Wie die Dachauer Nachrichten helfen: Zeitung legt Missstände in Dachauer Krankenhaus offen

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Was tun? Landrat Stefan Löwl, Betriebsratschef Claus-Dieter Möbs, Pfleger Matthias Gramlich und Moderator Patrick Lohner (von links) bei der Podiumsdiskussion im Gramsci. © hab

Näher dran. Dafür stehen die Dachauer Nachrichten. Wir zeigen heute, am Tag des Lokaljournalismus, was unsere Arbeit bedeutet: Wir decken Missstände auf, bringen Menschen zusammen, helfen Notleidenden.

Dachau - Alles begann am 6. September 2016, als die Dachauer Nachrichten über eine 82-jährige Patientin berichteten, die in der Helios Amper-Klinik Dachau stundenlang in einem mit Blut und Kot verschmierten Bett alleine gelassen worden war. Die Dame starb im Klinikum, wobei ihr Tod nicht mit den pflegerischen Maßnahmen in Verbindung zu bringen war. Die 26-jährige Enkelin der alten Dame war an die Öffentlichkeit gegangen. Die Reaktion des Amper-Klinikums seinerzeit war dürftig. „Wir bedauern sehr, dass die Angehörige mit der Pflege ihrer Großmutter in unserem Klinikum unzufrieden war“, so eine Sprecherin. Man nehme die Sache ernst, hieß es. Im Übrigen berief sich das Haus auf die ärztliche Schweigepflicht.

Nachdem die Geschichte in unserer Zeitung stand, klagten Dutzende Patienten, ihre Angehörigen sowie Klinikangestellte in Telefongesprächen, E-Mails und in den sozialen Netzwerken ihr Leid. Demnach war die Situation auf vielen der zwölf Stationen des Hauses mit seinen damals 470 Betten desaströs.

Der damalige Betriebsratsvorsitzende Claus-Dieter Möbs sagte, dass es wegen Krankheit oder Mutterschutz immer wieder zu Unterbesetzungen auf den Stationen komme. Das führe dazu, dass Pflegekräfte wegen der dadurch anfallenden Mehrarbeit „den Druck nicht mehr aushalten und hinwerfen“. Der damalige Klinikchef Christoph Engelbrecht verteidigte sich zunächst und gab lediglich Versäumnisse bei der Reinigung der Zimmer zu. „Da gibt es Abstimmungsprobleme, das gefällt uns nicht“, sagte der Geschäftsführer im September. Bei der Pflege hingegen sei alles in Ordnung. Die Zahl der Stellen sei „weder aktuell noch in den Vorjahren reduziert worden“, so der damalige Pflegedirektor René Marx.

Erhöhter Druck auf Klinikleitung

Schließlich wurde der Druck auf die Klinikleitung zu groß. Am 19. Oktober stellte sie bei einem Pressegespräch mit der Heimatzeitung einen Sieben-Punkte-Plan vor, mit dem alles besser werden sollte. Beispielsweise sollten die Reinigungsstandards überprüft, ein Patientenserviceteam installiert und alles schärfer kontrolliert werden. Eine „konsequente Nachbesetzung“ von Stellen sollte erfolgen.

Nur: Die Belegschaft war außer sich, als sie hörte, dass es angeblich keine Probleme bei der Pflege gegeben haben soll. Da konnte auch der Verbesserungsentwurf vom 19. Oktober nichts mehr ändern. Am 25. Oktober entlud sich ihr Ärger wie bei einem Kochtopf, in dem Überdruck herrscht. Im Dachauer Café Gramsci in der Dachauer Altstadt kamen über 100 Pflegekräfte und Patienten zusammen, um bei der Podiumsdiskussion dabei sein zu können.

Es sprachen Landrat Stefan Löwl, der Betriebsratsvorsitzende Möbs und Krankenpfleger Matthias Gramlich. Warum kein Vertreter der Klinikleitung mit auf dem Podium saß, blieb offen. „Engelbrecht hätte hier sitzen müssen“, meinte Löwl. Endlich könnten seine Kollegen und er sich Gehör verschaffen, sagte Gramlich. „Die Grenze unserer Belastbarkeit ist überschritten. Die Klinikleitung schaut nur auf Köpfe und nicht auf die Anforderungen und Qualifikationen“, so der Pfleger. Im Bereich der Pflege gebe es eine enorm hohe Ausfallquote. Die Kollegen seien den Anforderungen nicht mehr gewachsen, denn sie würden von der Pflegeleitung „überplant“.

Unerträglicher Zustand für Patienten und Personal

Der Landkreis hält bis heute nur noch 5,1 Prozent der Anteile an dem ehemaligen Kreiskrankenhaus. Landrat Löwl sagte damals, dass der Kreis die „für Patienten und Personal unerträgliche Situation“ weder lösen noch regeln könne. Wegen der paar Prozent Mitspracherecht könne er Helios keine Anweisungen geben. Der Kreis habe nur eine Kontrollfunktion. „Wir können Engelbrecht nur sagen: ,Du musst was ändern‘. Wie er es ändert, kann ich nicht bestimmen“, so der Landrat.

Im Zuge der Missstände lohnt sich ein Blick auf den Entwicklungsplan im Jahr 2016, den der Konzern auf seiner Internetseite offenlegte. So sollte das operative Ergebnis seiner Häuser seinerzeit jährlich um zwei Prozent steigen. In der letzten Stufe „sieht der Entwicklungsplan den Zielkorridor von zwölf bis 15 Prozent“ Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen vor.

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