Heiß auf Dubai-Schokolade

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Hat mittlerweile wieder Dubai-Pralinen, aber wartet auf bestellte Dubai-Tafeln: Tamara Reich-Haas vom SchokoOh am Schönen Turm. © KATHRIN KAPFER

Auch in Erding erleben Geschäfte einen Kundenansturm auf die Schokoladensorte, die im Netz viral ging.

Erding – Sie ist süß, knusprig und buchstäblich in aller Munde – oder besser: fast jeder will sie im Moment dort haben. Die sogenannte Dubai-Schokolade ist derzeit die wohl begehrteste Süßware in Deutschland. Auch der Erdinger Schokoladenfachhandel, ein Kiosk und ein Supermarkt sind auf den Trend aufgesprungen und bieten die Schokolade mit der Füllung aus Pistaziencreme, Sesammus und feinen Teigfäden, auch Engelshaar genannt, an. Allerdings übersteigt die Nachfrage das Angebot bei weitem, sodass zumindest in den Fachgeschäften Wartelisten geführt werden.

Gelüste in der Schwangerschaft

„So etwas gab für ein bestimmtes Produkt noch nie“, sagt Tamara Reich-Haas, Inhaberin von SchokoOh am Schönen Turm. Im Laden der 56-Jährigen fragen die Kunden seit Oktober nach der Schokolade, deren Originalversion Sarah Hamouda, Chefin der Schokoladenmanufaktur „Fix Dessert Chocolatier“ bereits 2021 in Dubai kreierte, um ihre Heißhungergelüste während der Schwangerschaft zu stillen – diese Geschichte erzählen mehrere Quellen unabhängig voneinander, unter anderem der Westdeutsche Rundfunk. Eine Food-Influencerin trat dann via Tiktok-Video die Welle los. 

Wie das Original schmeckt, weiß in Erding niemand, auch die Expertinnen nicht. In den Sozialen Netzwerken kursieren zwar vielerlei Rezepte, diese seien aber nur für den Hausgebrauch geeignet, so Kerstin Franz-Mayer (58), Inhaberin von Franz Kontor für Schokolade und Tee, in Erding. Professionelle Manufakturen mussten viel experimentieren, um mit den vorgegebenen Zutaten ein Produkt zu kreieren, für das auch ein seriöses Mindesthaltbarkeitsdatum ausgewiesen werden könne, wie Franz-Mayer erläutert. Und: „Für mich ist letztendlich die Qualität entscheidend. Von allen Produkten, die ich im Laden verkaufe, kenne ich die Quelle, ich weiß, mit welchen Rohstoffen die Hersteller arbeiten und setze außerdem auf hochwertige handwerkliche Verarbeitung. Und diesen Qualitätsansatz wird auch kein noch so großer Trend aushebeln.“

Deshalb bot sie in ihrem Geschäft die ersten Dubai-Pralinen leicht zeitverzögert an – und mit einer gewissen Vorsicht. Die fünf Kilogramm Pralinen, das entspricht etwa 400 Stück, seien dann aber in wenigen Tagen ausverkauft gewesen. Für die Schokoladentafeln desselben Herstellers gab es von Anfang an Wartelisten. Der Pralinennachschub soll nächste Woche eintreffen, Tafeln wird es wieder Mitte Dezember, also noch rechtzeitig vor Weihnachten geben.

Auch bei SchokoOh wird es keine der Tafeln, die laut Lieferant in der Kalenderwoche 51 geliefert werden sollen, in den freien Verkauf schaffen, berichtet Reich-Haas. Bei den Pralinen gibt es mittlerweile Nachschub. Einer ihrer „bewährten Händler“ belieferte sie am Mittwoch mit neuer Ware.

