Gerade hat das neue Jahr begonnen und schon bringt es für viele Versicherte eine bittere Erkenntnis: Die Rente wird an gleich zwei Stellen kleiner: Noch während des Arbeitslebens sinken die Rentenansprüche für Millionen Beschäftigte. Und wer bereits Rente bezieht, wird ab März 2026 merken, dass weniger Geld auf dem Konto ankommt. Beide Effekte haben unterschiedliche Ursachen, führen aber zum selben Ergebnis: Die Rente verliert real an Wert.
Warum Arbeitnehmer 2026 weniger Rentenpunkte sammeln
Der erste Einschnitt betrifft Beschäftigte. Entscheidend ist dabei die Rentenformel. Maßgeblich ist nicht nur das eigene Gehalt, sondern der Durchschnittsverdienst aller Versicherten. In Deutschland wird die Anzahl der Rentenpunkte („Entgeltpunkte“) im gesetzlichen Rentensystem jedes Jahr anhand des eigenen Einkommens im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen aller gesetzlich Versicherten berechnet. Wer genau so viel wie der Durchschnitt verdient, erhält einen Rentenpunkt pro Jahr.
Wessen Gehalt hingegen höher ist als der Durchschnitt, bekommt mehr als einen Punkt: Zum Beispiel 1,2 Punkte bei 20 Prozent über dem Durchschnitt. Liegt das Gehalt darunter, gibt es entsprechend weniger Punkte: zum Beispiel 0,8 Punkte bei 20 Prozent drunter.
Laut aktuellen Prognosen steigt der Durchschnittsverdienst 2026 auf 51.944 Euro, im vergangenen Jahr waren es 50.493 Euro. Das wiederum führt dazu, dass viele Beschäftigte für das gleiche Gehalt im Verhältnis weniger Rentenpunkte sammeln. Die Hürde für Rentenpunkte erhöht sich also automatisch.
Wessen Einkommen mit dem Durchschnittsgehalt nicht Schritt hält, sammelt weniger Punkte. Ein Jahresgehalt von 42.000 Euro brachte zuletzt zum Beispiel nur noch 0,83 Rentenpunkte. Ab 2026 sind es nur noch etwa 0,81. Über Jahrzehnte summiert sich dieser Unterschied zu spürbaren Einbußen bei der Monatsrente. Experten sprechen inzwischen von einer Renten-Inflation, weil die Gegenleistung für Arbeit schleichend entwertet wird.
Der höhere Rentenwert löst das Problem nicht
Laut Prognosen der Bundesregierung soll parallel auch der Rentenwert steigen, also der Euro-Betrag, den ein Rentenpunkt bringt. Derzeit liegt er bei rund 40,79 Euro und könnte sich ab Juli 2026 auf etwa 42,30 Euro erhöhen.
Doch dieser Ausgleich reicht für viele nicht aus, denn der Effekt kann unterm Strich geringer ausfallen als der Verlust an Rentenpunkten, wenn das eigene Einkommen langsamer wächst als der Durchschnittsverdienst. Dadurch entsteht beim einzelnen Versicherten eine relative Entwertung seiner Rentenansprüche über die Lebensarbeitszeit.
Vor allem Beschäftigte mit niedrigen und mittleren Einkommen verlieren mehr durch die geringere Punktezahl, als sie durch den höheren Rentenwert gewinnen. Unterm Strich bleibt oft nur ein kleines Plus oder gar ein Minus im Verhältnis zur Lebensarbeitszeit.
Nachteil bleibt auch mit Rentenerhöhung um 3,7 Prozent
Die gesetzliche Rente wird zum 1. Juli 2026 voraussichtlich erneut um rund 3,7 Prozent steigen. Technisch handelt es sich dabei um eine Anhebung des sogenannten Rentenwerts, also des Euro-Betrags, den ein einzelner Rentenpunkt wert ist. Steigt der Rentenwert, erhöhen sich automatisch die laufenden Renten – diese prozentuale Anpassung wird umgangssprachlich als Rentenerhöhung bezeichnet.
Wichtig ist jedoch die Einordnung: Der höhere Rentenwert verändert nicht die Zahl der Rentenpunkte, die während des Erwerbslebens gesammelt werden. Er wirkt ausschließlich auf bereits erworbene Ansprüche. Wer über Jahre hinweg aufgrund steigender Durchschnittslöhne weniger Rentenpunkte erhält, profitiert zwar ebenfalls von der Rentenerhöhung, aber nur auf einer kleineren Punktbasis. Der strukturelle Nachteil durch geringere Entgeltpunkte bleibt bestehen.
