Die für ihre Bockbiere bekannte Klosterbrauerei Andechs bietet jetzt auch ein alkoholfreies Helles an – eine Reaktion auf Gästewünsche und einen wohl nicht mehr endenden Trend. Um das neue Getränk in großen Mengen produzieren zu können, wurden mehrere Hunderttausend Euro investiert.
Andechs – Die Mönche haben viel probiert, sie haben es persönlich abgesegnet, von „wertvollen Anregungen und Hinweisen“ ist die Rede am Heiligen Berg. Es geht um das neue Bier der Klosterbrauerei Andechs, ein alkoholfreies Helles. Abt Dr. Johannes Eckert berichtet sogar von einer Blindverkostung mit anderen Fabrikaten. „Wir haben unseres klar herausgeschmeckt.“ Am Freitagvormittag stellten er und Betriebs- und Vertriebsleiter Alexander Reiss die mittlerweile elfte Andechser Sorte im Bräustüberl vor. Es ist das erste alkoholfreie Helle in der Geschichte der Brauerei, die bis 1455 zurückreicht. Ein vergleichbares Weißbier gibt es bereits seit 2016. Vor Ort kann man das neue Produkt bereits in 0,5er-Flaschen kaufen, im Handel soll es ab März erhältlich sein.
Als „echt, kernig, feinherb“ wird das Getränk vermarktet. Der Werbetext erfüllt seinen Zweck, er ist die reinste Schwärmerei: „Ein prächtiger, feinporiger Schaum krönt das kristallklare Bier. Sein Aroma ist geprägt von weichen Malznoten und Biskuit, harmonisch gepaart mit floralen Hopfenaromen. Der Antrunk ist spritzig und erfrischend. Dabei entwickelt sich ein erstaunlicher Malzkörper, eingerahmt von einer feinherben Hopfenbittere, die zum Weitertrinken anregt.“ Aber wie schmeckt es nun wirklich? Ein möglichst neutraler Versuch: Ja, da ist das etwas Wässrige, das kein alkoholfreies Bier verleugnen kann und das sich wohl nicht verhindern lässt. Alkohol ist ja auch Geschmacksträger. Doch da ist nichts Bierfremdes, gar Seifiges, wie bei so manch anderen Kreationen. Die Aromen eines typischen Hellen kommen klar raus, die Illusion des echten Bieres ist den Männern, die sie erdacht haben, gelungen.
Alkoholfreies Helles: 0,3 Prozent Restalkohol sind enthalten
Neben Alexander Reiss wirkte das Braumeister-Team um Manuel Rößle, Andreas Stürzer und Jürgen Scholz an der Entwicklung mit. Acht Monate vergingen von der Idee bis zum Erstausschank am Freitag, als Rößle vor Presse und Ehrengästen das Premierenfass mit zwei Schlägen anzapfte. „Wir wollten ein Bier mit dem typischen Andechser Hausgeschmack herstellen“, erklärte Betriebsleiter Reiss. Eine Herausforderung, denn nur etwa 0,3 Prozent Restalkohol ist in einer Flasche enthalten.
Wie Abt Johannes berichtete auch Reiss von vielen Gästen, die sich neben dem alkoholfreien Weißbier auch ein alkoholfreies Helles wünschten. Autofahrer, Sportler, auf gesunde Ernährung achtende Menschen: Sie alle wollen Bier, aber nicht gleich betrunken sein. Reiss ist klar, dass es sich um einen langfristigen Trend handelt. „Das hört nicht mehr auf“, sagte er auf Nachfrage.
Alkoholfreies Weißbier macht fünf Prozent des Umsatzes aus
Der (alkoholhaltige) Bierabsatz in Deutschland ist laut Statistischem Bundesamt 2023 gegenüber dem Vorjahr um 4,5 Prozent oder 394,2 Millionen Liter gesunken. Auch die Andechser verzeichnen einen Rückgang, wenn auch nicht so stark, sagt Reiss. Zehn Millionen Liter verkauft die Klosterbrauerei pro Jahr, etwas mehr Weißbier als Helles, gefolgt von den Bockbieren. Das alkoholfreie Weißbier macht bislang fünf Prozent, also etwa 50 000 Liter aus. „Damit sind wir zufrieden“, sagt Reiss. Und er wäre es auch, sollte das alkoholfreie Helle diese Dimensionen erreichen.
Damit das überhaupt möglich ist, habe die Brauerei mehrere Hunderttausend Euro investiert. Die Entalkoholisierungsanlage sei modifiziert und erweitert worden. Das Prinzip der sogenannten Umkehrosmose: Das alkoholhaltige Helle läuft bei null Grad und mit einem Druck von 15 bar über eine Membran. Dabei werden Wasser und Alkohol, etwa 40 Prozent der Gesamtmenge, abgeschieden. Die Substanz, die übrig bleibt (60 Prozent), wird dann wieder mit entgastem Brauwasser versetzt. Die vollständige alkoholische Gärung davor ist laut Reiss wichtig, weil dabei auch Geschmacksträger als Nebenprodukte entstünden. Bei anderen Verfahren – Erhitzung oder Gärstopp – sei dies nicht der Fall.
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