Nach dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche fürchten Landwirte weitreichende Auswirkungen. Den Miesbacher Zuchtverband trifft es schon jetzt: Aktuell ist kein Tierexport möglich.
Miesbach – In so gut wie jedem Bericht zum Großviehmarkt in der Oberlandhalle taucht ein niederländisches Unternehmen auf: der Veehandel Kuenen aus Zelhem in der Provinz Gelderland. Ein wichtiger Stammkunde für den Zuchtverband Miesbach, der bei jedem seiner Besuche etliches Fleckvieh kauft, um es dann in Holland weiter zu vermarkten. Doch beim ersten Großviehmarkt des neuen Jahres, der am heutigen Mittwoch in der Oberlandhalle stattfindet, wird Kuenen nicht mit dabei sein. Und auch einige andere internationale Kunden. Der Grund: Wegen des ersten Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in Deutschland seit 1988 gilt hier aktuell ein Exportverbot. Das trifft auch den Miesbacher Zuchtverband, obwohl sich die Krankheitsfälle bis dato auf einen einzigen Betrieb in Brandenburg beschränken. Mit welchen Auswirkungen der Zuchtverband Miesbach deshalb zu kämpfen hat und worauf man sich einstellt, haben wir Geschäftsführer Josef Günthner im Interview gefragt.
Herr Günthner, wie wichtig ist das Auslandsgeschäft für den Zuchtverband Miesbach?
Es ist im Laufe der Jahre immer bedeutsamer geworden. Bei den Großviehmärkten geht mittlerweile im Schnitt ein Drittel der verkauften Tiere ins Ausland, vor allem in die Niederlande und nach Südtirol. Bei den Kälbermärkten ist der Exportanteil deutlich niedriger und auf die weiblichen Tiere beschränkt.
Es wird also zu Einbußen durch die Maul- und Klauenseuche kommen?
Darauf müssen wir uns einstellen. Fakt ist, dass nach aktueller Rechtslage ein einzelner Ausbruch reicht, um ganz Deutschland als Seuchengebiet zu erklären. Damit dürfen bundesweit keine Tiere ins Ausland exportiert werden. Die erforderlichen Papiere werden nicht ausgestellt.
Können Sie schon absehen, wie lange diese Situation anhalten wird?
Nein. Zumindest sind seit dem Ausbruch in Brandenburg keine weiteren Fälle aufgetreten, was ich schon mal als gutes Zeichen werten würde. Darüber hinaus hoffen wir, dass sich die Politik für eine Regelung auf Länderebene verständigt. Dann würde Bayern als seuchenfrei gelten, und wir könnten wieder exportieren.
Wie groß ist die Verunsicherung bei den Betrieben im Einzugsgebiet des Zuchtverbands?
Eine gewisse Nervosität ist auf jeden Fall spürbar. Wir erhalten gehäuft Nachfragen zu dem Thema. Von Torschlusspanik würde ich aber keinesfalls sprechen wollen. Ich hoffe, dass es auch gar nicht so weit kommt.
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Gibt es trotzdem eine Art Notfallplan?
Das ist Sache des Veterinäramts und der Regierung. Auf dieser Ebene wird bei einem Ausbruch über die Anordnung von Sperrzonen entschieden. Wir können uns darauf nicht vorbereiten, sondern nur reagieren.
Wie war es denn 1988?
Ich selbst war da noch nicht auf der Welt. Aus Erzählungen weiß ich aber, dass es eine turbulente Zeit war. Und es hat sehr lange gedauert, bis wieder ein Export möglich war. Durch die seitdem stark veränderte Marktstruktur mit einem deutlich höheren Anteil des Auslandsgeschäfts wären die Folgen heute wohl noch deutlich schlimmer. Ich bin aber guter Dinge, dass die Lage in Brandenburg im Griff ist und hoffe, dass es sich schnell wieder entspannt.