Die Kitakrise trifft nicht alle Gemeinden. In Attenkirchen etwa gibt es keinen Personalmangel. Die Kommune kann sogar auswärtigen Kindern Plätze zur Verfügung stellen. Und das verdankt man einem ganz besonderen Luxus, den die Gemeinde sich gönnt.
Attenkirchen – Attenkirchens Bürgermeister Mathias Kern hat auf die Frage, was die Gemeinde Attenkirchen in Sachen Kinderbetreuung anders macht als andere Gemeinden, eine klare Antwort: „Wir geben viel zusätzliches Geld für die Kinderbetreuung aus.“ Zum einen leistet sich die Kommune im nördlichen Landkreis einen besseren Betreuungsschlüssel. Während es gesetzlich vorgeschrieben ist, dass für elf Kindergartenkinder eine Betreuungskraft angestellt sein muss, hat in Attenkirchen eine Betreuungskraft die Verantwortung für acht Kinder.
Bei der Krippe ist der vorgeschriebene Personalschlüssel 1:5, in Attenkirchen liegt er bei 1:4. „Wir haben in jeder Gruppe drei Betreuungskräfte für die Kinder.“ Ein Umstand, den nicht nur die Kleinen zu schätzen wissen, sondern vor allem das Personal. Und weil man in Attenkirchen personell nicht auf Kante genäht ist, kann die Gemeinde sich einen weiteren Luxus leisten, wie Kern sagt. „Unsere Mitarbeiterinnen haben die Möglichkeit, sich berufsbegleitend weiterzubilden.“ Berufsquereinsteiger sind in Attenkirchen willkommen. Aktuell sind es acht von 31 Mitarbeiterinnen. Kern möchte damit nicht den Beruf der Erzieherinnen torpedieren, er weiß, wie wichtig Personal ist, das die klassische, fundierte Ausbildung mitbringt. „Freilich wäre es besser, nur solche Leute zu haben.“
Kern: „Neue Herausforderungen verlangen nach neuen Antworten“
Aber wenn man vor so großen Problemen steht, müsse man eben den Mut haben, neue Wege zu gehen. „Neue Herausforderungen verlangen nach neuen Antworten.“ Und die Gemeinde Attenkirchen habe bislang mit Quereinsteigern nur gute Erfahrungen gemacht.
Und weil Attenkirchen mit den insgesamt 100 Kindergartenplätzen, die im Moment zur Verfügung stehen, großzügig geplant hat, weil man zudem wegen der soliden Personaldecke auch alle Plätze vergeben kann, ist man im Moment in der besonderen Lage, sieben Plätze auswärtigen Kindern zur Verfügung zu stellen. In der Krippe sind es drei freie Plätze.
Die Gemeinde habe das auch bereits dem Landratsamt gemeldet sowie zum einen den umliegenden Gemeinden, zum anderen den Städten Freising und Moosburg, wo die Not aktuell ja besonders groß sei. „Die Rückmeldungen halten sich jedoch in Grenzen“, sagt Kern. Aktuell besuchen insgesamt zehn Kinder von außerhalb die Attenkirchener Einrichtungen.
Mathias Kern betont, sich mit dem Thema nicht als Gemeinde aufspielen zu wollen, die „eine Insel der Glückseligen ist“. Attenkirchen habe sich durch diesen Weg einfach bewusst ganz besonderen Herausforderungen gestellt. „Es kostet Zeit, Energie und Geld, im laufenden Betrieb ständig Mitarbeiterinnen auszubilden.“ Aber es lohne sich, davon ist er fest überzeugt.
Kinderbetreuung sollten Landesaufgabe sein
In der Gesamtschau sieht er die Lösung des Problems jedoch ganz woanders: „Man muss radikal anders denken: Kinderbetreuungseinrichtungen sind auch Bildungseinrichtungen und sollten dringend Landesaufgabe sein und nicht die der Kommunen.“ Es würde die Gemeinden finanziell enorm entlasten, auf Landesebene sei das Problem schneller in den Griff zu bekommen. Kern schwebt etwa, parallel zum Schulamt, ein Kindergartenamt vor, bei dem die Fäden zusammenlaufen. All das habe er beim Bayerischen Gemeindetag bereits vorgebracht. Denn von staatlicher Seite würden Kommunen im Regen stehen gelassen. Und das müsse sich dringend ändern – gerade für so ein wichtiges Thema wie die Kinderbetreuung.
Auch Allershausen ist was Kinderbetreuungsplätze angeht gut aufgestellt.