Die energiegeladene Bio-Bäuerin

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Manche Küken lassen sich streicheln. Für einen funktionierenden Kreislauf gehören für die überzeugte Bio-Bäuerin Julia Graf Tiere auf einem Hof dazu, die dann aber auch geschlachtet werden müssen. © privat

Steinkirchen - Julia Graf aus Kögniung erzählt von ihrem Alltag auf dem Geflügelhof.

Es gibt Leute, deren Tage viel mehr als 24 Stunden zu haben scheinen. Dazu zählt auch Julia Graf. Die 41-Jährige betreibt zusammen mit ihrem Mann Michael (42) einen Bio-Geflügelhof in Kögning. Gerade ist Hochsaison. Enten und Gänse sind gefragt für das Weihnachstfest. Ebenso wie die über 40 Sorten Plätzchen, die die Landfrau „immer mal so zwischendurch“ backt.

Dafür, dass sie – nach eigener Aussage – nie heiraten und Bäuerin werden wollte, ging dann doch alles recht schnell. Als 19-Jährige brachte sie Sohn Philipp auf die Welt, fünf Jahre später folgte der heute 16-jährige Jonathan, kirchlich geheiratet wurde 2006.

Als blutjunge Frau zog sie vom elterlichen Hof in Notzing auf den Hof nach Kögning, der damals schon biozertifiziert war, allerdings mit Mutterkuh-Haltung. „Damit sich das lohnt, brauchst du 100 Kühe und wir sind ja nur ein kleiner Hof“, erklärt sie, also suchten sie damals nach neuen Möglichkeiten.

Die „Maschine“ im Schlachtraum

Ein Bioberater habe sie dann 2006 auf die Idee gebracht, Bio-Gänse zu mästen. „Da waren wir ein bisschen blauäugig, plötzlich hatten wir 400 Gänse ohne Absatzmöglichkeiten auf dem Hof“, erinnert sich Graf. Heute kann sie darüber lachen, damals musste schnell eine andere Lösung her, also stellten sie auf Bio-Geflügel um.

Heute beherbergen die Grafs bis zu 4800 Tiere in zwei geräumigen Ställen. Im Vormaststall sind die Küken untergebracht. Die Landwirtin klopft an die Tür, bevor sie diese öffnet: „Damit sie sich nicht erschrecken“, erklärt sie. Hunderte kleine süße Biberl wuseln umher, eines lässt sich hochnehmen und streicheln.

Gegenüber im Endmaststall kuscheln sich die rund ein bis drei Monate alten Hühner auf einem Haufen zusammen. „Es ist schon spät, deshalb haben sie sich hingelegt“, erläutert Graf. An den Stall angegliedert sind der Schlacht- und der Zerlegeraum. Drei Mal in der Woche schlachten die Grafs. Das meiste auf Bestellung, denn Hühnerfleisch muss stets ganz frisch sein. Laut ihrem Mann ist seine Frau Julia „die Maschine“ im Schlachtraum „Ja, bei mir muss es schnell gehen“, stimmt sie zu. Das Schlachten mache ihr nichts aus, „mein Opa war Metzger, ich bin in der Wurstküche aufgewachsen“. Überhaupt ist sie der Meinung, dass jeder, der mal ein Tier selbst geschlachtet hat, mehr Achtung vor dem Fleisch bekomme. „Vielen Menschen ist ja gar nicht mehr bewusst, wenn sie Fleisch essen, dass da ein Tier dahintersteckt. Ich versuche, kein Fleisch wegzuwerfen“, versichert sie.

Vielen Menschen ist ja gar nicht mehr bewusst, wenn sie Fleisch essen, dass da ein Tier dahintersteckt.

Deshalb trifft es sich gut, dass die Grafs neben der Vermarktung ihrer Hühner, Enten und Gänse auch noch Eingewecktes in ihr Warenangebot mit aufgenommen haben. Je nachdem, was am Ende der Woche nach den Marktverkäufen in Erding, Schwabing und Giesing an Fleisch übrigbleibt, wird das zu Bolognese, Curry, Schaschlik, Krautwickerl und gefüllten Paprika verarbeitet, in Gläser gefüllt und eingekocht.

