MAN und Gemeinde Karlsfeld gehen einen einzigartigen Wärmeverbund ein. Gemeinsam bohren sie 2026 nach Thermalwasser, um das Werk als auch die Kommune zu versorgen.
Karlsfeld – Um die Klimaziele zu erreichen, geht die Gemeinde Karlsfeld mit dem Bus- und Lastwagenhersteller MAN Truck & Bus SE neue Wege: In einem gemeinsamen Geothermie-Projekt wollen sie heißes Thermalwasser aus dem Untergrund befördern, um damit sowohl das MAN-Werk als auch die Karlsfelder Bürger mit Wärme zu versorgen. „Das ist das erste Mal in ganz Süddeutschland, dass eine Kommune und ein Industrieunternehmen einen Wärmeverbund eingehen“, sagte Benedikt Nesselhauf von MAN am Dienstag auf der Infoveranstaltung im Bürgertreff Karlsfeld.
MAN und Gemeinde Karlsfeld starten Geothermie-Projekt
An verschiedenen Stationen erfahren die insgesamt 70 interessierten Besucher Hintergründe, Zeitpläne und technische Details zu dem Vorhaben, das laut Nesselhauf „Pioniercharakter“ hat. Er ist überzeugt: Das Vorhaben habe für alle Beteiligten einen Mehrwert. Das findet auch Martin Eberle, Leiter der Gemeindewerke Karlsfeld. „Das ist eine Win-Win-Situation“, erklärte er.
Beide Akteure können nur gemeinsam das Projekt verwirklichen. MAN und der Projektentwickler oppurtunities & friends GmbH haben sich das Bohrrecht, die sogenannte Aufsuchungserlaubnis, gesichert. Die Gemeinde Karlsfeld ist Eigentümerin des Grundstücks, auf dem in 2100 Metern Tiefe nach dem mehr als 70 Grad heißen Wasser gebohrt werden soll. Dieses befindet sich an der Bajuwarenstraße im Norden Karlsfelds – an der Grenze zu Dachau, dort wo momentan noch Wiese ist und einmal das neue Gewerbegebiet entstehen soll. Das Gelände stellt die Gemeinde Karlsfeld der extra für das Projekt gegründeten Geothermie Karlsfeld GmbH in Erbpacht zur Verfügung.
Ab 2026 starten die Bohrungen
Wie Christian Nolte, Geschäftsführer der Geothermie Karlsfeld GmbH, erklärt, wird die Bohrung voraussichtlich noch in der ersten Jahreshälfte 2026 beginnen. Dann stellt sich erst heraus, ob die Menge und Temperatur des Thermalwassers überhaupt ausreicht. Ist dies der Fall, startet Ende des kommenden Jahres der Bau der geplanten Transportleitung, um die Wärme vom Norden Karlsfelds in den Süden/Westen zu befördern, wo sich die Heizkraftwerke der Gemeinde und MAN befinden. Kosten: Ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag, konkreter wurden die Akteure nicht.
Ab voraussichtlich Sommer 2027 beginnt der Bau der Anlage. Dabei handelt es sich Nolte zufolge um ein unscheinbares Gebäude. Und Nesselhauf versicherte: „Die Beeinträchtigungen durch Lichtverschmutzung und Lärm gehen gegen null.“
Ein Jahr später, im Sommer 2028, so hoffen MAN und Gemeinde, können ihre Heizzentralen dann umgerüstet und an die Geothermieanlage angeschlossen werden. Welche Gebiete in Karlsfeld dafür infrage kommen, wird der kommunale Wärmeplan zeigen, den die Gemeinde gerade erstellen lässt (wir berichteten). Wie Werksleiter Eberle erklärte, gebe es immer Möglichkeiten, das bestehende Netz in unmittelbarer Nähe zu erweitern. Ob auch das Ersatzteiler der MAN in Dachau-Ost versorgt werden kann, wird momentan geprüft. „Die Vision ist da“, sagte Projektleiter Nolte. Dass auch andere Teile in Dachau-Ost angeschlossen werden, ist laut MAN aktuell nicht vorgesehen.
Irgendwann haben wir den letzten Dinosaurier verbrannt.
Besucher der Infoveranstaltung machten einen erleichterten Eindruck, bald eine klimaneutrale Heizalternative zu Erdöl und Erdgas zu haben. „Wir sind privilegiert, dass wir diese Möglichkeit haben“, sagte Eberle. Denn: „Irgendwann haben wir den letzten Dinosaurier verbrannt.“