Beim Würstlstand ums Eck gilt bei der Bezahlmethode die „Tiroler Tradition“ – Aushang wirft Fragen auf

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Ein handgeschriebenes Schild an einem Würstlstand in Tirol erklärt die reine Bargeld-Politik mit „Tiroler Tradition“ – und erntet dafür Spott.

Innsbruck – Die Diskussion um Bargeld versus Kartenzahlung beschäftigt Händler und Kunden gleichermaßen. Während manche Geschäfte bereits komplett auf digitale Bezahlmethoden setzen, beharren andere eisern auf Münzen und Scheinen.

Ein Würstlstand in einem Innsbrucker Vorort sorgt nun mit seiner besonderen Begründung für Aufsehen. Auf einem orangefarbenen Schild an der Scheibe steht in handgeschriebenen Lettern: „Nach alter Tiroler Tradition ist nur Barzahlung möglich, Danke“ – ergänzt um einen lächelnden Smiley. Das Foto des Aushangs landete auf der Plattform Reddit und sammelte dort binnen kurzer Zeit 115 Upvotes, was den „Gefällt mir“-Angaben entspricht (Stand 15.1.2026, ca. 13 Uhr). Es ist nicht das erste kuriose Schild aus Innsbruck, über das wir berichten: ein Autofahrer wurde beschimpft, das Wort aber falsch geschrieben.

Innsbrucker Würstlstand sorgt für Lacher: „Muss ich erst in Guldiner wechseln“

Die Echtheit des Fotos ist nicht endgültig zu verifizieren, es sieht aber auch nicht nach einem Fake aus. Der Aushang zeigt ein typisches, handgeschriebenes Schild, wie es an vielen kleinen Betrieben zu finden ist. Die Bargeld-Debatte hat auch in Deutschland Einzug gefunden, eine bestimmte Gruppe mag es gar nicht.

Die Reaktionen der Reddit-Nutzer fielen überwiegend spöttisch aus. „Nach alter Tiroler Tradition werden hier Steuern hinterzogen. Danke“, kommentierte ein User und erhielt dafür 65 Upvotes. Ein anderer Nutzer fragte ironisch: „Alte Tiroler Tradition? Muss ich erst in Guldiner wechseln, um dort bezahlen zu können?“ – ein Kommentar, der 29 Upvotes sammelte.

„Würde 20 Groschen hinwerfen“: Die Tiroler Tradition interpretiert jeder anders

Manche Nutzer spielten die historische Karte weiter aus. „Würde 20 Groschen hinwerfen. Oder noch besser Reichsmark. Alte Tradition“, schlug eine Person vor. Ein weiterer User meinte: „Einfach einen klimpernden Ledersack hinwerfen. Klappt in alten Filmen immer.“ Die Ironie war dabei unüberhörbar: „Preise aber gerne wie 2026“, merkte jemand an und erhielt 18 Upvotes.

„Tiroler Tradition“, was könnte der Betreiber meinen?

50 Prozent der Tiroler bevorzugen nach wie vor Bargeld, wenn man der Tiroler Bankenstudie von 2024 Glauben schenkt. Fast 70 Prozent der Transaktionen finden in Tirol laut ORF noch mit Bargeld statt, lediglich 18 Prozent können sich ein bargeldloses System vorstellen. Hierbei wird es sich wohl nicht um eine „Tradition“ im herkömmlichen Sinne handeln, sondern eher um eine kulturelle Präferenz, die salopp auf ein Schild geschrieben wurde.

Einige Kommentatoren zeigten sich pragmatisch. „Okay, schön etwas über Geschichte gelernt zu haben. Ich möchte bitte mit Karte zahlen“, schrieb ein Nutzer. Ein anderer schlug vor: „Hingehen, riesen Bestellung machen, Karte rausholen und wenn sie ablehnen sagen, dass du kein Bargeld hast, und gehen.“ Als Antwort auf diesen rebellischen Vorschlag kam: „heute richtig rebellisch unterwegs.“ Erst rund um Weihnachten gab es eine heftige Diskussion um einen Züricher Weihnachtsmarkt, auf dem Bargeldzahlung verboten werden sollte.

„Seit es das Schild gibt, nie mehr dort gewesen“: Tiroler-Tradition-Schild schreckt Kunden ab

Der ursprüngliche Poster des Fotos berichtete, dass er früher gelegentlich bei dem Stand eingekauft habe, wenn er zufällig Bargeld dabei hatte. „Seit es das Schild gibt nie mehr dort gewesen“, schrieb er. Die Diskussion offenbarte auch grundsätzliche Meinungsunterschiede: Während manche die Bargeld-Politik verteidigten (ähnlich wie einige in Oberbayern) und auf die Gebühren für Kartenzahlung verwiesen, argumentierten andere, dass diese längst in die Preiskalkulation hätten eingerechnet werden können.

Ein philosophischer Kommentar brachte es auf den Punkt: „Tradition ist letzten Endes auch nur Gruppenzwang von Toten.“ Die Diskussion zeigt jedoch, wie emotional das Thema Bezahlmethoden nach wie vor diskutiert wird. (Quelle: reddit, eigenen Recherche) (ank)