Ein Experte, der am Donnerstag zu einem Infoabend zum Thema Wärmewende ins Bürgerhaus kam, sieht für Karlsfeld ein großes Potenzial in Geothermie.
Karlsfeld – Die Kraft von Wind und Wasser kann die Gemeinde Karlsfeld bei der Klimawende bekanntlich nicht nutzen. Das größte Potenzial für klimafreundliches Heizen liegt unter der Erde. Wie Sebastian Weck-Ponten, Projektleiter der Energielenker projects in seinem Fachvortrag zum Zwischenstand der kommunalen Wärmeplanung am Donnerstagabend im Bürgerhaus vor rund 70 interessierten Gebäudeeigentümern berichtete, habe Karlsfeld für Geothermie „gute Voraussetzungen“.
Vor allem für Grundwasserbrunnen sei der Standort Karlsfeld dem Experten zufolge „sehr gut geeignet“ – besonders im Süd-Westen der Gemeinde ist es laut Weck-Ponten „sehr sinnvoll“, solche Brunnen zu betreiben. Dies empfehle auch das Wasserwirtschaftsamt.
Im Norden der Gemeinde gebe es bereits eine bergrechtliche Erlaubnis, so Weck-Ponten. Dort sei auch eine Tiefenbohrung in 2100 Metern geplant. Die Wärme solle dann voraussichtlich über eine Trasse in das Fernwärmeheizwerk der Gemeinde eingespeist werden. Wie Weck-Ponten erläuterte, sei die Wärmemengen jedoch nicht ausschließlich für die Gemeinde Karlsfeld bestimmt, sondern ein Teil wird auch nach Feldmoching geleitet.
Gemeindewerke bieten Geothermie ab 2028
Weiter informierte er, dass Geothermie als alternative, klimafreundliche Wärmequelle in Karlsfeld erst ab dem Jahr 2028 zur Verfügung stünde. Eine Karlsfelderin äußerte am Ende des Vortrags ihren Missmut darüber. Obwohl eine Fernwärmeleitung direkt vor ihrem Haus verläuft, habe die Gemeinde ihren Antrag auf Anschluss an das Netz abgelehnt. Und: Fernwärme sei „wahnsinnig“ kostspielig. „Ich bin vom Glauben abgefallen, wie sich das verteuert hat“, so die Karlsfelderin.
Die Gemeinde könne momentan keine weiteren Gebäude anschließen, da das Netz ausgelastet ist, erklärte Martin Eberle, der Leiter der Gemeindewerke. Man müsse daher abwarten, bis mithilfe von Geothermie neue Wärmequellen erschlossen und an das Fernwärmenetz angeschlossen werden können.
Eberle betonte auch: „Wir werden den Betrieb der Anlage so wirtschaftlich wie möglich gestalten.“ Die Gemeindewerke würden keinen Gewinn machen wollen, sondern das Heizwerk kostenneutral betreiben, betonte er.
Eberle zeigte sich zuversichtlich: „Wenn wir Geothermie integrieren können und ergänzen mit Photovoltaik auf Dächern, dann ist das eine tolle Sache für die Zukunft.“
Kommunale Wärmeplanung
Der Freistaat Bayern will bis zum Jahr 2040 klima- beziehungsweise treibhausgasneutral sein. Die Kommunen sind daher gesetzlich verpflichtet, einen Wärmeplan zu erstellen. Dieser soll zeigen, welche alternativen Energiequellen vor Ort genutzt werden können und wie die Wärmeversorgung vor Ort in den nächsten Jahren ohne Gas und Öl gewährleistet werden kann. Für die Gemeindebürger ist der Wärmeplan aber nicht rechtlich bindend, es handle sich lediglich um „eine erste Orientierungshilfe“, betonte der Planer Sebastian Weck-Ponten. Wie er auch in seinem Zwischenbericht bereits im Januar im Umwelt- und Verkehrsausschuss aufzeigte, sind in Karlsfeld als erneuerbare Energiequellen neben Geothermie auch Photovoltaik, Solar und Umweltwärme geeignet. Letztere könne beispielsweise mithilfe einer Wasser-Wasser-Pumpe aus dem Karlsfelder See gewonnen werden. Dies müsse jedoch in einer Machbarkeitsstudie genauer untersucht werden.