvollziehen, dass manche in dem Objekt ein überteuertes Stück Holz sehen. „Aber die Frage ist doch, was es dem einzelnen wert ist. Es gibt Menschen mit einem Faible für das Besondere.“ Man dürfe das Bootshaus nicht mit einem Gebrauchsgegenstand mit viel Nutzwert oder einem Wohnhaus vergleichen. Der 56-Jährige denkt viel mehr an einen Oldtimer, spricht mehrfach von einem „Liebhaberobjekt“. Außerdem gebe es genügend andere Bespiele, in denen vermeintlich unverschämte Preise gezahlt würden.

Makler: Schon Bootshaus für 2,5 Millionen verkauft - aber mit Grundstück

Er habe sich schon Richtwerte geholt und alte Kaufpreise von ähnlichen Objekten herausgesucht, sagt der Eigentümer. Und Makler Oliver Herbst berichtet, dass er ein Bootshaus sogar mal für 2,5 Millionen Euro verkauft habe. In diesem Fall aber mit einem dazugehörigen, größeren Grundstück. In diesen Tagen tauchte ein weiteres mit Steg und Mole bei Immovision auf, am Starnberger See in Ammerland. Verhandlungsbasis: immerhin 350 000 bis 550 000 Euro. „Wir fangen damit gerade an. Aber es gibt schon eine regelrechte Warteliste“, sagt der Makler und erzählt noch etwas am Rande: Zuletzt habe er am Starnberger und am Ammersee wieder Villen für 15 und 20 Millionen Euro verkauft. Die hohen Bauzinsen spielten in solchen Fällen keine Rolle. „Unsere Klientel ist nicht auf eine Finanzierung angewiesen.“ Das Luxussegment sei von den aktuellen Entwicklungen am Immobilienmarkt kaum betroffen.

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