Julia Grafs Woche beginnt am Montag um 4 Uhr morgens, da fährt sie vakuumiertes Fleisch zum Großhändler nach München. Um 8 Uhr ist sie wieder zurück in Kögning und da geht‘s dann direkt ins Schlachthaus. Je nach Bestellung werden die Hühner geschlachtet, gerupft, gesäubert, zerlegt, vakuumiert und in Kisten auf die Kunden aufgeteilt. Große Abnehmer wie Gaststätten werden beliefert, der Rest wird auf den Märkten verkauft. „Das liebt die Mama“, sagt der 16-jährige Jonathan. Seine Mutter stimmt zu: „Der Kontakt mit dem Kunden macht mir wirklich sehr viel Spaß.“

So viel Spaß, dass sie anfangs, wenn am Bauernmarkt in Erding die Ware ausging, am Wochenende direkt an die Kunden ausgeliefert hat. Irgendwann wurde das den Grafs zu viel und so kam die Idee mit dem Hofladen auf dem elterlichen Hof in Notzing auf. „Anfangs war es nur ein Kühlschrank, in den wir die Ware gelegt haben.“ Mittlerweile ist es ein schöner Hofladen mit einem großen Angebot. Neben Fleisch gibt es auch Eier, Nudeln, selbstgemachte Fruchtaufstriche und selbst gepresste Säfte.

Tiere gehören auf einen Hof

Für einen funktionierenden Kreislauf gehören für die überzeugte Bio-Bäuerin Tiere auf einem Hof dazu. „Wer frisst denn sonst das ganz Gras auf den Wiesen, wer legt die Eier, wer gibt die Milch für Butter, Sahne und Joghurt?“ Nur wenn Kälbchen geboren werden, kann die Kuh auch Milch geben. Deshalb sagt sie: „Ein konsequenter Vegetarier müsste in seinem Leben das Fleisch von drei Kühen gegessen haben.“ Auch wenn sich das absurd anhöre: Der Kreislauf funktioniere aktuell nur, weil viele Menschen zu viel Fleisch essen.

Neben all der vielen Arbeit nimmt sich Julia Graf auch Zeit für ein Wellness-Wochenende mit ihren Freundinnen. „Bei unserem Stress-Level muss das drin sein“, sagt ihr Mann Michael. „Ja, wir sind schon ein super Team“, bestätigt Julia Graf. Bis Heiligabend ist bei den Grafs Hochsaison, dann gibt es eine kurze Verschnaufpause, bis das Silvestergeschäft wieder im vollen Gange ist. An Weihnachten gibt es „das, was übriggeblieben ist – mal eine Ente, mal eine Gans“, sagt sie, begleitet von ihrem fröhlichen Lachen.

Eine Ente mit Glühweinsoße, ist das Rezept zum 1. Advent von Bäuerin Julia Graf.
Eine Ente mit Glühweinsoße, ist das Rezept zum 1. Advent von Bäuerin Julia Graf. © privat

Ente mit Glühweinsoße

Zutaten: 1 Ente ca. 2.5 kg, 1 EL Öl, 1 EL Hähnchengewürz, 1 Zwiebel, Lauch, 2 Karotten, 1 Scheibe Sellerie, 500 ml Hühnerbrühe, 250 ml Entenfond, 500 ml Glühwein.
Zubereitung: Öl mit Gewürz zu einer Marinade rühren, Ente waschen und mit Marinade einreiben, auf ein Backblech geben und ins Rohr bei 160 Grad schieben. Gemüse kleinschneiden und nach ca. 45 Minuten zur Ente auf das Backblech geben, mit Hühnerbrühe aufgießen und Ente nochmals mit Marinade einpinseln, nach 2 Stunden die Ente aus dem Rohr nehmen. Soße mit Sieb in einen Topf abgießen. Ente wieder ins Backrohr, zum knusprig werden mit etwas Puderzucker bestreuen oder Honig einpinseln. Glühwein und Entenfond in einem Topf erhitzen, etwas einkochen lassen etwas Entensoße beifügen. Nach Geschmack mit etwas Soßenbinder eindicken. Tipp: Bei Enten rechnet man pro kg 1 Stunde Bratzeit

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