Der Landkreis plant die Gründung einer Stiftung, die eine zielgerichtete Förderung im Kulturbereich ermöglichen soll. Das Potenzial an Spendern sei vorhanden, hieß es im Kreistag.
Landkreis – „Wir haben ganz viele Kulturschätze im Landkreis“, weiß Kreisbaumeister Christian Boiger, „und viele zahlungskräftige Leute, die zu einem finanziellen Engagement bereit sein.“ Beide Seiten zusammenzubringen, das ist das Ziel einer Kulturstiftung, die der Landkreis ins Leben rufen möchte. Im Kreistag stellte Boiger die Idee jetzt vor.
„Es ist kein Beschluss fällig, es geht nur um die Information“, schickte Landrat Olaf von Löwis (CSU) voraus. „Wir wollen der Idee eine Chance geben.“ Der Anstoß sei auch nicht vom Landkreis gekommen, das Ganze erwachse vielmehr aus dem Bedürfnis der Kulturschaffenden und potenziellen Förderer. „Wir wollen nur der Geburtshelfer sein“, betonte er.
Gliederung in drei Bereiche
Geplant ist eine fachbereichsübergreifende Kulturstiftung, die es öffentlichen und privaten Förderern und Spendern ermöglicht, konkrete Projekte zielgenau zu unterstützen. Eingerichtet werden soll sie unter dem Dach des Stiftungsverbands der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee. Boiger kann sich eine Gliederung in drei Bereiche vorstellen: Baukultur und Denkmalpflege, Landschaftsbild und Naturschutz sowie Kunst, Brauchtum, Musik und Theater. „Es geht also um das gesamte Kulturerbe und die Kulturschätze des Landkreises“, sagte der Kreisbaumeister und führte den Kreisräten anhand von Beispielen mögliche förderungswürdige Projekte vor Augen. Die Palette reichte von kulturgeschichtlich bedeutsamen Kapellen über die Wandelhalle in Bad Wiessee und die Abtgemälde in Tegernsee bis hin zu schützenswerten Almwiesen oder Veranstaltungen wie Leonhardifahrten oder Theateraufführungen.
„Die gesamte Kunst und Kultur leidet darunter, dass die Förderung immer weniger wird“, wusste Boiger. „Andererseits gibt es in unserem Landkreis unzählige zahlungskräfte Leute, die konkret Maßnahmen unterstützen würden.“ Ziel der Stiftung sei es, Gelder zu erschließen, „die wir nicht haben, die aber vorhanden sind“. Der Landkreis selbst habe davon keinen finanziellen Nutzen, die Spenden würden compliancegerecht weitervermittelt. „Es dürfen keine Abhängigkeiten entstehen“, betonte der Landrat. Bei der Besetzung des Stiftungsrats werde man deshalb auf eine saubere, klare Trennung achten. Etwaige Spenden sollen keine Gefälligkeiten nach sich ziehen. Die Abgrenzung zur Politik war aus Gründen des Selbstschutzes auch CSU-Fraktionssprecher Christian Köck wichtig. „Wir sind oft mit heiklen Entscheidungen konfrontiert“, sagte der Rottacher Bürgermeister – und ergänzte mit Blick auf die Sparkassenaffäre: „Wir haben hier eine Historie.“
Braucht es den Bereich Landschaftsbild und Naturschutz?
Grundsätzlich gefiel den Kreisräten die Idee einer Stiftung, allerdings kamen sogleich Einwände und Bedenken. So sahen Anastasia Stadler und Brigitta Regauer (beide CSU) keine Notwendigkeit, Projekte im Bereich Landschaftsbild und Naturschutz zu unterstützen. Hier gebe es schließlich genug andere Fördertöpfe und staatliche Mittel, wie auch Robert Wiechmann (Grüne) bestätigte. Man dürfe keine doppelten Strukturen schaffen.
Die Spender legen fest, welches Projekt sie unterstützen
Boiger und Löwis bemühten sich zu erklären, dass die Stiftung lediglich ein Angebot sei. Niemand müsse sich verpflichtet fühlen. „Sie gibt Leuten die Möglichkeit, zielgerichtet zu spenden. Die Spender legen fest, welches Projekt sie unterstützen“, erklärte Löwis. „Und wer nichts beantragt, bekommt auch nichts.“ Kreiskämmerer Gerhard de Biasio untermauerte das: „Landschaft ist auch Kultur. Je weitreichender der Stiftungszweck, desto besser.“
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FW-Fraktionssprecher Martin Rosenberger hielt eine Kulturstiftung ebenso wie seine Kollegen Thomas Tomaschek (Grüne) und Olaf Fries (ÖDP) für eine gute Idee – und untermauerte es mit einem Beispiel. Denn Boiger hatte in seiner Präsentation als Beispiel auch eine Hofkapelle in Geitau gezeigt. „Das ist unsere“, sagte Rosenberger. „Sie ist von unschätzbarem Wert und gehört hergerichtet.“ Die Familie könne das allein nicht stemmen und habe keinen Nutzen davon. „Es soll“, so Rosenberger, „aber weitergehen.“