Wie die Dachauer Nachrichten helfen: Überlebender findet seine Lebensretterin dank Zeitungsartikel

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Gefunden dank der Dachauer Nachrichten: Hedwig Schneider (M.) ist die Lebensretterin von Vittorio Colombo. Monika Schmidberger (r.) und Maurizio Cornali waren 2016 monatelang auf der Suche nach ihr. Den grauen Schal hatte sie in der Nacht vergessen. © Archiv: Hab

Näher dran. Dafür stehen die Dachauer Nachrichten. Wir zeigen heute, am Tag des Lokaljournalismus, was unsere Arbeit bedeutet: Wir decken Missstände auf, bringen Menschen zusammen, helfen Notleidenden.

Dachau – Manchmal haben wir Lokaljournalisten das Glück, mit unseren Geschichten besondere Menschen zusammenzubringen. Oder dabei zu helfen, einen besonderen Menschen zu finden. So wie vor neun Jahren, als Vittorio Colombo die Frau suchte, der er sein Leben verdankte. Ein Rückblick auf die Geschichte von damals.

Im Sommer 2016 suchte Vittorio Colombo über die Dachauer Nachrichten seine Lebensretterin. Der damals 70-Jährige besuchte seinen Neffen in Dachau. Nach einem lustigen Abend im Gasthaus Pfeil mit Freunden und Familie klappte Vittorio Colombo auf dem Heimweg plötzlich zusammen. Er lag mitten auf der Fahrbahn und atmete nicht. Leute schrien: „Er hat keinen Puls mehr“, riefen den Rettungsdienst. In Monika Schmidbergers Kopf hämmerte nur ein Gedanke: „Wie erkläre ich das seiner Familie, dass er hier bei uns gestorben ist?“ Dann hielt plötzlich ein Auto. Am Steuer: Die Frau, die Vittorio Colombo (70) das Leben gerettet hat – und bei der er sich Monate lang nicht dafür bedanken konnte, denn: Er wusste nicht, wer die Frau war. Deshalb wandten sich seine Verwanden, sein Neffe Maurizio Cornali und dessen Frau Monika Schmidberger an die Dachauer Nachrichten, um sich auf die Suche nach der Lebensretterin zu machen.

Lebensretterin dank Dachauer Nachrichten gefunden

Hedwig Schneider staunte nicht schlecht, als sie am 15. Juni 2016 die lokale Titelseite der Dachauer Nachrichten aufschlug: Ein Mann sucht seine Lebensretterin. Alles, was er von ihr hat, ist ein grauer Schal. Hedwig Schneiders Schal. Denn sie war es, die dem Mann Mitte April das Leben gerettet hat. Erzählt hat sie damals aber niemandem, was in jener Nacht geschah.

Es ist Mitternacht, als Hedwig Schneider in jener Aprilnacht in Günding um eine Kurve fährt – und erschrickt: Etwa 15 Leute stehen mitten auf der Straße, wirken völlig aufgelöst. Hedwig Schneider weiß sofort: Da stimmt was nicht. Sie überlegt keine Sekunde, hält an, versucht rauszufinden, ob jemand Hilfe braucht. Da sieht sie Vittorio Colombo liegen. Leblos, ohne Puls, liegt der 70 Jahre alte Mann mitten auf der Fahrbahn. Schneider legt ihm ihren blauen Schal unter den Kopf. Die gelernte Krankenschwester beginnt sofort mit der Herzdruckmassage, merkt irgendwann: Der Mann hat wieder einen Puls.

Familie des Überlebenden trifft Lebensretterin in Dachau

Der Rettungsdienst trifft ein, Hedwig Schneider zieht sich zurück, lässt ihren Schal auf der Straße und fährt nach Hause. Dass sie in dieser Nacht wohl jemandem das Leben gerettet hat, behielt die herzliche blonde Frau für sich, bis sie den Suchaufruf in den Dachauer Nachrichten las. Endlich wusste sie: Der Mann hat überlebt. Sie meldete sich und traf die Familie in Dachau.

Der war doch eigentlich schon tot.

Vittorio Colombo war zu diesem Zeitpunkt bereits wieder in Italien. Die Dachauer griffen zum Telefon, riefen ihn über Lautsprecher an. Der alte Mann sprach schnell, laut kräftig, lachte viel und sagt mehrfach „Bella Donna“ (schöne Frau). „Der war doch eigentlich schon tot“, sagte Hedwig Schneider. Sie schüttelte ungläubig den Kopf, konnte nicht aufhören zu lächeln. „Und jetzt klingt er so voller Elan. Das ist unbeschreiblich schön.“ Colombos Familie weiß: Ohne Hedwig Schneider wäre der herzliche alte Mann nicht mehr in ihrer Mitte. Hedwig Schneider hat dem Mann nicht einfach das Leben gerettet, sie hat ihm eine zweite Chance geschenkt. Die Heimatzeitung hat ihm ermöglicht, dass er sich bei ihr dafür bedanken konnte.

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