„Ja zur Demokratie!“: Rund 500 Gilchinger stehen für ihre Werte ein

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Viele Demonstranten kamen am Freitagnachmittag, um gegen AfD zu protestieren. © Claudia Becker

Gilching – Der Rathausplatz füllt sich mehr und mehr. Etwa 500 Gilchinger sind am Freitagnachmittag, 2. Februar, zusammengekommen, um sich gemeinsam für die Demokratie stark zu machen. Initiatoren sind alle demokratischen Fraktionen des Gemeinderats sowie die SMV des Christoph-Probst-Gymnasiums (CPG).

So viele Bürger ist man vor dem Rathaus gar nicht gewohnt. Und dennoch strömen gegen 16 Uhr immer mehr Menschen allen Alters vor das Gebäude. Sie alle haben ein Ziel, einen Grund, warum sie sich an diesem Nachmittag dort eingefunden haben. Sie alle sagen „Ja zur Demokratie! Nein zu Rechtsextremismus! Demokraten halten zusammen“, denn genau so lautet das Motto der Demonstration in der knapp 20.000 Einwohner Gemeinde.

Gleich zu Beginn betritt Christian Winklmeier (SPD) die improvisierte Bühne. Bestückt wurde sie mit Fahnen der Grünen, CSU, Freien Wähler und SPD sowie des Plakats des CPG „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“. Erst sechs Tage vorher habe man sich dazu entschlossen, auch in Gilching Flagge zu zeigen. Bewusst, so erklärt es der Gemeinderat habe man nicht die große Öffentlichkeit gesucht, sondern über die sozialen Netzwerke auf diese Zusammenkunft hingewiesen. „Wir müssen alle an einem Strang ziehen“, zitiert er da eine Facebook-Nachricht.

„Es ist ein wichtiges Signal, dass Ihr da seid...“

Und zusammen steht man in Gilching. Es wird geklatscht und gepfiffen, wenn die jeweiligen Redner wie Bürgermeister Manfred Walter oder Landrat Stefan Frey das Mikrofon in die Hand nehmen. Die beiden freuen sich insbesondere darüber, dass so viele Schüler vor Ort sind. „Es ist ein wichtiges Signal, dass Ihr da seid, denn Euch gehört die Zukunft, Ihr müsst sie erhalten“, erklärt Gilchings Bürgermeister.  „Wir stehen hier alle zusammen“, sagt auch Anja Kiemle vom Grünen Ortsvorstand und zeigt auf die Fahnen der einzelnen Parteien. Für die bedeute Demokratie ein respektvoller Umgang miteinander und genau das wollen die Gilchinger an diesem Tag demonstrieren.

Friedlich, Seite an Seite stehen sie für ihre Werte ein. So haben viele selbstgebastelte Schilder dabei, die sie stolz in die Höhe strecken: „Hass ist keine Meinung“ oder „Gegen Extremismus von links oder rechts“. Auch Walter spüre die aktuelle Unzufriedenheit der Menschen im Land, „aber das kann doch nicht dazu führen, Nazis zu wählen, um ihrer Partei einen Denkzettel zu verpassen.“ In seinen Augen haben diese Wähler nicht den Mut, die Wahrheit auszusprechen, dass sie überzeugt die AfD wählen. Auch dürfe man nicht den Fehler machen, zu denken, es handle sich um eine vorübergehende Erscheinung. „Wir müssen den Rechtsextremen immer wieder den Spiegel vorhalten. Wir Demokraten müssen zusammenhalten“, so Walter und spricht die Protestwähler direkt an: „Die AfD ist eine gefährliche Partei.“ Dennoch blickt er zuversichtlich in die Zukunft und konstatiert, dass die große Mehrheit keine Nazis in einer Regierungsbeteiligung wolle. Dazu müssen sich auch die Bürger für die Demokratie einsetzen, sei es in ihren Vereinen oder auch an der Wahlurne, so erklärt es Walter und weist auf die kommende Europawahl im Juni hin.

„Sagen wir Stopp. Denen, die auf unsere Verfassung pfeifen, wir pfeifen auf Euch!“

„Haben wir denn nichts aus der vergangenen Tragödie gelernt?“, das möchte Landrat Frey von den Gilchingern wissen. Menschenfeindlichkeit und Hassbotschaften seien – in Zeiten sozialer Medien – beinahe an der Tagesordnung. Kaum einer zeige da Zivilcourage und stehe dagegen auf. Umso mehr freut sich Frey über das Zeichen, das Gilching an diesem Tag setzt. Die Zeitzeugen seien bald weg, wiederhole sich dann die Vergangenheit - das wolle er nicht glauben. „Sagen wir Stopp. Denen, die auf unsere Verfassung pfeifen, wir pfeifen auf Euch!“

Auch die Jugend kommt zum Schluss zu Wort, drei Vertreter der SMV betreten die Bühne und sprechen klare Worte. „Wir haben keinen Bock darauf, dass uns Extremisten die Demokratie kaputt machen“, erklären sie. Sie wissen, dass Demokratie nicht einfach sei – das lernen sie gerade in der Schule – und ihnen sei bewusst, dass sie aktuell in einer Demokratie aufwachsen, das reiche ihnen aber nicht, sie wollen auch in 50 Jahren noch eine Demokratie haben und deshalb zeigen sie sich heute. „Lasst uns die Höckes und Weidels dieser Welt in die Wüste schicken“, betonen die drei und stimmen als Abschluss der Veranstaltung zu dem Singsang „Alle zusammen gegen den Faschismus“ an.

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