Seit bald 50 Jahren streiten die Stadt und die Anwohner der Langwieder Straße miteinander. Es geht um Verkehr, Geld und Eigentum.
Dachau – Jetzt scheint der Konflikt in die – wirklich – letzte Runde zu gehen. Sollten die Anwohner einem allerletzten „Angebot“ der Stadt zum Verkauf eines Teils ihrer Grundstücke nicht zustimmen, droht ihnen die Enteignung. Die Anwohner aber bleiben unbeeindruckt.
Der Streit reicht in die 70er-Jahre zurück
Wenn man sich das Verhältnis zwischen Wegstrecke und Anzahl der damit befassten Juristen anschaut, dürfte der Abschnitt der Langwieder Straße zwischen Moosstraße und B471 eine der umstrittensten Verkehrsflächen in ganz weitem Umkreis sein.
Die Sache geht zurück bis in die 1970er-Jahre. Im Zuge der Gebietsreform wurde die Langwieder Straße dem Karlsfelder Ortsgebiet weggenommen und der Stadt Dachau zugeschlagen. Die Übertragung ging aber nicht ganz sauber vonstatten. Im Grundbuch eingetragen ist sie nämlich nur als „Weg im Privateigentum“; da sie aber – vor allem im Zeitalter moderner Navis – als Schleichweg zwischen B 471 und Dachau-Süd genutzt wird, gilt die Langwieder Straße juristisch als „tatsächlich öffentlicher Weg“.
Die Stadt Dachau würde den Anwohnern des Abschnitts Moosstraße bis B 471 daher gern ihre Straßenanteile abkaufen und aus der Langwieder Straße endlich eine ordentliche Straße machen. Die Anwohner wehren sich: Eine Herstellung der Straße würde ja nur noch mehr Verkehr in die kleine Straße bringen. Während die Stadt die Anwohner daher, zusammengefasst, für stur und bockig hält, sehen die Anwohner in den Rathausvertretern rücksichtslose Erpresser.
Anwohner erhalten finales Kaufangebot
In der jüngsten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses aber wurde deutlich, dass die Stadt nun ernst machen will. Laut Oberbürgermeister Florian Hartmann sei die „Erschließungspflicht der Langwieder Straße nun gerichtlich festgestellt“. Den Anwohnern würde ein finales Kaufangebot unterbreitet, „und wenn sie dann nicht alle verkaufen wollen, kann es nur noch in Richtung Enteignungsverfahren laufen“, so der OB. Hartmann gibt zu, dass die Stadt dies „gern vermieden“ hätte, denn das Verfahren werde „niemandem Spaß machen und es wird sehr lange dauern“. Allerdings blieben der Stadt keine anderen Mittel: „Dafür war das Gericht zu eindeutig.“
Tatsächlich darf die Stadt Stand heute nämlich nur gröbste Ausbesserungsarbeiten an der Langwieder Straße vornehmen. Um aber den städtischen Anforderungen zu genügen, müsste die Straße mindestens abgefräst und ausgeglichen sowie mit einer neuen Asphaltdeckschicht versehen werden. Die städtischen Anforderungen sind konkret: die Erschließung der Grundstücke an der Äußeren Langwieder Straße und des Baugebiets Hermann-Böcker-Straße, die Abwicklung des innerörtlichen Verkehrs von Dachau-Süd in Richtung B 471 sowie eine vernünftige Fahrradverbindung zum Erholungsgebiet Dachauer Moos.
5083 Quadratmeter Verkehrsfläche wären von diesen Anforderungen insgesamt betroffen. Einen entsprechenden Straßenbebauungsplan verabschiedeten die Stadträte am Dienstag einstimmig. Wichtig dabei: Ein sogenannter – sehr teurer – Vollausbau der Straße ist nicht geplant! Zumindest von diesem Stadtrat. „Was die Stadträte nach uns tun, dafür geben wir keine Garantie“, so Hartmann. Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD) versprach ebenfalls: „Einen Vollausbau, was die Befürchtung der Anwohner ist, wollen wir nicht.“ Klar, bei einem Vollausbau müssten die Anwohner nicht nur Teile ihrer Grundstücke verkaufen, sondern würden auch noch an den Erschließungskosten für die Straße beteiligt.
Täglich 600 bis 1000 Fahrzeuge
Arthur Bauer geht es allerdings nicht ums Geld, wie er betont. Er gehört seit vielen Jahren zu den Anliegern, die sich verbissen gegen einen Verkauf wehren. Und dabei, so stellt er auf Nachfrage klar, wird es auch bleiben, „wenn mir die Stadt nicht vernünftig erklärt, wie sie künftig den Verkehr regeln will“.
Seit Jahren nämlich klagt Bauer über Autos und Lkw, die sein Grundstück beschädigten. „Da donnern 18 Meter lange Sattelzüge durch“, hatte er vor gut fünf Jahren der Heimatzeitung berichtet. Bis heute, sagt er, habe sich nichts an der Situation geändert. „Ich biete jedem Stadtrat an, dass er mal bei mir vorbeikommt und sich diesen Wahnsinn anschaut!“ Täglich zwischen 600 bis 1000 Autos würden bei ihm vorbeifahren, „mit den Schäden und dem Verkehr habe ich zu leben“!
Einem finalen Angebot der Stadt Dachau sieht er daher gelassen entgegen. „Ich mache es nicht mit“, kündigt er an – und nimmt daher CSU-Stadträtin Gertrud Schmidt-Podolskys Optimismus gleich mal jeden Wind aus den Segeln. Die hatte nämlich in der Sitzung noch erklärt, dass es gut sei, „dass es nun weitergeht“. Die Hoffnung, so Schmidt-Podolsky, „stirbt bekanntlich ja zuletzt“.
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