Hiobsbotschaft der Telekom: Glasfaserausbau in Kochel und Schlehdorf in weiter Ferne – Bürgermeister sauer
Nach einer Hiobsbotschaft von der Telekom sind Bürgermeister Jens Müller und Stefan Jocher stocksauer. Die Gemeinden verlieren zwei Jahre Zeit und müssen mit der Planung wieder komplett von vorne anfangen.
Kochel am See/Schlehdorf – Vom geplanten Glasfaserausbau in der Verwaltungsgemeinschaft Kochel-Schlehdorf gibt es schlechte Nachrichten in Bezug auf eine rasche Umsetzung. Die Bürgermeister der beiden Gemeinden haben sich vor wenigen Tagen mit Vertretern der Telekom getroffen. Dabei stellte sich heraus, dass Kochel bis 2027, Schlehdorf sogar bis 2028 mit der Umsetzung warten müsste, „allerdings ohne wirkliche Garantie“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Rathaus. Außerdem werde das Unternehmen nicht, wie eigentlich geplant, alle Ortsteile in den beiden Gemeinden erschließen.
Telekom sieht Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben
Als Gründe nannte die Telekom mangelnde Wirtschaftlichkeit, weil in den vergangenen Jahren die Preise so gestiegen seien. Außerdem mangle es an Kapazitäten und Fachkräften, berichten die beiden Bürgermeister Jens Müller und Stefan Jocher auf Nachfrage unserer Zeitung. Die beiden sind ziemlich sauer: „Ich habe das Vertrauen in die Telekom verloren“, sagt Jocher. Auch Müller ist sehr frustriert: „Durch dieses Verhalten haben wir jetzt zwei Jahre Zeit verloren.“ Die beiden wollen und werden nicht von den Plänen ablassen, die Ortschaften komplett mit Glasfaser zu versorgen.
Kein Vertrag, deshalb kein Schadensersatz
Wie berichtet wollten beide Gemeinden ursprünglich den Ausbau mit der Firma UGG („Unsere Grüne Glasfaser“) durchführen. Dann kam es jedoch zum Stillstand der Entwicklung und in Kochel zur Ankündigung von der UGG, nicht die ganze Gemeinde auszubauen. In dieser Zeit legte die Telekom neue Angebote vor, mit dem Versprechen, 2024 mit dem Ausbau zu starten. Deshalb wurden, so berichtet Müller, „wie in der Branche üblich sogenannte ,letters of intent‘, also Absichtserklärungen, unterzeichnet. Weil es sich hierbei nicht um einen Vertrag handelt, ist die Telekom auch nicht verpflichtet, Schadensersatz zu leisten“, erklärt der Jurist.
Breitbandberatung Bayern will helfen
Bei dem Gespräch vor wenigen Tagen war auch der Geschäftsführer der Breitbandberatung Bayern dabei, Roland Zeltner. Ihm sei das Geschäftsgebaren der Telekom in letzter Zeit „nicht ganz unbekannt“, berichtet Müller. Zeltner wird jetzt den beiden Kommunen bei der Neuplanung zur Seite stehen. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder die Gemeinden bauen das Glasfasernetz in Eigenregie aus und erhalten dafür 90 Prozent staatliche Förderung. Klingt verlockend, aber die restlichen zehn Prozent haben es in sich: „Für Kochel wäre das mehr als eine Million Euro“, sagt Müller. Das Geld habe man schlichtweg nicht. Möglichkeit Nummer zwei sei, sich einen neuen Partner zu suchen.
Besonderheit in Walchensee
In Kochel gibt es noch eine besondere Herausforderung – nämlich den Bereich am Walchensee. „Die Strecke von Kochel nach Urfeld über den Kesselberg ist glasfasermäßig erschlossen, und zwar mit einem staatlich geförderten Kabel der Telekom. Hier muss die Telekom andere Anbieter drauf lassen“, erklärt Müller. „Die Fortsetzung von Urfeld nach Walchensee ist ebenfalls durch die Telekom erschlossen, allerdings durch ein eigenfinanziertes Kabel.“ Hier könne die Telekom einen anderen Anbieter drauf lassen, müsse aber nicht. „Ein anderer Anbieter müsste also hier ein eigenes Kabel über gut drei Kilometer verlegen oder der Telekom eine horrende Miete bezahlen, und das nur, um in Walchensee noch ein paar noch nicht angeschlossene Häuser zu versorgen. Daran ist letztlich auch die UGG damals gescheitert.“ Denn in Walchensee gebe es bereits einige Anwesen, die im Zuge eines früheren Bauprojekts schon Glasfaser hätten.
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Müller spielt nun mit dem Gedanken, dass im Bereich Walchensee-Urfeld die Gemeinde selbst den Glasfaserausbau übernimmt, denn für abgelegene Ortsteile gibt es ein spezielles Förderprogramm. Dann könnte man die übrige Gemeinde – also alle Kochler Bereiche sowie Ried – hoffentlich für einen neuen Anbieter attraktiv machen, „ohne dass dieser die Walchensee-Frage hat“, so Müller.
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Die Thematik wird demnächst in den beiden Gemeinderäten besprochen. „Eigentlich ist Schlehdorf derzeit recht gut mit VDSL versorgt, aber es gibt schon Firmen, die bräuchten größere Übertragungsgeschwindigkeiten“, sagt Jocher. Ähnlich äußert sich Müller. „Das Ärgerliche ist jetzt halt, dass wir mit der Planung komplett neu anfangen müssen.“ (müh)