Hans Glas ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Der Lehrer aus Leidenschaft begleitete Hunderte von Schüler am Josef-Effner-Gymnasium durch die Oberstufe.
Dachau – Er selbst bezeichnete es als „Glücksfall seines Lebens“, Oberstufenbetreuer am JEG sein zu dürfen. Für seine Schüler war er jedenfalls ein Glücksfall.
Er wusste den Namen von jedem Schüler, auch den ehemaligen
Er wusste jeden Namen von jedem Schüler, den er jemals unterrichtet hatte. Er kümmerte sich um jeden einzelnen, setzte sich für jeden ein, hatte für jeden ein offenes Ohr. Mit vielen Schülern hatte er lange nach deren Schulzeit noch Kontakt, und auch als er im Ruhestand war, kam er zu Klassentreffen, traf sich mit seinen früheren Schülern im Biergarten. Bis zum vergangenen Jahr, bis der Krebs ihn zu sehr schwächte. Vor einer Woche erlag er seinem Leiden.
Just remember, the death ist not the end. Denk dran, der Tod ist nicht das Ende. Diese Zeilen von Bob Dylan stehen in der Todesanzeige. „Die Musik und die Texte von Bob Dylan waren die Begleitmusik seines Lebens“, sagt Angelika Malluche, die 14 Jahre jüngere Schwester von Hans Glas. Die beiden Geschwister waren die letzten ihrer Familie und immer füreinander da. „Ich bin mit meinem Bruder zum Essen in Wirtschaften oder in den Biergarten gegangen, das hat er geliebt.“
Doch die Familie von Hans Glas: Das waren auch seine Schüler. Glas war „Lehrer aus Leidenschaft“, so hat es seine Schwester auch die Todesanzeige schreiben lassen.
Die eigentliche Berufsbezeichnung, Oberstudienrat, war ihm nicht wichtig, überhaupt habe er nie etwas auf Äußerlichkeiten, Geld, Prestige gegeben. Ihm ging es um den Menschen, und im Speziellen um die Schüler, „die alle wie seine Kinder waren“, sagt Angelika Malluche.
Glas wollte nie etwas anderes machen
Hans Glas wurde nämlich genau deswegen Lehrer: wegen des Umgangs mit jungen Menschen. „Ich wollte eigentlich nie etwas anderes machen“, so wird er in einem Artikel zitiert, der vor neun Jahren in den Dachauer Nachrichten erschien.
Bis 1977 hatte der gebürtige Aichacher fünf Jahre lang an der TU München Mathematik und Physik studiert, aus „Eitelkeit und Faulheit“ – es seien schon an der Schule seine besten Fächer gewesen. Weil Glas aber schon während des Studiums in der Jugendarbeit tätig war, entschied er sich für den Lehrerberuf: Nach dem Referendariat an Gymnasien in München und Pfaffenhofen wurde er am Dachauer Josef-Effner-Gymnasium festangestellt. Über 40 Jahre lang war er Oberstufenbetreuer am JEG. „Das war der Glücksfall meines Lebens, etwas Besseres hätte mir nicht passieren können“, sagte er damals.
Das Verhältnis von Hans Glas zu seinen Schülern war etwas Besonderes. Der Oberstufenbetreuer setzte sich für seine Schüler ein, half bei der komplizierten Notenberechnung in der Oberstufe, lief Schülern hinterher, wenn Unterlagen abgegeben werden mussten, gab Mathe-Nachhilfe am Nachmittag, stand immer mit einem Rat zur Seite – und das bekam er auch wieder von ihnen zurück. In seinem Zimmer in der Schule hingen Zeichnungen von Schülern, Fotos von Ausflügen, viele kleine Geschenke der unterschiedlichsten Art. Hans Glas hatte es sogar einmal bei einem bundesweiten Wettbewerb für den Lehrerpreis bis in die Endauswahl geschafft. Er selbst erzählte niemandem davon – bescheiden wie er war.
Kontakte auch nach der Pensionierung gehalten
Und nach seiner Pensionierung telefonierte er regelmäßig mit vielen seiner ehemaligen Schüler, traf sich mit ihnen, unternahm Bergwanderungen und Ausflüge. Viel Zeit widmete er auch seinem Garten in seinem Haus in Aichach, berichtet seine Schwester Angelika Malluche. „Bei der Gartenarbeit rezitierte er Gedichte, er kannte an die 200 Gedichte auswendig, Goethe, Schiller, Hölderlin, Fontane.“ Denn obwohl Hans Glas Naturwissenschaftler war, interessierte er sich sehr für Literatur.
Seit Weihnachten ging es ihrem Bruder nicht mehr gut, berichtet Malluche. Bis einen Tag vor seinem Tod konnte er noch zu Hause sein, was sein Wunsch war. Sein Tod am vergangenen Freitag, erklärt die Schwester, sei eine Erlösung gewesen.
Auf Wunsch des Verstorbenen findet die Urnenbeisetzung im engsten Familienkreis statt. Sonst würden vermutlich viele der früheren Schüler von Hans Glas kommen, um ihm das letzte Geleit zu geben.
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