Sieht auch die Kehrseite des verrückten Trends: Kerstin Franz von Franz Kontor für Schokolade und Tee am Mühlgraben.
Sieht auch die Kehrseite des verrückten Trends: Kerstin Franz-Mayer von Franz Kontor für Schokolade und Tee am Mühlgraben mit der begehrten Schokolade. Sie bekommt vor Weihnachten die nächste Lieferung. © KATHRIN KAPFER

„Schokolade wird zum Luxusprodukt“

Und wie schmecken sie den Kunden? Viele seien begeistert gewesen, anderen seien sie zu süß, so Reich-Haas. Wie gut die jeweilige Variante schmeckt, liege an den Zutaten und deren Verarbeitung, weiß Franz-Mayer. Während ihre Mitbewerberin die Nachfrage nach dem „spannenden Produkt“ gerne bedient, sieht Franz-Mayer den Trend auch skeptisch. Vor allem, was die Preisentwicklung betrifft, die gerne damit begründet wird, dass der Rohstoff, wie in diesem Fall zum Beispiel die Pistazien, nicht in ausreichender Menge verfügbar sei. Das entspreche oft nicht den Tatsachen im Markt, so die Schokoladenfachfrau. Letztendlich würden die Preise durch künstliche Verknappung in die Höhe getrieben.

Auf diese Weise werden Lebensmittel zu Spekulationsobjekten. Wie im Fall vom Rohstoff Kakao, der an der Börse gehandelt wird. Hier stieg der Kakaopreis, im letzten Jahr um das Dreifache, in den letzten drei Jahren um das Fünffache, und das habe letztlich zwei Konsequenzen: „Kleine Manufakturen und Händler können diese Preise nicht einfach an die Kunden weitergeben und gehen kaputt. Und Schokolade wird bei dieser Entwicklung irgendwann zum Luxusgut.“

Bei der Dubai-Schokolade gilt das schon jetzt. Die Pralinen kosten zwischen zwei und 3,45 Euro das Stück, die Tafeln je nach Gewicht von knapp 10 bis an die 20 Euro. Für 15 Euro bietet Deniz Ardak (22), Inhaber des Kiosk 435 an der Dorfener Straße, eine direkt aus Dubai importierte Tafel an. „Die originale ist es nicht, aber auch die schmeckt sehr gut“, so Ardak. Einem Trend auf Tiktok zu folgen, ist für ihn keine Ausnahme, sondern seine Geschäftsidee.

Das Objekt der Begierde: Schokolade mit einer Füllung aus Pistaziencreme, Engelshaar und Sesammus, hier als Dubai-Praline.
Das Objekt der Begierde: Schokolade mit einer Füllung aus Pistaziencreme, Engelshaar und Sesammus, hier als Dubai-Praline. © ANNETTE PLASA/FRANZ

Kioskware in Tik-Tok-Taktung

Nur kauften diesmal nicht nur junge Kunden seine Waren. Auch Ältere, die ihre Post bei ihm abgeben, würden jetzt auch nach der Dubai-Schokolade fragen. Er hat sie seit rund drei Monaten in seinem Kiosk-Sortiment, die nächste Lieferung sei schon auf dem Weg. Ab dem 4. Dezember wird es auch in der Confiserie Dengel in der Langen Zeile Dubai-Schokolade geben, für rund 18 Euro. Lidl bringt laut dem Magazin „Lebensmittelpraxis“ Mitte Dezember eine Dubai-Schokolade auf den Markt, in limitierter Auflage von 10 000 Stück.

Einige Lieferanten im Manufaktur-Sektor verwehren sich dem Dubai-Trend, wie Reich-Haas ergänzt. Manche, weil sie im Weihnachtsgeschäft die Herstellung eines zusätzlichen aufwändigen Produktes gar nicht abbilden könnten. Andere lehnen das Produkt schon wegen des Namens ab: Eine Händlerin sagte gegenüber Reich-Haas, dass sie nichts von Dubai halte und ablehne, was dort passiere. Da kann einem der Appetit auf die orientalische Süßigkeit tatsächlich vergehen.

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