Beispielrechnung: Bruttojahreseinkommen 42.000 Euro
Grundlage der Berechnung ist das vorläufige Durchschnittsentgelt für das Jahr 2026 in Höhe von 51.944 Euro, für das es dieses Jahr einen vollen Rentenpunkt gibt. Angenommen ein Arbeitnehmer erzielt jedes Jahr ein Bruttojahreseinkommen von 42.000 Euro.
Im Jahr 2025 betrug das Durchschnittsentgelt 50.493 Euro. Daraus ergaben sich für ein Einkommen von 42.000 Euro rund 0,83 Rentenpunkte.
Im Jahr 2026 steigt das Durchschnittsentgelt auf 51.944 Euro. Für dasselbe Einkommen ergeben sich dann nur noch rund 0,81 Rentenpunkte.
Ein Rentenpunkt liegt derzeit bei 40,79 Euro und dürfte ab Juli 2026 auf rund 42 Euro steigen. Selbst bei diesem höheren Rentenwert bedeutet der Verlust von etwa 0,02 Rentenpunkten, dass aus diesem Beitragsjahr rund ein Euro monatliche Bruttorente weniger entsteht.
Der entscheidende Punkt ist die Wirkung über das gesamte Erwerbsleben. Bleibt das Einkommen über viele Jahre hinter dem steigenden Durchschnittsentgelt zurück, summiert sich der Verlust an Rentenpunkten. Bei einer Erwerbsbiografie von 45 Jahren beim genannten Gehalt ergibt sich so ein Minus von gut einem Rentenpunkt. Das entspricht – je nach Rentenwert – rund 40 bis 45 Euro weniger pro Monat.
Um im Jahr 2026 die gleiche Anzahl an Rentenpunkten zu erhalten wie 2025, müsste das eigene Jahresbruttoeinkommen mindestens im gleichen Verhältnis steigen wie das Durchschnittsentgelt. Bei einem bisherigen Jahresgehalt von 42.000 Euro wäre dafür eine Erhöhung um etwa 1200 Euro auf rund 43.200 Euro erforderlich, damit sich die Anzahl der gutgeschriebenen Rentenpunkte auf dem bisherigen Niveau stabilisieren.
Wenn der Rentenwert ab Juli 2026 um 3,7 Prozent steigt, läge er rechnerisch bei etwa 42,30 Euro je Punkt (40,79 × 1,037). Dann ergibt sich (in Monatsbrutto, stark vereinfacht):
- Fall „höhere Punktbasis“: 37,43 Punkte × 42,30 Euro ≈ 1583 Euro
- Fall „niedrigere Punktbasis“: 36,39 Punkte × 42,30 Euro ≈ 1539 Euro
Der Abstand bleibt also bei rund 44 Euro im Monat – trotz Rentenerhöhung. Die Rentenerhöhung hebt beide Beträge an, sie schließt aber die Lücke nicht, die durch eine niedrigere Punktbasis entsteht.
Ab März 2026 trifft es Rentner direkt
Der zweite Einschnitt betrifft Rentner unmittelbar. Hintergrund sind steigende Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung. Der bundesweite Orientierungswert steigt zum 1. Januar 2026 von 2,5 auf 2,9 Prozent. Viele Krankenkassen verlangen bereits höhere Sätze.
Für Rentner greift eine gesetzliche Fristregelung. Beitragserhöhungen wirken bei ihnen zeitversetzt. Ab dem 1. März 2026 wird der höhere Zusatzbeitrag direkt von der laufenden Rente einbehalten. Die Bruttorente bleibt gleich, der Auszahlbetrag sinkt. Für Betroffene fühlt sich das wie eine Rentenkürzung an.
Der doppelte Effekt verstärkt sich
Besonders problematisch ist das Zusammenspiel beider Entwicklungen. Wer heute weniger Rentenpunkte sammelt, erhält später eine geringere Bruttorente. Auf diese niedrigere Rente fallen dann zusätzlich höhere Abzüge für Kranken- und Pflegeversicherung an. Der finanzielle Druck könnte damit über die Jahre weiter zunehmen.
