Der Bezirk steigt aus dem Zweckverband Dachauer Galerien und Museen aus: Der Traum vom Arbeits- und Industriemuseum ist ausgeträumt.
Dachau – Es war immer schon ein schöner, aber von Anfang an auch ein sehr teurer Traum. Jetzt ist klar: Der Traum ist ausgeträumt, es wird kein schickes, neues Museumsquartier auf dem eines fernen Tages schicken neuen Papierfabrik-Wohnviertel geben. Der Bezirk Oberbayern hat am Mittwoch verkündet, dass er aus dem Zweckverband Dachauer Galerien und Museen aussteigen will. Dem Museumsforum, das die bestehenden Einrichtungen Gemäldegalerie, Neue Galerie und Bezirksmuseum sowie ein neues Museum zur Arbeits- und Industriekultur in Oberbayern beherbergen sollte, fehlt damit der wichtigste Geldgeber.
Bezirk trat Zweckverband vor zwei Jahren bei
Wie berichtet, war der Bezirk dem Zweckverband vor knapp zwei Jahren beigetreten. Mit der Stadt und dem Landkreis, die bis dahin den Zweckverband führten, sollten die denkmalgeschützten Hallen des MD-Geländes aufwändig saniert und in das gewünschte Museumsforum umgebaut werden. Der Fahrplan sah vor, dass in einer sogenannten Phase 1 fünf Jahre lang jeweils 600 000 Euro in die Planung und Konzeption des Projekts fließen sollten. Mit Dr. Nina Möllers wurde dafür eigens eine Gründungsdirektorin eingestellt, die sich „gemeinsam mit einem interdisziplinären Aufbauteam um die konzeptionellen Grundlagen“ kümmern sollte. Diese Phase 1 wurde allein finanziert vom Bezirk Oberbayern.
Das Problem: Niemand wusste, wie es nach der Phase 1 weitergehen sollte. Bereits 2019 hatten kritische Stimmen mit Baukosten von mindestens 27 Millionen Euro für das Museumsforum gerechnet und bezweifelt, ob sich wirklich gut 40 000 Besucher, wie es der Zweckverband berechnet hatte, jedes Jahr dorthin locken lassen würden.
Sollen die Museen nun in der Altstadt bleiben?
Im Kreistag war es im vergangenen Jahr Sebastian Leiß (Freie Wähler Dachau), der gefragt hatte, ob das Museumsforum so ende wie das neue Landratsamt: „Wir geben Millionen Steuergelder für eine Planung aus, die nie umgesetzt wird?“ Und im Stadtrat war es unter anderem Wolfgang Moll, der fragte, wie realistisch eine Fortführung des Projekts nach der Phase 1 sei. Denn, zur Erinnerung: Sowohl die Stadt, als auch der Landkreis sind derzeit so klamm, dass sie über ihre Pflichtaufgaben hinaus für freiwillige Projekte – beispielsweise den Neubau eines Museums – schlicht kein Geld haben.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Das dem Zweckverband gehörende Bezirksmuseum ist sanierungsbedürftig. Auch die Gemäldesammlung bräuchte dringend ein zeitgemäßeres Ausstellungsformat. Wie Stadt und Landkreis nun allein, ohne den Bezirk Oberbayern als finanzstarken Partner, ihre bestehenden Galerien und Museen in die Zukunft führen wollen, werden die kommenden Monate zeigen.
Wobei der Bezirk, dies dürfte allen Beteiligten auch längst klar sein, auch vom allgemeinen Sparzwang betroffen ist. Waren in den vergangenen Jahren Museumsprojekte wie das Deutsche Hopfenmuseum Wolnzach oder das Freilichtmuseum Glentleiten noch drin, will man sich nun nur noch auf Pflichtaufgaben konzentrieren. In der Pressemitteilung vom Mittwoch wird es so formuliert: „Angesichts der sich verschärfenden kommunalen Haushaltslage sieht der Bezirk Oberbayern die Realisierung des neuen Museums in der geplanten Form kritisch, was insbesondere die umfangreichen baulichen Investitionen auf dem ehemaligen MD-Gelände am Rand der Dachauer Altstadt betrifft.“
Stadt und Landkreis müssen sich einig werden, wie es mit bestehenden Museen weitergeht
Gemeinsam mit Stadt und Landkreis soll nun ein „Fahrplan entwickelt“ werden, wie der Bezirk aus dem gemeinsamen Zweckverband aussteigt, und es sollen „Szenarien entworfen“ werden, wie der – auf seine ursprüngliche Größe geschrumpfte – Zweckverband alleine seine Galerien und Museen auf einen zeitgemäßen Stand bringt. Eine der zentralen Fragen dabei dürfte sein: Bleiben die bisherigen Einrichtungen in der Altstadt oder ziehen sie um aufs MD-Gelände, auch wenn es dort kein Arbeits- und Industriemuseum geben wird?
Im Stadtrat hatte Oberbürgermeister Florian Hartmann vor einigen Monaten diese schwierige Frage bereits kommen gesehen. Seine Antwort damals: „Wir werden wir uns tief in die Augen schauen und entscheiden müssen.“
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