Trotz Frost: Rottacher Jagdvorstand lässt die Futterstellen fürs Rotwild leer

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Die Futterstelle in Enterrottach ist nicht bestückt, wie auch die beiden anderen früheren Winterfütterungen im Gemeindegebiet Rottach-Egern. © Wildes Bayern

15 Grad minus in der Nacht, der Boden zu Beton gefroren. Während überall im Landkreis die Futterstellen fürs Rotwild gut bestückt sind, bleiben sie in Rottach-Egern leer.

Rottach.-Egern - „Es zerreißt mir das Herz“, sagt Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal. Wer im eisigen Winter dem Rotwild die Unterstützung versage und keinen Halm Heu auslege, dem fehle jede Empathie für Lebewesen. „Es ist eine einzige Provokation, ein Machtkampf“, glaubt sie.

Entbrannt ist der Kampf schon im vergangenen Jahr. Wie berichtet, entschieden sich die Rottacher Jagdvorsteher Quirin Berghammer und Lorenz Kandlinger (Brandstatt) zum Kurswechsel. Die bisherige Rotwild-Winterfütterung an drei Standorten auf Rottacher Flur findet seit 2025 nicht mehr statt. Man beschränke die Futtergabe auf Notzeiten, erklärten die Jagdvorsteher. Dies entspreche der Gesetzesvorgabe, begründeten sie den Schritt, der eine Abkehr vom gemeinsamen Fütterungskonzept der Hochwildhegegemeinschaft bedeutet.

Die Leere an den Futterstellen sorgte auch im milden Winter 2025 für Empörung. Das Landratsamt legte dem Rottacher Jagdvorstand die Fütterung nahe und sprach von winterlicher Notzeit. Doch nach einem Ortstermin mit Landrat Olaf von Löwis bei Plusgraden ruderte die Behörde zurück.

„Aber der Frost jetzt ist schlimm“, sagt Hegeringleiter Bernhard Greinsberger. Er habe mit Jagdvorsteher Berghammer gesprochen, berichtet er. Doch der sehe keine Notzeit. „Da fehlen mir alle Worte“, kommentiert Greinsberger diese Haltung. In seinem Revier in Bayrischzell erlebe er, dass das Rotwild derzeit extrem an die Futterstellen dränge. „Die kommen jetzt wirklich alle, weil sie nichts mehr finden.“ Mit der Fütterung helfe man im Übrigen nicht nur dem Wild, sondern schütze diesen auch vor Verbiss.

Greinsberger hat das Landratsamt am Mittwoch gebeten, offiziell eine Notzeit festzustellen und die Fütterung anzuordnen. Leider sei der Begriff nicht klar definiert: „Da ist die Politik gefordert.“

Auch Tierschützerin Ecker-Schotte hat ans Landratsamt geschrieben. Um ihre „wirklich tiefe Enttäuschung und den Frust“ zum Ausdruck zu bringen, berichtet sie: „Es passiert einfach gar nichts.“ Immer wieder habe sie die Behörde aufgefordert, eine Fütterung durchzusetzen, um Tierleid zu beenden.

Eine ähnliche Aufforderung haben Landrat von Löwis und sein Stellvertreter Jens Zangenfeind von Christine Miller erhalten, Vorsitzende des Vereins Wildes Bayern. „Das Wild irrt großräumig umher, sucht nachts Talwiesen auf und versucht, das Altgras vom hart gefrorenen Boden freizuschlagen“, schildert die Wildbiologin. Das Rotwild müsse umgehend versorgt werden.

Eine Forderung, die auch Leonhard Kandlinger erhebt. Er hat mit Jagdvorsteher Lorenz Kandlinger den Nachnamen gemein, teilt dessen Haltung aber absolut nicht. Leonhard Kandlinger gehören Grundstücke am Wallberg, er hat im Revier gejagt und die Fütterung betreut, bis er im Frühsommer 2025 keine Jagderlaubnis mehr erhielt. Das will er jetzt nicht zum Thema machen: „Es geht um die Tiere.“ Derzeit erlebe er, wie das Wild verzweifelt in den gefrorenen Wiesen scharre, um Nahrung zu finden. Es brauche Unterstützung: „Aber unsere Vorstände wollen das nicht.“

Die Jagdvorsteher Berghammer und Kandlinger selbst ließen Anfragen der Redaktion unbeantwortet. Eine behördliche Anordnung droht ihnen nicht. Laut Landratsamt besteht bei anhaltenden Minusgraden und Schnee zwar eine Notzeit, man werde sie aber nicht offiziell ausrufen, weil „dies die Verantwortlichen vor Ort tun sollten und bereits alle anderen Gemeinden die Notwendigkeit einer Fütterung sehen und umsetzen“.