Auf Einladung der Grünen haben etwa 100 Gautinger am Freitagvormittag gegen die AfD demonstriert. Die umstrittene Partei war mit einem Infostand vor der Hypovereinsbank vertreten. Laut Polizei fehlte nicht viel zur Eskalation.
Gauting – Klare Kante gegen Rechtsextremismus zeigte Gauting am Freitagvormittag. Zunächst fanden sich bei der von den Grünen einberufenen Versammlung „Gemeinsam Gauting“ mit Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger (CSU) vor der Post laut Polizei 80 bis 120 Demonstranten ein. Danach zog die Versammlung über die Bahnhofstraße zu dem Infomobil der AfD und begrüßten die AfD-Vertreter mit „Nazis raus“-Chören sowie einem Trillerkonzert.
„Gauting ist bunt, mit allen Hautfarben“: So eröffnete die Ortsvorsitzende der Grünen, Dr. Christina Tewes-Gradl, die Versammlung vor der Post. Ihre Botschaft: „Nie wieder ist jetzt.“ Bürgermeisterin Kössinger schloss sich an und dankte den Grünen herzlich, dass sie die Veranstaltung gegen Rechtsextremismus ins Leben gerufen hatten. Mit dabei waren Vertreter fast aller Parteien im Gemeinderat.
„AfD – Aus für Demokratie“, „Wehret den Anfängen“ und „Raus Nazis, raus die AfD“: So lauteten die Aufschriften auf den Transparenten, mit denen die Demonstranten die Bahnhofstraße abwärts zogen. Der Gautinger Künstler und Pantomime Sebastian Derksen tuckerte wie die Bauern bei ihren Protesten auf einem bunt geschmückten Traktor mit dem Slogan „Don‘t Nazi, be happy“ weiter. Gegen 10.45 Uhr kamen die Demonstranten am AfD-Stand an. Mit Trillerpfeife und „Bullshit“-Mini-Plakat postierte sich die ehemalige Hauptschullehrerin Brigitte Lobisch gut sichtbar neben dem Stand der AfD. Die Sängerinnen und Sänger vom Chor der Evangelischen Christuskirche hatten die Fläche vor der HVB-Filiale zuvor mit dem Schriftzug „Bunt statt Blau“ bemalt. Ihren Plan, den Ort des Geschehens zu blockieren, ließen sie aber fallen, schließlich hatte die AfD ihren Infostand ordnungsgemäß angemeldet.
„Wir sind Handwerker und Steuerzahler“, war der einzige Kommentar, den zwei Würmtaler AfD-Vertreter im blauen Overall am blauen AfD-Banner angesichts der Demonstranten abgaben. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite und auf der Fahrbahn wurde es immer voller. „Nazis raus“, skandierte die Versammlung, das Trillerkonzert wurde immer lauter. Als junge Demonstranten anfingen, Flyer der AfD auf den Boden zu werfen, griff die Polizei ein.
Wie der Gautinger Inspektionsleiter Andreas Ruch mitteilt, stand die Demo zu diesem Zeitpunkt „kurz vor der Eskalation“. Den nicht angemeldeten Marsch von der Post zur Hypovereinsbank habe er nur unter der Voraussetzung geduldet, dass der Geh- und Radweg frei bleibt, die Demonstranten mussten sich also auf die Fahrbahn begeben. Die Bahnhofstraße war deshalb für etwa eine halbe Stunde gesperrt, die Autos stauten sich speziell auf der Ammerseestraße ein ganzes Stück. Bedingt durch das Eingreifen der Polizei blieb es schlussendlich ruhig. „Es ist zu keinen Straftaten gekommen, und die AfD hat auch keine Anzeige erstattet.“
Im Nachgang der Demo meldete sich der AfD-Kreisvorsitzende Prof. Ingo Hahn mit einer Pressemitteilung zu Wort. „Entgegen den bösartigen Verleumdungen der Gautinger Grünen ist die AfD nicht rassistisch und menschenfeindlich, sondern setzt sich für die Durchsetzung des Rechts ein“, schreibt er. Er dankte der Polizei „für ihren heutigen Einsatz, nachdem die aufgestachelten Demonstranten die Bahnhofstraße unangemeldet blockiert hatten“. Christina Tewes-Gradl hingegen freute sich über den Erfolg: „Ich hätte nie gedacht, dass so viele Leute kommen.“
Christine Cless-Wesle und Volker Ufertinger
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