„Hoffen, in zwei bis drei Jahren eröffnen zu können“: Infos aus erster Hand zu Tölzer Großprojekten

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Keine Zeitkapseln in Form von Thermoskannen überreichte der Tölzer CSU-Ortsvorsitzende Severin Eichenseher (3. v. li.) an die Protagonisten des Werkstattgesprächs (v. li.): Rainer Scherbaum und Kristian-Nikol Worbs (Postareal), Thomas Scherer (Moralt), Bürgermeister Ingo Mehner, Hannspeter Schubert (Campus Tölz) und Landratskandidat Thomas Holz. © Karl Bock

Ellbach-Quartier, Moraltareal und Campus Tölz: Bei einer Veranstaltung der CSU versammelten sich die Investoren von drei wichtigen Tölzer Vorhaben.

Bad Tölz – Um die Zukunft von drei aktuellen Tölzer Großprojekten ging es am Samstag bei einer überaus gut besuchten Wahlveranstaltung der Tölzer CSU. Die jeweiligen Investoren waren vor Ort und berichteten aus erster Hand über das sogenannte Ellbach-Quartier, das Moraltareal und den Campus Tölz. Beim Publikum kamen die Ausführungen teilweise gut an („sehr informativ!“), andere vermissten konkretere Auskünfte.

Ellbach-Quartier

Beim ehemaligen Postareal an der Hindenburgstraße haben viele Tölzer noch immer ein Problem damit, dass das markante historische Postamt nicht mehr steht, auch wenn man den anderen Gebäuden daneben keine Träne nachweint. Zwischen Hindenburgstraße und Nockhergasse soll in enger Absprache mit der Stadt Bad Tölz das „Ellbach Quartier“ entstehen. Hier sind ein Ersatz für den geschlossenen Edeka-Markt sowie weitere Geschäfte, Praxen, ein Hotel und Wohnungen und außerdem eine große Tiefgarage vorgesehen. Eigentümer Kristian-Nikol Worbs von der Aureus GmbH räumte zusammen mit dem befreundeten Bauunternehmer Rainer Scherbaum ein, dass der wenig ansprechende Zustand des Geländes wohl noch länger andauern werde.

Gründe seien zum einen die Überarbeitung der bisherigen Konzepte, zum anderen könne es zu Verzögerungen durch Bodenuntersuchungen kommen, „weil dort früher einmal Römer oder Kelten ihre Spuren hinterlassen haben“. Klar sei, dass man erst bauen kann, wenn man mit einem künftigen Supermarktbetreiber einig ist. Im Zusammenhang damit soll die riesige Kreuzung der Hindenburg- und der Wachterstraße, jetzt noch eine Teerwüste, verschwinden und durch einen Kreisverkehr ersetzt werden. Von dort aus wird eine Zufahrt zur künftigen Tiefgarage angelegt.

Wie Bürgermeister Ingo Mehner ergänzte, solle der ganze Straßenbereich bis zur Nockhergasse ähnlich der Marktstraße mit hoher Aufenthaltsqualität neu gestaltet werden. Das alles braucht Zeit. Wie Scherbaum sagte, dessen Unternehmen unter anderem das neue Wolfratshauser Isarkaufhaus realisiert hat, werde man im zweiten Quartal 2026 den Bebauungsplan erstellen lassen. Nach dem Genehmigungsverfahren (Stadtrat und schließlich Landratsamt) hoffe man, „in zwei bis drei Jahren eröffnen zu können.“

Moraltareal

Auf dem Moraltgelände sollen sich nach Worten des Bürgermeisters einmal „Tausend tolle Tölzer“ ansiedeln, das allerdings über einen Zeitraum von zehn Jahren, um die Einwohnerzahl der Kurstadt nicht aufzublähen. Thomas Scherer, der mit seiner Denkmalneu GmbH das Areal entwickelt, hatte zuvor von 50.000 Quadratmetern Wohnfläche gesprochen, die vorgesehen seien, dazu kommen ihm zufolge noch 40.000 Quadratmeter Gewerbefläche. Während Mehner von 20 Prozent „preisreduziertem Wohnraum“ ausging, meinte der Bad Heilbrunner, es werde noch spannend, die Verteilung von Miet- und Eigentumswohnungen sowie preisreduziertem Wohnraum und Mitarbeiterwohnungen auszudiskutieren.

Die Frage eines Zuhörers nach einem Elektromarkt bejahte Scherer, ein großes Textilkaufhaus werde es aber nicht geben, da es sich dabei um „innenstadtrelevante Waren“ handle, die nur in der Marktstraße angeboten werden dürfen. Insgesamt sollen, „wenn Moralt fertig ist“, 350 Millionen Euro investiert worden sein, so Scherer.

Für die Verkehrsanbindung des neuen Stadtteils müsse neben einem „Turbokreisel“ im Norden auch eine neue Lösung für die Einmündung der August-Moralt-Straße (beim „McDonald‘s“) in die B 13 nach Lenggries gefunden werden, sagte Mehner auf Nachfrage eines Tölzers. Hier mache man dem Straßenbauamt zwei Vorschläge und sei gespannt auf dessen Entscheidung.

Campus Tölz

Bereits weitgehend realisiert ist das dritte Projekt, das im Rahmen des zum zweiten Mal nach 2020 abgehaltenen Werkstattgesprächs in den Räumen des Taxiunternehmens Michael Much vorgestellt wurde: der Campus Tölz. Wie Investor und Geschäftsführer Hannspeter Schubert ausführte, sind dort 600 Quadratmeter von der Hochschule München mit vier Laboren belegt. Insgesamt biete man auf dem 2,5 Hektar großen Gelände aktuell 4000 Quadratmeter Hallenflächen an, die einem Mix aus Gewerbe, Forschung und Innovation dienen sollen. Bad Tölz wolle man zu einem „Garching des Südens“ machen, das auch Arbeitnehmer und Unternehmen aus Nachbarlandkreisen hierher locke, so Schubert. Insgesamt werden 20 Millionen Euro investiert.

Während ein Tölzer Geschäftsmann den „sehr informativen Charakter“ des vom CSU-Ortsvorsitzenden Severin Eichenseher organisierten eineinhalbstündigen Abends lobte, bedauerte er zugleich, dass dies „im Rahmen einer Parteiveranstaltung stattfand anstatt bei einer Bürgerversammlung“. Ein Besucher aus Gaißach äußerte sich enttäuscht: Er hatte sich konkretere Aussagen über den Zeitplan der Vorhaben erhofft.