Als die Skilifte aus dem Boden schossen

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Blick über den See: der Prinzenruhlift am Westufer in Bad Wiessee. © kw

Einst standen im Tegernseer Tal zahlreiche Skilifte. Davon ist nichts mehr zu sehen. Denn heute geht ohne Kunstschnee nichts mehr.

Tegernseer Tal – Die erste Liftanlage stand 1949 im heutigen Skigebiet Spitzingsee. Es war ein kleiner Sessellift. 1951 folgte die Wallbergbahn. Dann ging es Schlag auf Schlag. Jeder Ort wollte einen Skilift. Die Investitionen amortisierten sich. Heute, gut 75 Jahre später, macht der Klimawandel Betreibern wie Skifahrern zu schaffen. Ohne Kunstschnee geht nichts mehr. Geblieben ist nur das Verkehrschaos am Ende eines Skitages.

Über die Staus klagte man schon im Winter 1964. Einst im März schrieb die Innungszeitung der Bayerischen Bäcker, die im Suttengebiet ihre Skirennen austrugen, dass nach einem „Sonnentag“ die Heimfahrt Richtung München sich „zu einer kleinen Strapaze gestaltete. Was da an Autos und Omnibussen entlang des Tegernsees dahinkroch, um über die überfüllte Autobahn oder auf Nebenstraßen den Heimatort zu erreichen, glich einem Verkehrschaos“.

Dieselgenerator trieb Bügellift an

Die Bäcker hatten an der Sutten ihr Quartier im Anbau der nach ihnen benannten „Bäckerhütte“. Wirt war Franz Keller, der für die „Brettlnarrischen“ einen Bügellift baute. Diesen betrieb Keller bis 1974, wie sein Sohn Michael erzählt. Betrieben wurde der Lift, der auch Scharen von Kindern aus München für Skikurse diente, mit einem Dieselgenerator. Aus der späteren Bäckeralm wurde vor elf Jahren die Lukasalm. Dort ist das Betonfundament des Lifts heute noch zu sehen. Ansonsten überwuchert seitdem die Natur die Abfahrtsschneise.

Winteridyll pur: der Schlepplift vor der damaligen Bäckeralm im Suttengebiet.
Winteridyll pur: der Schlepplift vor der damaligen Bäckeralm im Suttengebiet. © kw

Es war eben die Zeit, als das Skifahren boomte und Winter noch Winter waren. Daher baute die Gemeinde Schliersee 1949 ihren ersten Sessellift. Er führte vom Spitzingsee hinauf auf den Gipfel des Stümpfling. Allerdings existierte damals noch keine befahrbare Straße hinauf zum Spitzingsee, was den anschließenden Bau einer Seilbahn vom Josefstal zum Spitzingsattel notwendig machte.

Das erste Skirennen am Schliersee in Fischhausen wurde aber bereits 1904 abgehalten. Schon 1907 fanden dort die Bayerischen Skimeisterschaften statt. In diesem Jahr kamen bereits um die 2000 Skifahrer an Feiertagen mit der Bahn nach Schliersee. Zwischen den Weltkriegen wurden sogar Sonderzüge eingesetzt, um die bis zu 10 000 Skifahrer, die an Wochenenden nach Schliersee strömten, transportieren zu können.

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Diese Begeisterung für den winterlichen Sport schwappte viele Jahre zuvor auch an den Tegernsee. Für den jungen Schullehrer Max Rehle war das Glück vollkommen, als er 1905 nach Tegernsee versetzt wurde. Mithilfe der neumodischen Skier konnte er im Winter herrliche Touren in unberührter Natur unternehmen. Schnell hatte er am Tegernsee den Ruf als „spinnerter Lehrer“ weg, wenn er mit seinen Brettln und einem martialischen, haselnussernen Skistock bewaffnet zum Pfliegleck auf 1065 Metern hinaufstapfte und dort die ersten Telemark- und Stemmbögen in den Schnee zeichnete. Er wurde ein Berg- und Skipionier im Tegernseer Tal und Mitbegründer des Ski-Clubs Rottach-Egern (SCRE) 1907 und des Wintersports-Verein Tegernseer Tal (WSVT) 1910.

Am Bucherhang in Bad Wiessee wurde in den 1970-ern noch Ski gefahren.
Am Bucherhang in Bad Wiessee wurde in den 1970-ern noch Ski gefahren. © kw

Die Faszination Skifahren hielt viele Jahre. Weitere Ski-Clubs im Tal folgten. Alle Vereine profitierten davon, dass mit der Eröffnung der Wallbergbahn 1951 der Skilauf zusehends zum Volkssport wurde. Diesem Trend folgte man zwischen Schliersee, Spitzingsee und Tegernsee. Ein Lift nach dem anderen schoss aus dem Boden. Da waren der Sonnenmooslift in Rottach-Egern, der Kircherlhang- und Setzberglift am Wallberg, der Lift am Ringberg beim „Grea Wasserl“, die Schlepper in Bad Wiessee am Bucherhang und an der Prinzenruh, der Gottwald- und Tebellift in Tegernsee – sie alle sind längst nicht mehr vorhanden. Selbst der nordseitige Pfannilift von Neuhaus am Schliersee lief in der Saison 2024/2025 mangels Schnee nur einen Tag.

Im Einersessel ging‘s am Setzberg am Wallberg nach oben.
Im Einersessel ging‘s am Setzberg am Wallberg nach oben. © kw

Und die Aussichten zum Skifahren in diesen geringen Höhen sind nicht rosig. Langzeitstudien ergaben, dass sich die Schneesaison unterhalb von 2000 Metern im Alpenraum je nach Höhenlage und Region seit 1971 um bis zu 34 Tage verkürzt hat. Grund sei das Steigen der durchschnittlichen winterlichen Nullgradgrenze auf 1500 Meter. Deshalb geht auch im Landkreis Miesbach ohne Schneekanonen schon lange nichts mehr. Das für Fördergelder zur Unterstützung technischer Beschneiung zuständige Landwirtschaftsministerium erklärt auf Medienanfragen, „der Einsatz von Schneekanonen könne nach wie vor wirtschaftlich sinnvoll sein“.