Die Lebenshilfe Bad Tölz-Wolfratshausen hat erstmals zu einem offiziellen Neujahrsempfang eingeladen und dabei den Dialog mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gesucht. Vorsitzende Petra Wolf machte auf steigende Anforderungen, hohe Kosten, Fachkräftemangel und eine unzureichende Finanzierung aufmerksam und rief zu gemeinsamer Unterstützung auf, um Angebote für Menschen mit Behinderungen langfristig zu sichern.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Erstmals lud die Lebenshilfe Bad Tölz-Wolfratshausen zu einem offiziellen Neujahrsempfang ein. Zahlreiche Mitglieder sowie Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren vor Ort, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen.
„Wir wollen neue Wege gehen und den Austausch mit unseren Mitgliedern, der Politik und der Wirtschaft aktiv fördern“, betonte Petra Wolf, Vorsitzende der Kreisvereinigung. Seit 18 Monaten ist der neue Vorstand im Amt und habe erfahren, wie komplex die Rahmenbedingungen seien, unter denen Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen arbeiten müssen. Wolf machte deutlich, dass die Lebenshilfe ihren Auftrag nur unter stabilen finanziellen und personellen Voraussetzungen erfüllen könne. Gleichzeitig steigen die Anforderungen seit Jahren stark an. So müsse sich die Lebenshilfe – wie alle anderen sozialen Organisationen auch – mit hohen gesetzlichen Standards in Betreuung und Pflege auseinandersetzen, ebenso mit gestiegenen Kosten für Energie, Lebensmittel, Ausstattung und Instandhaltung. Hinzu komme akuter Fachkräftemangel, eine unzureichende Refinanzierung durch Kostenträger und im Raum stehende Kürzungen, unter anderem in der Schulfinanzierung. „Was Behinderteneinrichtungen leisten, wird zu wenig gesehen – und zu wenig finanziert.“
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Abhängig von Bezirk und Regierung
Als zu 100 Prozent staatlich refinanzierte Organisation sei die Lebenshilfe vollständig abhängig von Bezirk und Regierung, so Wolf. Lücken in der Finanzierung führten direkt zu Einschränkungen im Angebot – besonders bei Freizeit- und Bildungsmaßnahmen. „Für unsere Betreuten ist das ein schwerer Einschnitt, denn sie brauchen Stabilität, Sicherheit und Kontinuität“, erklärte Wolf. Die Einrichtungen beziehungsweise die Mitarbeitenden der Lebenshilfe unterstützen Menschen mit geistigen und oft auch körperlichen Beeinträchtigungen dabei, Alltag, Teilhabe und Entwicklung zu ermöglichen, und sie tun dies mit Herzblut, Leidenschaft und Engagement. Wolf rief Politik, Kommunen, Unternehmen und Mitglieder dazu auf, die Einrichtungen weiter zu unterstützen – finanziell, ideell und durch ehrenamtliches Engagement. „Wir dürfen uns nicht voneinander entfernen“, so Wolf. „Nur gemeinsam können wir die aktuellen Herausforderungen bewältigen.“
Ehrenamtliche Arbeit
Bürgermeister Dr. Ingo Mehner bestätigte in seinem Grußwort, dass die Herausforderungen noch nie so groß gewesen seien wie heute – Standards, Vorgaben und Hürden nähmen kontinuierlich zu. Er dankte dem Vorstand und allen Engagierten ausdrücklich für ihre unentgeltliche, ehrenamtliche Arbeit, die „alles andere als selbstverständlich“ sei. Neujahrsempfänge wie dieser, so Mehner, seien wertvolle Gelegenheiten für persönlichen Austausch, Vernetzung und das gegenseitige Kennenlernen.