Was Arbeitnehmer jetzt tun können
- Für Beschäftigte gewinnt die eigene Gehaltsentwicklung 2026 eine neue Bedeutung. Entscheidend ist nicht allein, ob das Einkommen nominal steigt, sondern ob es zumindest mit dem allgemeinen Durchschnittsverdienst Schritt hält. Denn nur dann bleibt die Zahl der gutgeschriebenen Rentenpunkte stabil. Bleibt das Gehalt hinter dieser Entwicklung zurück, sinken die Rentenansprüche automatisch – selbst bei unveränderter Arbeitsleistung. Vor diesem Hintergrund kann es sinnvoll sein, anstehende Gehaltsverhandlungen auch unter dem Aspekt der Altersvorsorge zu führen. Selbst moderate Erhöhungen können langfristig einen Unterschied machen, weil sie verhindern, dass sich über viele Jahre hinweg schleichend Rentenlücken aufbauen. Besonders relevant ist dies für Beschäftigte mit niedrigen und mittleren Einkommen, bei denen bereits kleine Abweichungen vom Durchschnitt spürbare Folgen haben.
- Darüber hinaus sollten Arbeitnehmer ihre Renteninformation regelmäßig prüfen. Sie gibt Aufschluss darüber, wie viele Rentenpunkte bislang erworben wurden und welche Monatsrente sich daraus voraussichtlich ergibt. Veränderungen in der Punktezahl oder unerwartet geringe Fortschritte lassen sich so frühzeitig erkennen. Wer diese Entwicklung über mehrere Jahre verfolgt, kann besser einschätzen, ob zusätzlicher Handlungsbedarf besteht.
- Private Vorsorgeformen gewinnen vor diesem Hintergrund zusätzlich an Bedeutung. Denn wer über das Erwerbsleben hinweg weniger Rentenpunkte sammelt, kann diese Lücke im gesetzlichen System später kaum noch schließen. Private Vorsorge bietet die Möglichkeit, unabhängig von der Rentenformel zusätzliches Einkommen für das Alter aufzubauen. Dabei geht es weniger um kurzfristige Renditeversprechen als um einen langfristigen Ausgleich. Besonders geeignet sind Vorsorgeformen, die regelmäßig und über viele Jahre bespart werden können. Schon vergleichsweise kleine monatliche Beträge können über Jahrzehnte hinweg ein nennenswertes Zusatzpolster schaffen, das spätere Einbußen bei der gesetzlichen Rente zumindest teilweise abfedert. Eine wichtige Rolle spielen dabei kapitalgedeckte Anlagen, bei denen das angesparte Vermögen unabhängig vom Umlagesystem der gesetzlichen Rentenversicherung wächst. Anders als Rentenpunkte sind diese Ansprüche nicht vom künftigen Durchschnittslohn oder von politischen Anpassungen abhängig. Sie können daher ein Gegengewicht zur sogenannten Renten-Inflation bilden, bei der Arbeitsleistung im Verhältnis weniger stark honoriert wird. Wichtig ist bei der privaten Vorsorge die zeitliche Perspektive. Je damit begonnen wird, desto größer ist der Effekt des langfristigen Vermögensaufbaus. Wer erst spät reagiert, muss deutlich höhere Beträge aufbringen, um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen.
Finanzielle Entlastung: Diese Möglichkeiten haben Rentner
Rentner haben bei steigenden Krankenkassenbeiträgen ein Sonderkündigungsrecht. Ein Wechsel in eine günstigere Krankenkasse kann die monatlichen Abzüge senken. Der Wechsel ist unkompliziert, die Meldung an die Rentenversicherung erfolgt automatisch. Zudem lohnt es sich, die Rentenabrechnung genau zu prüfen, denn Fehler sind bei den Abzügen nicht ausgeschlossen.
Ein weiter Baustein ist die sogenannte Aktivrente. Sie soll es Rentnern erleichtern, freiwillig weiterzuarbeiten. Bis zu 2000 Euro monatlich sollen steuerfrei hinzuverdient werden können, die Aktivrente gilt zusätzlich zur gesetzlichen Rente und sie ist besonders attraktiv für Menschen mit kleiner Rente und guter Gesundheit.
Wer lange gearbeitet, aber wenig verdient hat, sollte prüfen lassen, ob Anspruch auf die Grundrente besteht. Sie kann die gesetzliche Rente um mehrere Hundert Euro im Monat erhöhen – ohne Antrag, aber nur, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind.
Für manche Rentner ist Wohngeld die bessere Alternative zur Grundsicherung. Die Vorteile: kein Zugriff auf kleine Ersparnisse, weniger Stigmatisierung, kombinierbar mit Rente.