„Ich wollte nie etwas anderes machen“: Ausnahmeschütze aus Landkreis Dachau spricht über seinen weltweiten Erfolg

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Eine Schützenfamilie durch und durch: Jonas, Susanne, Hannes und Simon Hirschvogel (v. l.) aus Unterzeitlbach. © sas

Welt- und Europameister und im Nationalteam. Der Ausnahmeschütze Hannes Hirschvogel von Alpenrose Unterzeitlbach ist seit seinem zwölften Lebensjahr ein begeisterter Schütze.

Unterzeitlbach – Hineingeschnuppert hat Hannes Hirschvogel im zarten Alter von zwölf Jahren bei der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft Weilheim, nahe seines Heimatorts Polling. „Der Opa hatte ein Gewehr und hat mich sozusagen zum Schießsport hingelenkt“, erinnert sich der 57-Jährige. „Wenn du groß bist, darfst du auch mitschießen“, habe es geheißen. Wenig später durfte Hannes in den Verein eintreten – und hatte schon bald einige Erfolge, 1982 beispielsweise beim ersten Rundenwettkampf.

Die Pokale standen einst sauber aufgereiht auf einem Brett über dem Bett zuhause in Polling. Doch irgendwie kam das Regal einmal in Schieflage, die Pokale kippten herunter. „Und da hätte mich der Ruhm fast erschlagen“, scherzt Hannes Hirschvogel. Die Eltern kauften ihm danach eine Vitrine.

Die Familie unterstützt seine Leidenschaft

Der junge Mann stellte sich schnell als echtes Talent heraus. 1988 ging es daher zu einem internationalen Juniorenturnier in die Schweiz. Dort lernte er Susanne Wimmer kennen, ebenfalls seit dem zwölften Lebensjahr eine sehr gute und ambitionierte Schützin beim Verein Alpenrose in Unterzeitlbach, ihrem Heimatort, und es hat sofort gefunkt. Nach siebenjähriger Fernbeziehung, wo man sich oft nur bei Lehrgängen und gemeinsamen Wettkämpfen sah, zog Hannes 1994 zu Susanne nach Unterzeitlbach, wurde Versuchstechniker bei Autoliv und trat ebenfalls bei der Alpenrose ein. Das ist sein Zweitverein. Weilheim blieb der Erstverein.

1995 wurde am Petersberg kirchlich geheiratet. Das Paar baute sich ein Haus und bekam zwei Söhne: Simon, 26, Versuchsingenieur bei BMW, und Jonas, 23, Techniker in Ausbildung. Auch die Söhne fanden schnell Gefallen am Schießsport und beendeten das Fußballspielen im Verein. „Man lernt Konzentration. Und wenn man es bei einem Wettkampf mit hohem Druck geschafft hat, durchzuhalten, macht einen das stolz“, sagt Simon. Beide Söhne sind mittlerweile aus dem Haus, kommen aber regelmäßig zum Training nach Unterzeitlbach. Jonas glaubt, dass er „nie an das Niveau des Vaters herankommen wird“. Aber die Freude am Schießen ist bei beiden groß.

Ausnahmeschütze ist weltweit erfolgreich

Zum ersten Mal Weltmeister wurde Hannes Hirschvogel 1990 in Moskau – mit dem Luftgewehr und mit der Mannschaft (Bild). Seine Mannschaftskameraden waren Hans Riederer, mehrfacher Olympiamedallien-Gewinner (links) und Mattias Stich (rechts).
Zum ersten Mal Weltmeister wurde Hannes Hirschvogel 1990 in Moskau – mit dem Luftgewehr und mit der Mannschaft (Bild). Seine Mannschaftskameraden waren Hans Riederer, mehrfacher Olympiamedallien-Gewinner (links) und Mattias Stich (rechts). © privat

Mit seinen Leistungen ist Hannes Hirschvogel weit herumgekommen: Er wurde Europa- und Weltmeister und war mit der Nationalmannschaft unter anderem in Los Angeles, Mexiko und in vielen europäischen Städten. Für die Wettkämpfe konnte Hirschvogel von der Arbeit freigestellt werden. Über viele Jahre gefördert von der Deutschen Sporthilfe, bezahlte diese jeweils den Verdienstausfall.

Ich wollte nie etwas anderes machen.

Seine Frau Susanne (53) schießt seit zwölf Jahren nicht mehr. Neben ihrer eigentlichen Arbeit als Koordinatorin für Schulbegleiter im Landkreis ist sie seit über zwei Jahren Mentaltrainerin beim Bayerischen Sportschützenbund (BSSB) und eine der Schriftführerinnen bei Alpenrose. Hirschvogel selbst wollte nach 40 Jahren, davon zehn Jahre in der Bundesliga, eigentlich mit den großen Rundenkämpfen aufhören. Doch ist die erste Mannschaft nun überraschend von der Bezirksoberliga in die Oberbayernliga Nord-Ost aufgestiegen. Und da braucht es fünf Schützen pro Mannschaft. Da ist „der alte Hase“ und einer der Sportleiter im Verein, unersetzlich. Aus der Nationalmannschaft ist Hirschvogel mittlerweile allerdings raus.

„Ich wollte nie etwas anderes machen“, sagt der Ausnahmeschütze, der früher im Urlaub regelrecht „Entzugserscheinungen“ hatte, wie er zugibt. Reisen, Radfahren und Musik sind die anderen Hobbys. Er und seine Frau wehren sich gegen das Image, in Schützenvereinen werde nur „geballert“. Man lerne Konzentration, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit mit dem Sportgerät und hat eine starke Gemeinschaft.

Die Hirschvogels haben durch die Karriere von Hannes nicht nur viel von der Welt gesehen und erlebt, sondern auch „viele tolle Leute kennengelernt“, wie Susanne Hirschvogel schwärmt. Sie zeigt auf die schicke Couch im Wohnzimmer. Die hat ein Polsterer gemacht, den sie in diesen Jahren kennengelernt haben. Man habe auch immer gewusst, über wen man an Delikatessen aus dem Norden herankommt. Kurz: „Das sind Freundschaften mit Bestand geworden.“

Sabine Schäfer

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