Wie Rehe die Wälder im Landkreis gefährden

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Bei der Waldbegehung in Wiedenzhausen erläuterten Marc Koch, Bereichsleiter Forst (links) und Försterin Katharina Nauderer (rechts) die Vorgehensweise beim Verbissgutachten. Michael Lechner, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung, Michael Schön, Jagd-Sachbearbeiter, Clemens von Trebra-Lindenau,Kreisjagdberater und Georg Bichler, Kreisjagdberater und örtlicher Jagdpächter (von links) gaben ihre Einschätzung zur aktuellen Situation ab. © Norbert Habschied

Rehe schädigen die Waldgesundheit, indem sie junge Bäume verbeißen. Ein aufwendiges Verbissgutachten soll nun den Abschuss im Landkreis für die nächsten drei Jahre festlegen.

Landkreis – Ausgestattet mit Wäscheklammern, Meterstab und Laptop betritt Försterin Katharina Nauderer den Forst in Wiedenzhausen. Täglich ist sie derzeit in den Wäldern des Landkreises unterwegs, um festzustellen, wo und wie oft junge Bäume von Rehen und anderen Wildtieren angeknabbert – im Fachjargon verbissen – wurden. Diese Verjüngungsinventur wird bayernweit alle drei Jahre nach einem exakten statistischen Verfahren durchgeführt. So kann ein Überblick über den Zustand und das Wachstum der Wälder gewonnen werden. Eines schon mal vorweg: Der Verbiss hat im Landkreis enorm zugenommen.

Um den betroffenen Jägern und Waldbesitzern das Aufnahmeverfahren näher zu bringen, luden Revierleiterin Nauderer und Marc Koch, Bereichsleiter Forst am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), kürzlich Grundbesitzer sowie Vertreter aus dem Bereich Wald und Jagd in einen Wald bei Wiedenzhausen ein.

Einheitliches Verfahren zur Messung des Verbisses

„In allen sieben Hegegemeinschaften des Landkreises wird nach dem gleichen Verfahren gemessen“, erklärt Koch. Eine Hegegemeinschaft ist ein Zusammenschluss mehrerer benachbarter Reviere. In den insgesamt 102 Revieren sind die Messpunkte im ganzen Landkreis nach einem Raster in bestimmten Abständen festgelegt. „Wir suchen also nicht einfach nach Verbiss im Wald, sondern arbeiten mit einem gut ausgereiften, statistischen Verfahren“, erklärt der AELF-Bereichsleiter.

Fällt ein Wald in das Raster, muss Försterin Katharina Nauderer 30 bis 40 geeignete Messpunkte finden, an denen die Verjüngung sichtbar wird. „Dann markieren wir auf einer Strecke von 40 bis 100 Metern fünf Stichprobenpunkte mit Fluchtstäben“, erklärt sie. An jedem der fünf Punkte werden dann 15 Einzelbäume in der Größe zwischen 20 Zentimeter und 1,30 Meter mit Wäscheklammern markiert und auf Verbissschäden untersucht. Zusätzlich werden fünf Triebe aufgenommen, die bereits über die Verbisshöhe hinaus gewachsen sind.

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„Rehe fressen besonders gerne die Triebe von Tannen oder Laubbäumen“, erklärt Nauderer. Das ist gerade deshalb problematisch, weil es aufgrund des Klimawandels wichtig ist, die Wälder umzubauen. Weg von den Fichtenwäldern, hin zu widerstandsfähigeren und klimafreundlicheren Bäumen, beispielsweise Tannen und Laubbäume. Voraussetzung für die Verjüngung ist also ein niedriger Verbiss. „Denn verbissene Triebe wachsen entweder gar nicht, zu langsam oder schief“, erklärt die Försterin.

Abschussstrategie zur Reduzierung des Wildverbisses

Die Daten der aufwändigen Inventur fließen in das sogenannte Forstliche Gutachten des AELF für die Jahre 2025 bis 2027 ein. Auf Basis dieses Gutachtens erstellt Michael Schön, Jagdberater am Landratsamt Dachau, dann die Abschussplanung für das Rehwild für die nächsten drei Jahre. „Wenn der Verbiss zunimmt, muss auch der Abschuss steigen“, erklärt Schön. Rund 3000 Rehe wurden allein im vergangenen Jahr auf 50 000 Hektar im Landkreis erlegt – Tendenz steigend.

In den Wäldern des Landkreises wachsen viele solcher jungen Triebe. In einem aufwendigen Verfahren dokumentiert Katharina Nauderer derzeit den Verbiss der Bäume.
In den Wäldern des Landkreises wachsen viele solcher jungen Triebe. In einem aufwendigen Verfahren dokumentiert Katharina Nauderer derzeit den Verbiss der Bäume. © Norbert Habschied

„Doch trotz der hohen Abschusszahlen hat der Wildverbiss in den sieben Hegegemeinschaften weiter enorm zugenommen“, erklärt Clemens von Trebra-Lindenau, Kreisjagdberater im Landkreis Dachau. Für ihn wäre es daher wichtig, dass sich Jagdgenossenschaften, Waldbesitzer und Behörden intensiver mit den Ursachen auseinandersetzen und über eine mögliche Bejagungsstrategie beraten.

Wie diese Strategie aussehen könnte, ist für Michael Lechner, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung, klar: „Eigentlich müsste man jetzt fünf Jahre lang den Abschuss massiv erhöhen, um die Verjüngung in den Wäldern zu verbessern.“ Denn in einem sind sich alle Beteiligten einig: Verjüngungsflächen einzuzäunen und so vor Wildverbiss zu schützen, ist keine Lösung. Das sei zu teuer und führe nur dazu, dass der Verbiss auf den Nebenflächen weiter zunehme, meint Lechner.

Verjüngungsinventur im Fokus: Auf der Suche nach Ursachen und Lösungen

„Es wäre aber falsch, nur auf den Verbiss zu schauen. Man muss auch nach anderen Gründen für das Ausbleiben der Verjüngung suchen“, meint Georg Bichler, Kreisjagdberater und örtlicher Jagdpächter. Dazu gehöre zum Beispiel mangelnde Lichtdurchlässigkeit in Fichtenwäldern oder ungeeignete Böden und zu dichtes Wachstum. „Gerade deshalb ist es wichtig, dass alle Seiten miteinander reden. Wir müssen es gemeinsam schaffen, dass der Wald wachsen kann“, sagt Marc Koch.

Die Aufnahmen für die Verjüngungsinventur von Försterin Katharina Nauderer laufen derzeit noch, die Ergebnisse werden Anfang Juli veröffentlicht. Dann wird sich zeigen, ob in den nächsten Jahren noch mehr Rehe im Landkreis Dachau abgeschossen werden.

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