Im Dachauer Wasserturm können Besucher ihren Horizont erweitern: Gabriele Steinlechner und Bärbel Engelbrecht stellen ihre extensiven Kunstwerke aus.
Dachau – Das Thema der Ausstellung lautet „Hinter‘m Horizont“. Im Gespräch erzählen die Künstlerinnen, warum der Horizont sie fasziniert, wieso ihre Kunst knallt, und wie sie beim Malen entspannen.
Arbeitsteilung bei den Vorbereitungen
Nach unzähligen Stufen und mehreren Stockwerken ist der Ausstellungsraum erreicht: Dort steht Bärbel Engelbrecht an diesem Mittwoch auf einer Metallleiter und hält eine bunte Leinwand an die weiße Wand. Auf dem Boden neben ihr steht Gabriele Steinlechner. „Wir haben die Arbeit gut aufgeteilt, ich reiche Bärbel die Bilder, sie hängt die auf, denn da halte ich mich raus“, sagt Steinlechner und lacht. Die Dachauerinnen sind Mitglieder des Fördervereins Dachauer Wasserturm. Gemeinsam stellen sie dort bis Sonntag, 25. Mai, ihre farbintensiven Werke auf drei Stockwerken aus. Nämlich: abstrahierte Landschaften, Planeten oder Feen – auf Großformat. Im Fokus: der Horizont!
In dem niedrigen Raum hängen mehr als ein Dutzend von Engelbrechts und Steinlechners abstrakten Werken. „Der ist für die Perspektive wichtig, denn daran kann sich das Auge festhalten“, erklärt Steinlechner. Engelbrecht steigt von der Leiter herunter. Der Horizont ist Sehnsuchtsort und Projektionsfläche: „Der Mensch will immer weiter kommen, als dort, wo er sich gerade befindet.“ Steinlechner fügt hinzu: „Der Horizont ist immer schon Antrieb gewesen. Er stellt das Unerschlossene dar und den Wettlauf, wer es sich zuerst zueigen macht.“ Oft gehe es dabei um Gier.
Engelbrecht zeigt auf eine Ölmalerei. Im Vordergrund: Mehrere schwarze Baumstämme. „Die sehen aus wie Gefängnis㈠stangen“, sagt sie. Im Hintergrund ist eine bunte Landschaft aus einzelnen quadratischen Flächen. „Das sind Mosaike“, erklärt Engelbrecht. Die malt sie seit mehr als 20 Jahren. „Wo sehen Sie hier den Horizont?“, fragt sie. Engelbrecht möchte dem Betrachter nichts vorgeben, sondern lässt ihn Antworten und Perspektiven finden.
Perspektive, die die Wirkung verändert
Auch in Steinlechners ab㈠strakten Malerein geht es um Perspektive, denn die verändert die Wirkung der Kunst. Bei den ausgestellten Werken entschied sie spontan: „Mache ich viel Erde oder viel Himmel?“ Am Ende des Raums hängt eine Ölmalerei mit dem Titel: „Across the Universe“. Steinlechner sagt: „Das ist in der Vogelperspektive gemalt.“ Horizont? Gibt es hier nicht!
Ein Stockwerk darüber zeigt sie eine Malerei in dunkelblauen Farben. Die stellt eine Landschaft in Gewitterstimmung dar. „Das zeigt die Urgewalt der Natur“, sagt Steinlechner. Die zeigt sich auch in ihren Werken, die Planeten abbilden. Sie fragt sich etwa, wie es auf dem Mars aussieht. Oder: den Urknall! „Da hat es uns alle rausgehauen“, sagt sie und lacht.
Die Dachauerinnen lernten sich vor zehn Jahren kennen: Bei einem Kunstseminar des Münchners Mike Keilbach. Dort treffen sie sich heute noch ein Mal in der Woche. „Ich arbeite gerne in Gemeinschaft“, sagt Steinlechner. Aber Engelbrecht sei oft nicht ansprechbar. „Wenn ich male, dann bin ich wie abgetaucht“, sagt sie und lacht. Früher habe sie gelesen, um zu entspannen. Heute meditiert sie beim Malen. Für Steinlechner hat die Kunst dieselbe Bedeutung: „Da kann ich abtauchen.“
Das können die Besucher nun auch im Wasserturm: nämlich hinter den Horizont.
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