Der „Steuerungsverbund psychische Gesundheit“ will auf das Thema Demenz aufmerksam machen. Am Markt vor der Loisachhalle findet deshalb eine besondere Aktion statt.
Wolfratshausen – Demenz – eine Krankheit, über die viel zu wenig gesprochen, die viel zu wenig wahr genommen wird. Der „Steuerungsverbund psychische Gesundheit“, ein Zusammenschluss regionaler Einrichtungen der Sozialpsychiatrie aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, will in der Bayerischen Woche der Demenz auf dieses Thema aufmerksam machen. Gabi Strauhal von der Alzheimer Gesellschaft Isar-Loisachtal ist eine dieser Akteure, die am Freitag, 20. September, in Wolfratshausen am Markt vor der Loisachhalle eine besondere Aktion starten.
Ende des Jahres 2023 lebten in Deutschland etwa 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, rund eine halbe Million von Senioren über 65 erkrankten hierbei neu. Die Tendenz ist nach wie vor steigend. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft schätzt, dass es bis zum Jahr 2050 bis zu 2,7 Millionen Erkrankte über 65 Jahren sein werden, falls bis dahin kein Durchbruch bezüglich Prävention oder Therapie erfolgt ist. Denn bislang gilt Demenz als nicht heilbar.
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Doch Infostände, so Strauhals Erfahrung, werden eher spärlich besucht. „Dabei ist der Bedarf an Beratung immens.“ Denn sowohl Betroffene als auch deren Angehörige sehen sich immer wieder mit Situationen konfrontiert, die für beide Seiten alles andere als alltäglich sind, beispielsweise, wenn die Orientierung oder die Fähigkeit, sich zu artikulieren immer mehr abnimmt. Aktivitäten, die früher als Selbstverständlichkeit galten, werden durch die kognitiven Einbußen immer weiter beeinträchtigt.
Demenz verändert das ganze Leben
„Eine Demenzerkrankung ändert das Leben grundlegend. Es bedeutet für beide Seite eine Herausforderung, der man mit Verständnis, Mitgefühl, Akzeptanz und Respekt begegnen soll.“ Denn der an Demenz Erkrankte hat nach wie vor die gleichen Bedürfnisse nach Normalität und Sicherheit wie jedermann. Und: „Sie wollen genauso soziale Teilhabe erleben wie wir alle.“ Auch deshalb ist das Motto des diesjährigen Weltalzheimertages „Demenz – Gemeinsam. Mutig. Leben.“
Die Akteure planen, sich mit Stühlen mitten in die Öffentlichkeit zu setzten. „In der Hand haben wir eine übergroße Zeitung mit verschiedenen Statements“, so Strauhal. „Diese sollen zum Nachdenken anregen, aufrütteln, sensibilisieren, herausfordern – vor allem aber zu Gesprächen anregen.“ Auf die Idee, einmal so zu versuchen, Kontakt aufzunehmen, kam von Claudia König-Heinle von der Seniorenhilfe Oberland. „Sie hatte davon irgendwo einmal gehört – und wir waren sofort begeistert.“
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Zu Fünft oder Sechst wollen die Akteure sich ab 10 Uhr im wahrsten Sinne des Wortes platzieren. Unter ihnen sind auch Eva-Maria Rühling und Agnes Seiffarth von „Bürger für Bürger“ und Christiane Bäumler, zuständig beim Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen für die Beratung von Senioren und ihren Angehörigen. Strauhal wünscht sich jedenfalls eine Menge Gespräche. „Demenz kann uns alle treffen. Aber sie steht auch für das Leben im Hier und Jetzt, für viel Bauchgefühl, Herz, Humor und Authentizität.“