Hilfe von Mensch zu Mensch

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Engagiertes Miteinander, soziales Füreinander: Die Tafel-Mitarbeiter (v.l.) Seppo Schmid, Gerlinde Wirth, Martin Strobl, Irene Zollner und Heike Kaupp. © Michaele Heske

Die Nachbarschaftshilfe Dorfen muss immer mehr Menschen unterstützen.

Dorfen – Die Nachbarschaftshilfe (NBH) Dorfen unterstützt auf vielfältige Weise. Zu Weihnachten sorgen die Helfer wieder mittels einer Wunschzettelaktion dafür, dass Bedürftige ein persönliches Präsent bekommen. „Wir suchen aber vor allem Zeitschenker“, sagt Seppo Schmid, der seit August dem Verein vorsteht. „Nachbarschaftshilfe, da denken alle sofort an die Tafel – aber wir sind viel mehr“, betont der Dorfener.

Auch in der Isenstadt gibt es Senioren, die keine Verwandte und Freunde in der Nähe haben. In der staaden Zeit grassiert die Einsamkeit. „Regelmäßige Besuche oder Spaziergänge im Stadtpark sind ganz besondere Geschenke“, wirbt Schmid ehrenamtliche Begleiter. Er weiß zudem von vielen Kranken, die es nicht alleine zum Arzt schaffen und auf Unterstützung angewiesen sind.

Betroffene in jeder Altersklasse

Immer mehr Kinder wünschen sich Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung. „Diese Hilfestellung organisiert Sabine Müller, eine der wichtigen Stützen der Nachbarschaftshilfe“, lobt der Vorsitzende.

Ob Rasenmähen oder Botengänge, der Bedarf ist groß. „Es gibt so viele verschiedene Tätigkeiten in der NBH“, da könne sich jeder einbringen, ergänzt Martin Strobl, neuer Einsatzleiter für die Dorfener Tafel. Im Kernteam arbeiten derzeit zwischen 30 und 40 Ehrenamtliche. Die meisten davon engagieren sich bei der Tafel.

Dorfen liegt im Speckgürtel von München. Die Mieten sind hoch, in den Familien fehlt oft Geld für das Nötigste. Viele Senioren leben am Existenzminimum, weil die Rente längst nicht mehr für den täglichen Bedarf reicht. Zudem steigt die Zahl der Geflüchteten kontinuierlich. „Inflation und speziell die hohen Energiekosten verschärfen die Lage“, sagt Schmid.

100 Haushalte werden von der Tafel versorgt, da hängen dann meist mehrere Personen dran. „Es gibt aber deutlich mehr Berechtigte“, weiß Strobl. Gerade ältere Leute darben lieber, statt sich in die Schlange der Bedürftigen einzureihen: „Scham muss aber nicht sein, jeder kann in Not geraten. Wer chronisch krank wird, hängt sehr schnell in der sozialen Abwärtsspirale.“

Truthähne in der Gefriertruhe

32,2 Tonnen überschüssige Lebensmittel sammeln die Helfer pro Jahr im Schnitt ein. Zu den Spendern gehören Discounter ebenso wie Eierlieferant Familie Genzinger oder die Käserei Jäger in Haag. Strobl zeigt auf eine große Kühltruhe, die neben dem Tresen steht. „Das Fleisch kommt aus einer Truthahn-Schlachterei in Ampfing“, freut er sich über den neuen Zulieferer, den er jüngst akquiriert hat.

Der Austausch mit anderen Tafeln im Umkreis hat sich unter seiner Regie entwickelt: „Die Wasserburger haben die Milchprodukte von Meggle an der Hand, die Mühldorfer Tomaten – von uns bekommen sie Mozzarella oder andere Lebensmittel.“ Längst reicht der Donnerstagvormittag nicht mehr aus, um die Fülle an Nahrungsmitteln abzuholen. „Wir haben da ein richtiges Tauschgeschäft etabliert“, freut sich Strobl.

Seit der Pandemie und dem Krieg in der Ukraine kommen deutlich mehr Leute zur Tafel, so die Beobachtung von Irene Zollner, die seit 2019 dabei ist. Je nach Schicht räumt sie am Donnerstagvormittag Lebensmittel in die Regale oder gibt nachmittags die Waren aus.

Auch Evelyne Gauster gehört seit gut zwei Jahren zum Team. Für die Dorfenerin ist es selbstverständlich, dass gerade an Weihnachten gute Sachen auf den Tisch der Kunden kommen und Geschenke für die Kinder unterm Christbaum liegen.

„Geben, das gehört bei uns zur Tradition“, betont Gauster die christlichen Werte. Das habe aber auch viel mit Wertschätzung zu tun, denn neben dem Lebensnotwendigen sollte man am Heiligen Abend auch Freude bescheren: „Das können Kleinigkeiten sein, wichtig ist nur: mit Liebe geschenkt.“

Aufruf zum Teilen und sich Mitteilen

Der anerkannte Helferkreis, den Freyja Brönnle als Fachkraft ehrenamtlich betreut, gehört ebenfalls zum Angebot der Dorfener NBH. Das ist eine Gruppe von geschulten Laien, die Menschen ab Pflegegrad 1 stundenweise im häuslichen Bereich betreuen, sich auch um Demenzkranke kümmern.

Neben Spenden wünscht sich Schmid, dass die Leute „mehr teilen, sich zudem mitteilen. Es geht ja auch um Teilhabe“, verweist der Vorsitzende beispielsweise auf das „Kleine Café“ (nächster Termin: 6. Dezember um 14 Uhr in den Räumen an der Haager Straße). Oder auch den Seniorenmittagstisch im evangelischen Gemeindehaus am 12. Dezember um 11.30 Uhr, beides Angebote der NBH Dorfen. „Wir schenken Hilfe von Mensch zu Mensch – nicht nur zur Weihnachtszeit.“

Licht in die Herzen

Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt unverschuldet in Not geratene Bürger im Landkreis. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17 111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern. IBAN: DE54 7005 1995 0000 0171 11. Ab 300 Euro werden auf Wunsch Spendenquittungen ausgestellt. Dies vermerken Sie bitte auf dem Überweisungsträger. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer dies nicht wünscht, vermerkt es bitte ebenfalls. 

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