Der Landkreis plant eine Stiftung für Kultur, die auf Zustiftungen von Bürgern, Mäzenen und Sponsoren angewiesen ist. Die Stiftung soll als zentrales Förderinstrument dienen und zielgenaue Spenden ermöglichen.
Landkreis – Nicht nur Privathaushalte und Gemeinden müssen den Gürtel enger schnallen, auch die Spielräume im Haushalt des Landkreises sind knapp bemessen. Die Kulturförderung als freiwillige Leistung will der Landkreis deshalb zwar nicht einschränken. Ergänzend soll nun aber eine Stiftung für Kultur geschaffen werden, über die zusätzliche Spenden zentral verteilt werden. Diesem Vorschlag, den Kreiskämmerer Gerhard de Biasio jetzt in einem ersten Entwurf im Kreistag vorgestellt hat, stimmten die Mitglieder in ihrer jüngsten Sitzung zu.
Nach dem Plan des Kreiskämmerers würde der Landkreis darin als Gründungsstifter auftreten, selbst aber keine Mittel in die Stiftung einbringen. Vielmehr wäre das Konstrukt auf Zustiftungen von Bürgern, Mäzenen und Sponsoren angewiesen. „Die Stiftung dient als zentrales Förderinstrument in allen Bereichen unseres kulturellen Lebens und unserer Kulturgüter und ermöglicht ziel- und projektgenaue Spenden und Förderungen“, heißt es in der zugehörigen Ausarbeitung für den Kreistag. Im März vergangenen Jahres hatte Kreisbaumeister Christian Boiger die Idee dem Kreistag bereits präsentiert.
Die Plattform soll für diesen Zweck als Hybridstiftung gegründet werden. Anders als bei einer klassischen Stiftung, bei der nur die Überschüsse des Stiftungsvermögens ausgeschüttet werden, können in dieser Form bis zu 90 Prozent der gestifteten Beträge als Verbrauchsvermögen an die Begünstigten ausgeschüttet werden. Mindestens zehn Prozent bleiben im Stiftungsvermögen, wodurch sich auch dieser Grundstock langfristig vermehrt.
Landkreis will Kulturförderung weiter direkt auszahlen
Die bisherige Kulturförderung des Landkreises, die etwa an den Verein Kulturvision fließt, soll jedoch – „so lange wir es uns leisten können“ – weiterhin unmittelbar ausgeschüttet werden und nicht über die Stiftung fließen, damit die vollen 100 Prozent ankommen, erklärte de Biasio.
Verwalten soll die Stiftung ein Treuhänder. Angedacht hat der Kreiskämmerer dafür eine Gründung als Unterstiftung bei der DT Deutsche Stiftungstreuhand AG, bei der auch die Stiftung für das Schülerforschungszentrum angesiedelt ist. Über die Verteilung der Gelder soll künftig ein Stiftungsrat entscheiden, der durch den Kreistag bestellt werden müsste. Mitarbeiter des Landratsamts, aber auch Kulturschaffende, die als potenziell Begünstigte befangen sein könnten, sollten darin nicht vertreten sein.
In den Reihen der Kreisräte fand der Vorschlag großen Anklang. Ulrike Küster (Grüne) hob als positiv hervor, dass sich der Landkreis trotzdem nicht aus der Verpflichtung nehme, weiterhin Kultur zu fördern. Ob die Unterstiftung auch bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz angesiedelt werden könnte, wie von Küster vorgeschlagen, will de Biasio prüfen.
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Wichtig war allen Beteiligten jedoch, zu betonen, dass der Zweck der Stiftung möglichst weit gefasst werden sollte, um nach Möglichkeit Kultur aller Art fördern zu können. „Kultur soll umfassend abgedeckt sein“, erklärte Landrat Olaf von Löwis (CSU).
Auch Elisabeth Dasch (SPD) freute sich, dass der Zweck weit gefasst werden soll. Vizelandrat Jens Zangenfeind (FWG) ergänzte: „Der Zweck ist das Herz des Ganzen.“ Nun gehe es darum, das Herz mit Blut zu füllen. Diesen Arbeitsauftrag erteilte das Gremium einstimmig: Die Kreisräte beauftragten die Verwaltung des Landratsamts, weitere Details und einen Satzungsentwurf auszuarbeiten. Danach wird das Thema erneut behandelt. nap