Politik feiert „Asyl-Wende“, doch was an der Grenze abgeht, ist alarmierend

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) für den Bereich Bundespolizei, Andreas Roßkopf, hat die politischen Maßnahmen zur Einleitung der „Asyl-Wende“ gelobt, zugleich aber auf massive Probleme bei den innerdeutschen Grenzkontrollen hingewiesen. 

Im Gespräch mit FOCUS online verwies Roßkopf auf die zum Teil veraltete Technik, mit der man im Kampf gegen professionelle Schleuser kaum eine Chance habe. Zudem wirke sich die hohe Arbeitsbelastung negativ auf die Moral vieler Polizisten aus. „Die Motivation gerade bei den Unterstützungskräften schwindet zunehmend“, so Roßkopf.

Kurswechsel macht sich bezahlt: Asylzahlen gehen nach unten

Die Bilanz in puncto Asyl und Migration fällt seit Antritt der schwarz-roten Bundesregierung positiv aus. Das lässt sich an drei Kernpunkten festmachen:

  • Die Zahl der Erstanträge auf Asyl sank im Jahr 2025 auf rund 113.240 (im Jahr zuvor waren es rund 229.750, im Jahr 2023 gut 329.000).
  • 2025 stellte die Bundespolizei 62.500 Fälle von unerlaubten Einreisen nach Deutschland fest. 2024 waren es 83.500, im Jahr davor sogar noch 127.500.
  • 2025 wurden– noch ohne Dezemberzahlen – rund 21.300 Personen aus Deutschland abgeschoben, 20 Prozent mehr als im Vorjahr. 

Für Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) macht die Entwicklung deutlich, dass „Kontrolle, Kurs und klare Kante wirken“. Dabei spielen die noch unter der vorherigen Regierung aus SPD, Grünen und FDP eingeführten Grenzkontrollen, die Dobrindt deutlich intensivierte, eine wichtige Rolle.

Gewerkschafter Andreas Roßkopf schlägt kritische Töne an

Das sieht auch Gewerkschafter Andreas Roßkopf so. Gegenüber FOCUS online erklärte er, die sinkenden Asyl-Zahlen gingen maßgeblich auf den härteren Kurs der neuen Bundesregierung zurück. Dazu gehörten „die Aussetzung des Familiennachzuges, das Ende der Turbo-Einbürgerung sowie die eingeschränkten Leistungen für Asylbewerber“.

Hinsichtlich der Polizeimaßnahmen an der Grenze schlägt Roßkopf allerdings auch kritische Töne an. „Noch immer sind die Kontrollstellen nicht flächendeckend gut ausgestattet.“ So seien die „Sicherungsmaßnahmen zum Schutz der Kolleginnen und Kollegen noch nicht überall ausreichend. Dasselbe gelte für den Schutz vor Wind und Wetter.

Insgesamt stellten die Binnengrenzkontrollen „eine sehr hohe Belastung für die Bundespolizei“ dar. Allen beteiligten Mitarbeitern werde „sehr viel abverlangt“, bisweilen arbeiteten sie bis zur Erschöpfung. Zum Verdruss würde auch die zum Teil veraltete Kontroll- und Überwachungstechnik beitragen, so Roßkopf.

Bundespolizei hat mit sehr hoher Kündigungsrate zu kämpfen

„Es wird höchste Zeit, auf moderne, flexible Grenzkontrollen umzustellen“, mahnt der Gewerkschafter. „Wir brauchen neueste Technik zur Kennzeichenerfassung, den Einsatz von Drohnen sowie moderne, schnelle und top ausgestattete Fahrzeuge.“ Wichtig seien zudem mehr mobile Kontrollstellen. „Stationäre Kontrollpunkte, die jahrelang am selben Ort stehen, werden keine professionellen Schleuser von ihrem kriminellen Handeln abbringen.“

Andreas Roßkopf mahnt: „Es hilft nicht weiter, wenn wir weiter auf Verschleiß fahren. Schon jetzt hat die Bundespolizei mit einer sehr hohen Kündigungsrate zu kämpfen.“ 

Was die weitere Entwicklung bei der Migrationspolitik angeht, setzt Roßkopf große Hoffnung auf das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS), das ab Mitte 2026 umgesetzt werden soll. Ziel ist es, die Migration in der EU insgesamt zu steuern, zu ordnen und vor allem zu begrenzen. Dafür gelten EU-weit einheitliche Standards und klare Regeln für alle Länder.

Umsetzung gemeinsamer EU-Migrationspolitik "sehr schwierig"

Doch Roßkopf warnt. Aussagen benachbarter europäischer Staaten lassen erahnen, dass die Umsetzung des Systems „sehr schwierig“ werden könnte. Doch es dürfe nicht passieren, dass sich einige Länder nicht an die vereinbarte Umsetzung des GEAS halten. „Nur bei einer flächendeckenden und vollen Umsetzung aller beteiligten Länder können wir es schaffen, das Migrationsproblem fair und dauerhaft zu lösen.“